Der Bun­des­rat hat am 5. Juni 2015 den Geset­zes­ent­wurf zur Unter­neh­mens­steu­er­re­form III (Unter­neh­mens­steu­er­re­form­ge­setz III; UStRefG III) samt Bot­schaft zuhan­den des Par­la­ments ver­ab­schie­det und in einer Pres­se­kon­fe­renz vor­ge­stellt. Er erwar­tet die par­la­men­ta­ri­sche Schluss­ab­stim­mung für 2016 und die Umset­zung der Reform für 2019. Ergän­zend zur Bot­schaft legt er eine Regu­lie­rungs­fol­gen­ab­schät­zung UStRef III (RFA) mit wei­te­ren Infor­ma­tio­nen vor.

Damit hat der Bun­des­rat sei­ne am 2. April 2015 kom­mu­ni­zier­ten Eck­wer­te des Ver­nehm­las­sungs­er­geb­nis­ses (s. swiss­blawg-Bei­trag vom 4. April 2015) plan­mä­ssig zügig kon­kre­ti­siert. Erst­mals liegt die UStRef III nun in Form eines aus­for­mu­lier­ten Geset­zes­ent­wur­fes vor.

1.) Steu­er­po­li­ti­sche Mass­nah­men
Der steu­er­po­li­ti­sche Teil der Reform bewirkt erwar­tungs­ge­mäss Anpas­sun­gen an fol­gen­den Geset­zen:

StHG (SR 642.14):
Zwin­gen­de Abschaf­fung der kan­to­na­len Pri­vi­le­gi­en gem. Art. 28 Abs. 2–5 StHG;    Ein­füh­rung der ‘Patent­box‘; fakul­ta­ti­ver zusätz­li­cher Abzug für For­schungs- und Ent­wick­lungs­auf­wen­dun­gen; fakul­ta­ti­ve Ermä­ssi­gung der Kapi­tal­steu­er auf Eigen­ka­pi­tal, wel­ches auf Paten­te, ver­gleich­ba­re Rech­te oder Betei­li­gun­gen ent­fällt.

DBG (SR 642.11) und StHG mit jeweils ana­lo­gen Rege­lun­gen (‘Mass­nah­men zur Ver­bes­se­rung der Steu­er­sy­ste­ma­tik’):
Ein­füh­rung ein­heit­li­cher Rege­lun­gen bei der Auf­deckung stil­ler Reser­ven (bei Auf­ga­be des pri­vi­le­gier­ten Steu­er­sta­tus, bei Zuzug und bei Weg­zug); Ein­füh­rung einer ein­heit­li­chen Erlei­che­rung im Teil­be­steue­rungs­ver­fah­ren (70% steu­er­bar).

StG (SR 641.10):
Abschaf­fung der Emis­si­ons­ab­ga­be auf Eigen­ka­pi­tal (‘Mass­nah­me zur Ver­bes­se­rung der Steu­er­sy­ste­ma­tik’). 

BG über die Durch­füh­rung von zwi­schen­staat­li­chen Abkom­men des Bun­des zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung (SR 672.2):
Gesetz­li­che Grund­la­ge für die Ver­ord­nung zur Ver­mei­dung der Über­be­steue­rung von Betriebs­stät­ten aus­län­di­scher Unter­neh­men in der Schweiz (Moti­on Pel­li; s. swiss­blawg-Bei­trag vom 22.4.2015).

Die Pra­xis­re­ge­lun­gen zur spe­zi­el­len inter­na­tio­na­len Gewinn­aus­schei­dung bei Prin­zi­pal­ge­sell­schaf­ten und zur Finan­ce Branch kön­nen ohne for­mel­le Geset­zes­än­de­rung mit dem Inkraft­tre­ten der Reform abge­schafft wer­den, wes­halb die­se Anpas­sun­gen nicht for­mel­ler Bestand­teil des UStRefG III sind (Ziff 1.2.3 Bot­schaft).

Die zu erwar­ten­den kan­to­na­len Gewinn­steu­er­satz­sen­kun­gen sind for­mell eben­falls nicht Teil der vor­lie­gen­den Reform, da der Ent­scheid über die Höhe der kan­to­na­len Gewinn­steu­er­sät­ze seit je in der allei­ni­gen Kom­pe­tenz der Kan­to­ne liegt (Art. 3; 129 Abs. 2 BV; SR 101).

