Ein Chauf­feur und Land­wirt (Beschwer­de­geg­ner) mach­te gegen­über der Vau­doi­se (Beschwer­de­füh­re­rin) Lei­stun­gen aus zwei Vor­sor­ge­ver­si­che­run­gen der gebun­de­nen Vor­sor­ge (Säu­le 3a) gel­tend. Vor Bun­des­ge­richt war umstrit­ten, inwie­fern der Beschwer­de­geg­ner durch einen Ver­kehrs­un­fall erwerbs­un­fä­hig gewor­den war und ob die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft dies­be­züg­lich an die Ent­schei­dun­gen der IV-Orga­ne gebun­den war. Das Bun­des­ge­richt ver­nein­te eine Bin­dungs­wir­kung der IV-Ent­schei­de in der Säu­le 3a und wies die Sache an die Vor­in­stanz zurück (Urteil 9C_867/2014 vom 11. August 2015).

Das Bun­des­ge­richt erwog ins­be­son­de­re, zwar lei­te sich die Säu­le 3a aus der zwei­ten Säu­le ab und sei­en nam­haf­te Berei­che der Säu­le 3a prak­tisch gleich gere­gelt wie in der zwei­ten Säu­le (E. 4.1). Gegen eine Bin­dung an die Fest­stel­lun­gen der IV sprä­chen in der Säu­le 3a jedoch gewich­ti­ge Grün­de. Nament­lich sei die Säu­le 3a frei­er gestalt­bar und kön­ne der Begriff der Inva­li­di­tät wei­ter gefasst wer­den als in der IV. In ver­fah­rens­mä­ssi­ger Hin­sicht kom­me hin­zu, dass die Ver­fü­gun­gen der IV zwar an die Trä­ger der zwei­ten Säu­le, nicht jedoch an die­je­ni­gen der Säu­le 3a eröff­net wer­den müss­ten. Aus die­sen Grün­den sei es nicht gebo­ten, die in der (obli­ga­to­ri­schen) zwei­ten Säu­le gel­ten­den Grund­sät­ze zur Bin­dungs­wir­kung sub­si­di­är in der Säu­le 3a her­an­zu­zie­hen (vgl. zum Gan­zen E. 4.2).

Roland Bachmann

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Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).