Der Bun­des­rat hat an sei­ner Sit­zung vom 12. August 2015 beschlos­sen, das Bun­des­ge­setz über die Gewinn­be­steue­rung von juri­sti­schen Per­so­nen mit ide­el­len Zwecken für die direk­te Bun­des­steu­er auf Anfang 2018 in Kraft zu set­zen. Die ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen des Steu­er­har­mo­ni­sie­rungs­ge­set­zes tre­ten hin­ge­gen bereits auf Anfang 2016 in Kraft, wobei den Kan­to­nen eine zwei­jäh­ri­ge Anpas­sungs­frist ein­ge­räumt wird.

Die Geset­zes­än­de­rung pri­vi­le­giert sämt­li­che juri­sti­schen Per­so­nen, wel­che aus­schliess­lich und unwi­der­ruf­lich ide­el­len Zwecken gewid­met sind. Der steu­er­ba­re Gewinn die­ser juri­sti­schen Per­so­nen soll nicht besteu­ert wer­den, sofern er den Betrag von 20‘000 (für die direk­te Bun­des­steu­er), resp. einen von den Kan­to­nen fest­zu­le­gen­den Frei­be­trag (für die Gewinn­steu­er der Kan­to­ne) nicht über­steigt. Wird die­ser Betrag über­schrit­ten, so ist der gesam­te steu­er­ba­re Gewinn steu­er­bar. Mit der neu­en Rege­lung ist also nur bei Gewin­nen unter­halb der Frei­gren­ze rele­vant, ob die betref­fen­de juri­sti­sche Per­son ide­el­le Zwecke ver­folgt.

Die neu­en Bestim­mun­gen (Art. 66 a DBG; Art. 26a StHG) ergän­zen die all­ge­mei­nen Gewinn­ermitt­lungs­vor­schrif­ten für juri­sti­sche Per­so­nen. Das gel­ten­de Recht regelt die Aus­nah­men von der Steu­er­pflicht für juri­sti­sche Per­so­nen abschlie­ssend in Art. 56 DBG und in Art. 23 Abs. 1 StHG. Danach dür­fen sich juri­sti­sche Per­so­nen ins­be­son­de­re dann auf Steu­er­be­frei­ung beru­fen, wenn sie öffent­li­che, gemein­nüt­zi­ge oder kul­tu­rel­le Zwecke ver­fol­gen. Für ide­el­le Zwecke kön­nen juri­sti­sche Per­so­nen dage­gen kei­ne gene­rel­le Steu­er­be­frei­ung bean­spru­chen, wobei gewis­se Kan­to­ne Spe­zi­al­be­stim­mun­gen zur Besteue­rung von Ver­ei­nen mit ide­el­len Zwecken ken­nen.

Als ide­el­ler Zweck im Sin­ne die­ser Bestim­mun­gen gilt gemäss Bot­schaft jeder nicht wirt­schaft­li­che Zweck. Juri­sti­sche Per­so­nen, wel­che auf die Erzie­lung eines geld­wer­ten Vor­teils für sich selbst oder für die ihrer Inter­es­sen­sphä­re ange­hö­ri­gen Per­so­nen bedacht sind, schei­den aus. Wirt­schaft­li­che Tätig­kei­ten von bloss unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sol­len nicht schäd­lich sein.

Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.