Im zur Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil vom 24. August 2015 äusser­te sich das Bun­des­ge­richt zur soge­nann­ten “Affä­re Giroud”. Im Jahr 2013 eröff­ne­te die Steu­er­ver­wal­tung des Kan­tons Wal­lis gegen Domi­ni­que Giroud und sein Unter­neh­men ein Nach­steu­er- und Steu­er­hin­ter­zie­hungs­ver­fah­ren. Die Geschäfts­prü­fungs­kom­mis­si­on des Gro­ssen Rats des Kan­tons Wal­lis (GPK) ent­schied im Janu­ar 2014, die Arbeits­wei­se der staat­li­chen Behör­den in die­ser Ange­le­gen­heit zu über­prü­fen. Durch den Wal­li­ser Staats­rat wur­den die Steu­er­be­hör­den ermäch­tigt, der GPK das ent­spre­chen­de Steu­er­d­os­sier vor­zu­le­gen. Den Erlass einer anfecht­ba­ren Ver­fü­gung lehn­te der Wal­li­ser Staats­rat ab. In der Fol­ge gelang­te der Beschwer­de­füh­rer an das Kan­tons­ge­richt des Kan­tons Wal­lis wel­ches einen Nicht­ein­tre­tens­ent­scheid fäll­te. Das BGer weist die Beschwer­de von Domi­ni­que Giroud ab.

Zunächst ver­weist das BGer auf die Art. 74 und 75 lit. d des Geset­zes über das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren und die Ver­wal­tungs­rechts­pfle­ge des Kan­tons Wal­lis (GS 172.6), wel­che die Ver­wal­tungs­ge­richts­be­schwer­de aus­schlie­ssen, wenn die Ange­le­gen­heit der Kom­pe­tenz des Gro­ssen Rats unter­steht und/oder eine Ver­fü­gung betref­fend die Auf­sicht über kan­to­na­le Behör­den umstrit­ten ist. Vor­lie­gend habe die GPK die Kennt­nis­nah­me des Steu­er­d­os­siers mit dem Ziel ver­langt, die Ange­mes­sen­heit des Ver­hal­tens der Steu­er­ver­wal­tung und des Staats­rats in der “Affä­re Giroud” zu prü­fen. Die Ver­wal­tungs­ge­richts­be­schwer­de ste­he dem Beschwer­de­füh­rer auf­grund der oben genann­ten Geset­zes­ar­ti­kel aber nicht zu. 

Das BGer führt wei­ter aus, dass auch Art. 29a BV (Zugang zu gericht­li­cher Über­prü­fung) nicht ver­letzt sei, denn Bund und Kan­to­ne könn­ten durch Gesetz die rich­ter­li­che Beur­tei­lung in Aus­nah­me­fäl­len aus­schlie­ssen. Eine sol­che gesetz­li­che Grund­la­ge sei in Art. 86 Abs. 3 BGG (Bun­des­ge­richts­ge­setz, SR 173.110) zu erblicken, wonach die Kan­to­ne für Ent­schei­de mit vor­wie­gend poli­ti­schem Cha­rak­ter anstel­le eines Gerichts eine ande­re Behör­de ein­set­zen könn­ten. Da die par­la­men­ta­ri­sche Ober­auf­sicht vor­wie­gend poli­ti­schen Cha­rak­ter auf­wei­se, dür­fe das Wal­li­ser Recht die gericht­li­che Über­prü­fung ent­spre­chen­der Beschlüs­se aus­schlie­ssen.

Schliess­lich stellt sich das BGer auf den Stand­punkt, dass der Wal­li­ser Staats­rat auch kei­ne Rechts­ver­wei­ge­rung began­gen habe. Zu Recht habe er zu sei­nem Beschluss kei­ne direkt beim BGer anfecht­ba­re Ver­fü­gung erlas­sen. Zum einen wer­de das Steu­er­ge­heim­nis des Beschwer­de­füh­rers durch die Offen­le­gung des Dos­siers gegen­über der GPK nicht ver­letzt. Zum ande­ren gebe es kei­ne Hin­wei­se, dass die Unter­su­chung der GPK den übli­chen Rah­men der par­la­men­ta­ri­schen Ober­auf­sicht gesprengt habe.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.