Am 10. Juli 2015 haben die Schweiz und Liech­ten­stein erst­mals ein umfas­sen­des Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men unter­zeich­net. Die­ses soll nach Geneh­mi­gung durch die Par­la­men­te bei­der Län­der am 1. Janu­ar 2017 in Kraft tre­ten. 

Das bis anhin gel­ten­de DBA aus dem Jah­re 1995 (DBA 1995)  beschränkt sich als blo­sses Rumpf­ab­kom­men auf die Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung von Ein­künf­ten aus unselb­stän­di­ger Arbeit, aus beruf­li­cher Vor­sor­ge, aus dem öffent­li­chen Dienst sowie aus Zin­sen aus Grund­pfand­for­de­run­gen. Rege­lun­gen zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung bei Zin­sen, Divi­den­den und Lizen­zen feh­len bis anhin eben­so wie ein Regime für die OECD-kon­for­me Amts­hil­fe.

Das neue DBA (DBA 2015) ori­en­tiert sich in Form und Inhalt am OECD Muster­ab­kom­men. Dem­entspre­chend ent­hält es die übli­chen umfas­sen­den Rege­lun­gen zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung auf dem Gebie­te des Ein­kom­mens und des Ver­mö­gens sowie eine Rege­lung zur Amts­hil­fe im Sin­ne von Art. 26 des OECD Muster­ab­kom­mens.

Wäh­rend Liech­ten­stein die Erhe­bung einer Ver­rech­nungs­steu­er für seit 2011 erwirt­schaf­te­te Gewinn­re­ser­ven ohne­hin nicht mehr vor­sieht, kön­nen ins­künf­tig neu auch Divi­den­den aus der Schweiz an eine liech­ten­stei­ni­sche Mut­ter­ge­sell­schaft oder an liech­ten­stei­ni­sche Vor­sor­gen­rich­tun­gen ver­rech­nungs­steu­er­frei aus­ge­schüt­tet wer­den. Der Sockel­satz für schwei­ze­ri­sche Divi­den­den an in Liech­ten­stein ansäs­si­ge Emp­fän­ger ohne beson­de­re qua­li­fi­zie­ren­de Merk­ma­le beschränkt sich neu auf (die für DBAs gene­rell übli­chen) 15% statt wie bis­her 35%. Zin­sen aus der Schweiz an in Liech­ten­stein ansäs­si­ge Emp­fän­ger kön­nen ins­künf­tig eben­falls ver­rech­nungs­steu­er­frei aus­ge­schüt­tet wer­den.

Grenz­gän­ger sol­len wie bis­her aus­schliess­lich an ihrem Wohn­ort besteu­ert wer­den, es sei denn sie bezie­hen Lohn von einem öffent­lich-recht­li­chen Arbeit­ge­ber des­sen Trä­ger aus­schliess­lich der ande­re Staat ist. Liech­ten­stein konn­te sein Anlie­gen einer gene­rel­len Quel­len­be­steue­rung von 4% der Ein­künf­te von Grenz­gän­gern aus der Schweiz nicht durch­set­zen, ent­ge­gen der ver­gleich­ba­ren Situa­ti­on im Grenz­ver­kehr zwi­schen Deutsch­land und der Schweiz und (im Resul­tat) jenem zwi­schen Frank­reich und der Schweiz. 

Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.