Die Glas­fen­ster­front und Glas­schei­ben einer Vil­la wur­den durch unsach­ge­mäss aus­ge­führ­te Rei­ni­gungs­ar­bei­ten sicht- und spür­bar zer­kratzt. Der Eigen­tü­mer liess die Glas­schei­ben nicht erset­zen, mach­te aber gestützt auf Art. 41 OR Scha­den­er­satz gel­tend. Vor Bun­des­ge­richt war die Fra­ge umstrit­ten, wie der Scha­den zu berech­nen bzw. ob ein Total- oder ein blo­sser Teil­scha­den ein­ge­tre­ten war (Urteil 4A_61/2015 vom 25. Juni 2015, E. 3).

Das Bun­des­ge­richt hielt fest, dass bei einem Sach­scha­den zwi­schen Total­scha­den und Teil­scha­den unter­schie­den wer­den muss. Liegt ein Total­scha­den vor, ent­spricht der Sach­scha­den dem Ersatz­an­schaf­fungs­wert (“val­eur de rem­pla­ce­ment”). Ist nur ein Teil­scha­den ein­ge­tre­ten, ent­spricht der Scha­den den Repa­ra­tur­ko­sten bzw. dem Min­der­wert der Sache (E. 3.1). In bei­den Fäl­len sind all­fäl­li­ge Vor­tei­le durch das Scha­dens­er­eig­nis anzu­rech­nen (E. 3.2).

Die Glas­schei­ben konn­ten im vor­lie­gen­den Fall gemäss den Fest­stel­lun­gen der kan­to­na­len Vor­in­stanz nicht repa­riert wer­den. Für das Bun­des­ge­richt muss­te des­halb der Scha­den bestimmt wer­den, wie wenn die Glas­schei­ben voll­stän­dig zer­stört wor­den wären, und der Geschä­dig­te konn­te den Ersatz­an­schaf­fungs­wert für die Glas­schei­ben for­dern. Kei­ne Rol­le spiel­te das Prin­zip “neu für alt”, denn die Glas­schei­ben waren noch neu­wer­tig, als sie durch die Rei­ni­gungs­ar­bei­ten beschä­digt wur­den (E. 3.4).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).