Im Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2015 äusser­te sich das BGer zur Recht­mä­ssig­keit einer Bau­be­wil­li­gung in der bünd­ne­ri­schen Gemein­de Breil/Brigels (Gemein­de mit 20 % oder mehr Zweit­woh­nun­gen). Am 11. Dezem­ber 2012 erteil­te die Gemein­de die Bau­be­wil­li­gung für die Erstel­lung zwei­er Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser. Auf Gesuch hin wur­den dem Ver­ein Hel­ve­tia Nostra die Unter­la­gen des Bau­vor­ha­bens am 20. März 2014 zuge­stellt. Acht Tage spä­ter bean­trag­te Hel­ve­tia Nostra bei der Gemein­de, die Bau­be­wil­li­gung für das Bau­vor­ha­ben zu wider­ru­fen. Gegen den abschlä­gi­gen Ent­scheid der Gemein­de erhob Hel­ve­tia Nostra Beschwer­de beim Ver­wal­tungs­ge­richt des Kan­tons Grau­bün­den, wel­ches die Beschwer­de abwies. Dage­gen gelang­te Hel­ve­tia Nostra an das BGer, wel­ches die Anlie­gen des Beschwer­de­füh­rers teil­wei­se schützt.

Zunächst äussert sich das BGer zur Streit­fra­ge, ob das Bau­ge­such gestützt auf Art. 12b des Natur- und Hei­mat­schutz­ge­set­zes (NHG, SR 451) im Amts­blatt des Kan­tons Grau­bün­den hät­te publi­ziert oder dem Beschwer­de­füh­rer direkt mit­ge­teilt wer­den müs­sen. Das BGer wie­der­holt den Grund­satz, wonach die Beschrän­kung des Zweit­woh­nungs­baus als Bun­des­auf­ga­be zu qua­li­fi­zie­ren und die Beschwer­de­le­gi­ti­ma­ti­on von Orga­ni­sa­tio­nen im Bereich des Natur- und Hei­mat­schut­zes im Sin­ne von Art. 12 NHG zu beja­hen ist. Zur Publi­ka­ti­on des Bau­ge­suchs macht das BGer die fol­gen­den Aus­füh­run­gen:

Da das Beschwer­de­recht von Natur- und Hei­mat­schutz­ver­bän­den im Bereich der Beschrän­kung von Zweit­woh­nun­gen besteht, müs­sen dem­nach ent­spre­chen­de Bau­ge­su­che und -Bewil­li­gun­gen den Orga­ni­sa­tio­nen mit­ge­teilt oder aber im kan­to­na­len Amts- oder Bun­des­blatt publi­ziert wer­den. Aus dem Wort­laut von Art. 12b NHG, der vom ‘kan­to­na­len Publi­ka­ti­ons­or­gan’ in der Ein­zahl spricht, ergibt sich, dass Ver­öf­fent­li­chun­gen von Zweit­woh­nungs­bau­vor­ha­ben in einem regio­na­len oder kom­mu­na­len Amts­blatt davon nicht erfasst wer­den. Ent­ge­gen­ste­hen­des kan­to­na­les Recht, das eine Publi­ka­ti­on in die­sen Amts­blät­tern vor­schreibt, tritt im Sin­ne des Vor­rangs des Bun­des­rechts (Art. 49 Abs. 1 BV) hin­ter Art. 12b NHG zurück (E. 2.3.3.).

Hin­ge­gen ver­sagt das BGer dem Beschwer­de­füh­rer in die­ser Fra­ge den Rechts­schutz, da Hel­ve­tia Nostra erst im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren, das fast andert­halb Jah­re nach Ertei­lung der Bau­be­wil­li­gung ange­ho­ben wur­de, zum ersten Mal eine Ver­let­zung von Art. 12b NHG gel­tend gemacht habe.

Schliess­lich bringt die Hel­ve­tia Nostra vor, dass die Bau­be­wil­li­gung erlo­schen sei, da von ihr nicht recht­zei­tig inner­halb der Jah­res­frist Gebrauch gemacht wor­den sei. Gemäss Auf­fas­sung des BGer ist das Ver­wal­tungs­ge­richt des Kan­tons Grau­bün­den zu Unrecht nicht auf die­se Rüge ein­ge­tre­ten:

Unbe­strit­ten ist, dass die Beschwer­de­füh­re­rin mit ihrer Ein­ga­be vom 28. März 2014 den Wider­ruf der Bau­be­wil­li­gung, allen­falls die Fest­stel­lung deren Nich­tig­keit ver­langt hat. Dass sie nicht expli­zit — wie von der Vor­in­stanz gefor­dert — ein Rechts­be­geh­ren auf Durch­füh­rung eines neu­en Bau­be­wil­li­gungs­ver­fah­rens resp. auf Fest­stel­lung des Erlö­schens der Bau­be­wil­li­gung gestellt hat, darf ihr nicht zum Nach­teil gerei­chen und ist auch nicht erfor­der­lich. Denn abge­se­hen davon, dass sich die Anträ­ge aus den Vor­brin­gen sowie dem Sinn, der die­sen ver­nünf­ti­ger­wei­se bei­zu­mes­sen ist, erge­ben, kön­nen die Begeh­ren auch aus der Begrün­dung in der Rechts­schrift her­vor­ge­hen […] (E. 4.3.).

Das BGer heisst die Beschwer­de des Ver­eins Hel­ve­tia Nostra teil­wei­se gut und weist die Sache zur neu­en Beur­tei­lung an das Ver­wal­tungs­ge­richt zurück.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.