Im zur Pub­lika­tion vorge­se­henen Urteil vom 7. Okto­ber 2015 äusserte sich das BGer zur Zuläs­sigkeit ein­er Ein­zo­nung von Bauland. Dem Entscheid liegt fol­gen­der Sachver­halt zugrunde: Im Rah­men der Gesamtre­vi­sion ihres Zonen­plans wies die Gemeinde Attal­ens eine Parzelle mit ein­er Fläche von 14’292 m2 der Bau­zone zu. Mit Entscheid vom 10. Okto­ber 2011 wies der Gemein­der­at die dage­gen erhobe­nen Ein­sprachen ab und bestätigte die Zuweisung zur Bau­zone. In der Folge gelangten über 20 Per­so­n­en an die Raum­pla­nungs-, Umwelt- und Baudi­rek­tion des Kan­tons Freiburg (RUBD) und anschliessend an das kan­tonale Ver­wal­tungs­gericht, jedoch ohne Erfolg. Das BGer hinge­gen heisst die Beschw­erde gut und weist die Angele­gen­heit zur neuen Entschei­dung zurück.

In Zen­trum des Entschei­ds ste­ht Art. 38a RPG (Raum­pla­nungs­ge­setz, SR 700). Dessen Abs. 1 besagt, dass die Kan­tone innert fünf Jahren nach Inkraft­treten der geän­derten Geset­zes­bes­tim­mungen vom 15. Juni 2012 ihre Richt­pläne an die neuen Anforderun­gen anpassen. Gemäss Abs. 2 darf im betr­e­f­fend­en Kan­ton die Fläche der recht­skräftig aus­geschiede­nen Bau­zo­nen bis zur Genehmi­gung der Richt­planan­pas­sun­gen durch den Bun­desrat ins­ge­samt nicht ver­grössert wer­den.

Für das BGer stellte sich ins­beson­dere die Frage, ob das in Art. 38a RPG normierte Ein­zo­nungsmora­to­ri­um von den Rechtsmit­telin­stanzen berück­sichtigt wer­den muss, obwohl die Bes­tim­mung zum Zeit­punkt des Entschei­ds des Gemein­der­ats noch nicht in Kraft war. Gemäss BGer ist bei der Beant­wor­tung der Frage von fol­gen­dem Grund­satz auszuge­hen:

Par analo­gie avec les règles du Titre final du CC [Zivilge­set­zbuch, SR 210], il faut que la nou­velle règle réponde à un intérêt pub­lic majeur, dont l’application ne souf­fre aucun délai. Il con­vient ensuite de tenir compte du pou­voir d’examen de l’instance de recours auprès de laque­lle la cause est pen­dante: un pou­voir d’examen com­plet en légal­ité peut déjà suf­fire à une appli­ca­tion immé­di­ate du nou­veau droit (E. 2.4.).

Im vor­liegen­den Fall kommt das BGer zum Schluss, dass die kan­tonalen und kom­mu­nalen Behör­den auf­grund der neuen Geset­zes­lage in abse­hbar­er Zukun­ft diverse Aus­zo­nun­gen vornehmen müssten. Dabei han­dle es sich um Vorhaben, die viel schwieriger zu bew­erk­stel­li­gen seien als Nicht-Ein­zo­nun­gen. Vor diesem Hin­ter­grund beste­he ein gewichtiges öffentlich­es Inter­esse an der sofor­ti­gen Anwend­barkeit von Art. 38a Abs. 2 RPG. Dies gelte auch für Ver­fahren, die vor der kan­tonalen Rechtsmit­telin­stanz hängig seien. 

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.