Die spä­te­re Erb­las­se­rin unter­zeich­ne­te in einem Hotel in Ita­li­en eine Schuld­an­er­ken­nung, wor­in sie dem Klä­ger eine Zah­lung von CHF 1’850’000 als Aner­ken­nung für die gelei­ste­te Hil­fe und Unter­stüt­zung wäh­rend den letz­ten fünf Jah­ren ver­sprach. Der Klä­ger lei­te­te spä­ter in der Schweiz Kla­ge gegen die Erb­schaft der Ver­stor­be­nen ein, wor­auf die in Schwe­den ansäs­si­gen Erben die Ein­re­de der ört­li­chen Unzu­stän­dig­keit erho­ben (Urteil 4A_703/2014 vom 25. Juni 2015).

Das Bun­des­ge­richt rief zunächst lehr­buch­ar­tig die Grund­sät­ze der Theo­rie dop­pel­re­le­van­ter Tat­sa­chen in Erin­ne­rung (“théo­rie de la dou­ble per­ti­nence”; E. 5). Im kon­kre­ten Fall stell­te sich die Fra­ge, wel­chen Anfor­de­run­gen die kla­gen­de Par­tei genü­gen muss, damit das Gericht die ört­li­che Zustän­dig­keit gestützt auf die klä­ge­ri­schen Vor­brin­gen beja­hen kann (E. 6).

Das Bun­des­ge­richt stell­te fest, dass das Gericht zwar sei­ne Zustän­dig­keit von Amtes wegen prüft, die Par­tei­en jedoch zur Mit­wir­kung ver­pflich­tet sind. Lei­tet der Klä­ger die Kla­ge an einem spe­zi­el­len Gerichts­stand ein (“for spé­ci­al”), bei dem dop­pel­re­le­van­te Tat­sa­chen vor­lie­gen müs­sen, so hat er die­se Tat­sa­chen in sei­nen Rechts­schrif­ten und übri­gen Pro­zess­vor­brin­gen schlüs­sig (“con­cluant”) dar­zu­le­gen (E. 6.1). Dabei scha­det es dem Klä­ger nicht, wenn der Abschnitt “Tat­säch­li­ches” (“en fait”) nicht alle nöti­gen Vor­brin­gen ent­hält. Es genügt, wenn ein Teil der dop­pel­re­le­van­ten Tat­sa­chen im Abschnitt “Recht­li­ches” (“en droit”) vor­ge­bracht wird. Im vor­lie­gen­den Fall war aus­rei­chend, dass im Tat­säch­li­chen ledig­lich behaup­tet wur­de, es lie­ge eine Schuld­an­er­ken­nung vor, und im Recht­li­chen aus­ge­führt wur­de, wel­ches der For­de­rungs­grund für die ein­ge­klag­ten Ansprü­che und wo der Erfül­lungs­ort war (E. 6.2).

Roland Bachmann

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Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).