Am 5. Juni 2015 hat der Bun­des­rat sei­ne Stel­lung­nah­me zum Ent­wurf der WAK-N zur Ände­rung des Ver­rech­nungs­steu­er­ge­set­zes (VStG; SR 642.21) publi­ziert, dies im Rah­men sei­ner Mit­wir­kung gem. Art. 112 Abs. 3 Par­la­ments­ge­setz (SR 171.10) im Zusam­men­hang mit der Par­la­men­ta­ri­schen Initia­ti­ve 13.479 (‘Klar­stel­lung der lang­jäh­ri­gen Pra­xis beim Mel­de­ver­fah­ren bei der Ver­rech­nungsteu­er’).

Bekannt­lich muss die steu­er­pflich­ti­ge juri­sti­sche Per­son, wel­cher das Mel­de­ver­fah­ren schrift­lich bewil­ligt wur­de, nach gel­ten­dem Recht ihre VSt-Pflicht durch Mel­dung innert 30 Tagen ab Fäl­lig­keit der aus­zu­be­zah­len­den Divi­den­de erfül­len. EStV und das BGer betrach­ten die­se Frist als Ver­wirk­lungs­frist. Die Mehr­heit der Kom­mis­si­on beur­teilt die Kon­se­quenz dar­aus — effek­ti­ve Ent­rich­tung der VSt — als unver­hält­nis­mä­ssig: nebst hohen Ver­zugs­zin­sen kann die ordent­li­che Ent­rich­tung der Ver­rech­nungs­steu­er bei den betrof­fe­nen Unter­neh­men zu einem vor­über­ge­hen­den Liqui­di­täts­ab­fluss füh­ren, obwohl ihnen zuvor die Gewäh­rung des Mel­de­ver­fah­rens schrift­lich bestä­tigt wor­den war.

Die Kom­mis­si­ons­mehr­heit bean­tragt dem Natio­nal­rat des­halb, die Frist sowohl für die Dekla­ra­ti­on der Ver­rech­nungs­steu­er (im Rah­men des gewähr­ten Mel­de­ver­fah­rens) als auch für den Antrag auf Gewäh­rung des Mel­de­ver­fah­ren als blo­sse Ord­nungs­frist zu defi­nie­ren.

Der Bun­des­rat folgt dem Antrag der Kom­mis­si­ons­mehr­heit nicht und hält am Kon­zept der Ver­wir­kungs­frist fest. Er ent­schei­det sich für den Antrag der Kom­mis­si­ons­min­der­heit und befür­wor­tet damit immer­hin, “die Dekla­ra­ti­ons­frist von 30 auf 90 Tage [nach Ent­ste­hung der Steu­er­for­de­rung] zu ver­län­gern. Die Frist zur Gel­tend­ma­chung des Mel­de­ver­fah­rens soll von 30 Tagen auf neu ein Jahr aus­ge­dehnt wer­den. Bei Ver­wir­kung der Fri­sten wird nach wie vor ein Ver­zugs­zins erho­ben. Der Geset­zes­ent­wurf stellt das bestehen­de System der Selbst­de­kla­ra­ti­on und die Ver­wir­kungs­frist nicht in Fra­ge und behan­delt alle Steu­er­pflich­ti­gen gleich.”  (Medi­en­mit­tei­lung Bun­des­rat)

Die von der Kom­mis­si­ons­mehr­heit bean­trag­te Rück­wir­kung der neu ein­zu­füh­ren­den Lösung lehnt der BR als unzu­läs­sig ab.

Die vor­lie­gen­de Par­la­men­ta­ri­sche Initia­ti­ve war von der WAK-N nach Aus­wer­tung der Ver­nehm­las­sung in Form eines Geset­zes­ent­wur­fes mit zwei Vari­an­ten samt Bericht der WAK-N vom 13. April 2015 dem Natio­nal­rat und dem Bun­des­rat über­wie­sen wor­den. Zum wei­te­ren Zeit­plan lie­gen noch kei­ne genau­en Anga­ben vor.

Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.