Die Ver­mie­te­rin eines Bistro-Cafés mit Kiosk und Take Away in Zürich mach­te beim Han­dels­ge­richt Zürich ein Aus­wei­sungs­be­geh­ren im Ver­fah­ren um Rechts­schutz in kla­ren Fäl­len anhän­gig. Das Ein­zel­ge­richt am Han­dels­ge­richt Zürich hiess das Begeh­ren gut und wies das Stadt­am­mann­amt Zürich an, den Gerichts­be­fehl auf Ver­lan­gen zu voll­strecken (Urteil 4A_184/2015 vom 11. August 2015).

Gegen die­sen Ent­scheid erhob die Mie­te­rin (A. GmbH) Beschwer­de ans Bun­des­ge­richt. Sie mach­te gel­tend, da sie ein Kün­di­gungs­schutz­be­geh­ren bei der Schlich­tungs­be­hör­de Zürich ein­ge­reicht habe, hät­te das Han­dels­ge­richt Zürich auf das Aus­wei­sungs­be­geh­ren nicht ein­tre­ten dür­fen. Durch den Ent­scheid habe das Han­dels­ge­richt Art. 64 Abs. 1 lit. a ZPO ver­letzt, wonach ein Streit­ge­gen­stand zwi­schen zwei Par­tei­en nicht an zwei Gerich­ten gleich­zei­tig rechts­hän­gig gemacht wer­den kann.

Das Bun­des­ge­richt wies die Beschwer­de ab. Es hielt aus­drück­lich fest, dass über ein Aus­wei­sungs­be­geh­ren im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren um Rechts­schutz in kla­ren Fäl­len gemäss Art. 257 ZPO auch dann ent­schie­den wer­den darf, wenn die vor­an­ge­hen­de Kün­di­gung wegen Zah­lungs­rück­stand vom Mie­ter gericht­lich ange­foch­ten wur­de und das miet­recht­li­che Ver­fah­ren noch nicht rechts­kräf­tig erle­digt ist. In sol­chen Fäl­len ist die Gül­tig­keit der Kün­di­gung im Ver­fah­ren um Rechts­schutz in kla­ren Fäl­len als Vor­fra­ge nach Art. 257 Abs. 1 ZPO zu beur­tei­len (E. 3.2).

Da die Mie­te­rin ledig­lich gel­tend gemacht hat­te, die Kün­di­gung ver­sto­sse gegen Treu und Glau­ben, ohne gleich­zei­tig zumin­dest schlüs­sig zu behaup­ten, dass ein­zel­ne Vor­aus­set­zun­gen einer ausser­or­dent­li­chen Kün­di­gung wegen Zah­lungs­rück­stand nicht vor­ge­le­gen hät­ten, durf­te das Ein­zel­ge­richt am Han­dels­ge­richt dem Aus­wei­sungs­be­geh­ren statt­ge­ben (E. 4.4).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).