Die Ton­na­ge Tax, wel­che als mög­li­che Mass­nah­me zur Kom­pen­sa­ti­on von Steu­er­aus­fäl­len geprüft wor­den war, hat der Bun­des­rat auf der Basis eines Rechts­gut­ach­tens man­gels Ver­ein­bar­keit mit der Bun­des­ver­fas­sung ver­wor­fen (Ziff. 1.3.4 Bot­schaft; Ziff. 6.3.4 RFA).

Details zur Patent­box (kon­kret: Berech­nung des Erfolgs aus Paten­ten und ver­gleich­ba­ren Rech­ten sowie die Anwen­dung des modi­fi­zier­ten Nexus-Ansat­zes) will der Bun­des­rat in einer sepa­ra­ten Ver­ord­nung regeln, um die Ergeb­nis­se der OECD-Ent­wick­lung berück­sich­ti­gen zu kön­nen (Ziff. 2.4; 5.1.7; 5.2.7 Bot­schaft).

Die Bot­schaft setzt sich noch­mals mit den Ergeb­nis­sen der Ver­nehm­las­sung aus­ein­an­der und begrün­det, war­um gewis­se wei­te­re Mass­nah­men nicht in den Geset­zes­ent­wurf auf­ge­nom­men wur­den (u.a.: Zins­be­rei­nig­te Gewinn­steu­er / ’notio­nal Inte­rest‘; Besteue­rung pri­va­ter Kapi­tal­ge­win­ne; Anpas­sun­gen beim Betei­li­gungs­ab­zug und bei der Ver­lust­ver­rech­nung etc.; s. Ziff. 1.3.4 Bot­schaft; Ziff. 6.3.2; 6.3.5f. RFA; ).

2.) Finanz­po­li­ti­sche Mass­nah­men und Kosten
Die erfor­der­li­chen Anpas­sun­gen beim Finanz­aus­gleich unter den Kan­to­nen (‘neue Gewich­tungs­fak­to­ren’) und der Ergän­zungs­bei­trag des Bun­des wer­den im Bun­des­ge­setz über den Finanz- und Lasten­aus­gleich (FiLaG, SR 613.2) neu gere­gelt. Die Erhö­hung des Kan­tons­an­teils an den Bun­desteu­ern von heu­te 17% auf neu 20,5% wird in Art. 169 Abs. 1 DBG ent­spre­chend ange­passt.

Die Kosten für die Reform bezif­fert der Bun­des­rat auf CHF 1.3 Mrd pro Jahr, wel­che er erst­mals in sei­ner Finanz­pla­nung für das Jahr 2019 berück­sich­tigt (Min­der­ein­nah­men aus Abschaf­fung Emis­si­ons­ab­ga­be bereits ab 2017).

3.) Fahr­plan
Gemäss münd­li­chen Anga­ben der Finanz­mi­ni­ste­rin anläss­lich der Pres­se­kon­fe­renz soll die Vor­la­ge von der WAK des Stän­de­rats bereits im August 2015, vom Stän­de­rat selbst in der Sep­tem­ber­ses­si­on 2015 bera­ten wer­den. Die Schluss­ab­stim­mung im Par­la­ment soll anfangs 2016 mög­lich sein. Die Mass­nah­men der UStRef III sol­len ab 2019 in Kraft gesetzt wer­den, wobei die Emis­si­ons­ab­ga­be auf Eigen­ka­pi­tal bereits im Jah­re 2017 abge­schafft wer­den soll.

4.) Berei­ni­gung einer Pen­denz aus UStRef II | Agio-Reserven/KER
Die vom Bun­des­rat im Zusam­men­hang mit der UStRef II geprüf­te Opti­on, die ver­rech­nungs­steu­er­freie Aus­zah­lung von Kapi­tal­ein­la­ge­re­ser­ven (Agio) ein­zu­schrän­ken (“Prio­ri­tä­ten­re­gel”) wird in die­ser Bot­schaft für abge­schrie­ben erklärt (Ziff. 1.3.4/Schluss Bot­schaft.) Jenes Vor­ha­ben hat­te für Ver­un­si­che­rung bei Anle­gern und Unter­neh­men gesorgt.

Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.