Pflicht­wan­del­an­lei­hen (CoCos) und Anlei­hen mit For­de­rungs­ver­zicht (Wri­te-off-Bonds) im Sin­ne des Ban­ken­ge­set­zes (Art. 11–13 BankG, SR 952.0) sol­len nach Aus­lau­fen der bestehen­den Aus­nah­me­re­ge­lung von Art. 5 Abs. 1 lit. g VStG (gül­tig bereits seit 1. Janu­ar 2013; s. Ver­rech­nungs­steu­er­ge­setz, VStG, SR 642.21) ab 31. Dezem­ber 2016 wei­te­re 5 Jah­re lang von der Ver­rech­nungs­steu­er aus­ge­nom­men blei­ben. Die­se Pri­vi­le­gie­rung gewis­ser Anlei­hen zur Ban­ken­fi­nan­zie­rung soll neu auch für soge­nann­te Bail-In Bonds gel­ten, also für Anlei­hens­ob­li­ga­tio­nen, die bei dro­hen­der Insol­venz der Bank im Rah­men eines Sanie­rungs­ver­fah­rens gemäss Ban­ken­ge­setz redu­ziert oder in Eigen­ka­pi­tal umge­wan­delt wer­den kön­nen.

Die Befrei­ung der betref­fen­den Anlei­hens­zin­sen von der Ver­rech­nungs­steu­er setzt in jedem Fall eine in den neu­en Bestim­mun­gen näher umschrie­be­ne Geneh­mi­gung der FINMA für die betref­fen­de Anlei­he vor­aus.

Die dies­be­züg­li­che ‘Bot­schaft zu einer Ände­rung des Ver­rech­nungs­steu­er­ge­set­zes’ (Art. 5 Abs. 1 lit. g und h VStG) sowie zur Anpas­sung des Bun­des­ge­set­zes über die Stem­pel­ab­ga­ben (StG, 641.10; [Bis­her war nur das Wand­lungs­ka­pi­tal von CoCos unbe­fri­stet von der Abga­be aus­ge­nom­men, neu gilt die Aus­nah­me auch für die Aus­ga­be neu­er Betei­li­gungs­rech­te aus der Wand­lung von Bail-In Bonds: s. Ent­wurf Art. 6 Abs. 1 lit. l und m StG]) hat der Bun­des­rat am 11. Sep­tem­ber 2015 den eid­ge­nös­si­schen Räten vor­ge­legt.

Den Ban­ken soll es mit den vor­ge­schla­ge­nen Aus­nah­me­re­ge­lun­gen erleich­tert wer­den, die gesetz­li­chen Eigen­mit­tel­un­ter­le­gungs­vor­schrif­ten zu erfül­len, ohne dass wegen der Ver­rech­nungs­steu­er die Kosten die­ser Kapi­ta­li­sie­rung (bei aus­län­di­schen Inve­sto­ren) extrem hoch aus­fal­len. Damit die­nen die vor­ge­schla­ge­nen Mass­nah­men der Sta­bi­li­tät des Finanz­plat­zes Schweiz.

Der ursprüng­lich geplan­te Umbau der Ver­rech­nungs­steu­er vom Schuld­ner- zum Zahl­stel­len­prin­zip war vom Bun­des­rat nach Aus­wer­tung des Ver­nehm­las­sungs­er­geb­nis­ses vom 31. März 2015 auf Eis gelegt wor­den. Nach mehr­heit­li­cher Auf­fas­sung der Ver­nehm­las­sungs­teil­neh­mer soll vor einer eigent­li­chen System­re­form des VStG die Umset­zung des Auto­ma­ti­schen Infor­ma­ti­ons­aus­tau­sches (AIA) in der Schweiz sowie der Aus­gang der Volks­ab­stim­mung zur Initia­ti­ve „Ja zum Schutz der Pri­vat­sphä­re“ abge­war­tet wer­den.

Der System­wech­sel zum Zahl­stel­len­prin­zip wird von Wirt­schaft und Kan­to­nen mehr­heit­lich befür­wor­tet, weil das gel­ten­de System des Schuld­ner­prin­zips für den Finanz­platz Schweiz im inter­na­tio­na­len Ver­gleich deut­li­che Nach­tei­le auf­weist (uner­wünsch­te steu­er­li­che End­be­la­stung aus­län­di­scher Inve­sto­ren mit der VSt). Daher will der Bun­des­rat die eigent­li­che System­re­form des VStG zu gege­be­ner Zeit wie­der auf­neh­men.

Philipp Kruse

Posted by Philipp Kruse

RA Philipp Kruse führt seit 2012 eine eigene Praxis für Steuerrecht in Zürich (Kruse | Tax & Law). Er studierte an den Universitäten Bern, Heidelberg und Exeter/UK und hat seit 1998 in drei Zürcher Wirtschaftskanzleien praktiziert. Er war von 2003 bis 2007 im Kantonalen Steueramt Zürich tätig und hat sich seither auf den Bereich 'Steuer- und Abgaberecht' spezialisiert.