Mit Ent­scheid vom 4. Novem­ber 2015 fäll­te das BGer ein Urteil zugun­sten des Ufer­weg­net­zes im Kan­ton Zürich. Am 14. Dezem­ber 2010 wur­de im Kan­ton Zürich die in der Form der all­ge­mei­nen Anre­gung gehal­te­ne Initia­ti­ve “Züri­see für alli” (Kan­to­na­le Volks­in­itia­ti­ve zur Ver­wirk­li­chung des Zürich­see-Ufer­we­ges gemäss kan­to­na­lem Richt­plan) ein­ge­reicht. Der Kan­tons­rat lehn­te die Initia­ti­ve ab. In der Fol­ge wur­de die Initia­ti­ve zurück­ge­zo­gen und der Regie­rungs­rat des Kan­tons Zürich arbei­te­te eine Vor­la­ge zur Revi­si­on des kan­to­na­len Stra­ssen­ge­set­zes (StrG, LS 722.1) aus. In der Schluss­ab­stim­mung vom 25. Novem­ber 2013 nahm der Kan­tons­rat die Vor­la­ge zum Stra­ssen­ge­setz an. Des­sen § 28c zum The­ma “Bean­spru­chung von pri­va­tem Grund­ei­gen­tum” lau­tet fol­gen­der­ma­ssen:

Für die Erstel­lung von Ufer­we­gen dür­fen Eigen­tü­me­rin­nen und Eigen­tü­mer pri­va­ter Grund­stücke nicht ent­eig­net und ihre Grund­stücke nicht ander­wei­tig bean­sprucht wer­den.

Die Beschwer­de des Ver­eins “Ja zum See­ufer­weg” und von 15 Pri­vat­per­so­nen gegen den Beschluss des Kan­tons­rats wird vom Bun­des­ge­richt gut­ge­hei­ssen.

Die Beschwer­de­füh­rer brin­gen ins­be­son­de­re vor, dass der Kan­ton Zürich auf­grund von § 28c StrG der ihm gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. c RPG (Raum­pla­nungs­ge­setz, SR 700) oblie­gen­den Auf­ga­be (Schutz und Zugäng­lich­ma­chen von Ufer­land­schaf­ten für die All­ge­mein­heit) nicht mehr nach­kom­men kön­ne und das StrG des­halb Bun­des­recht ver­let­ze. Das BGer führt dazu fol­gen­des aus:

Ein gene­rell-abstrak­ter Aus­schluss von Ent­eig­nun­gen erschie­ne dann als zuläs­sig, wenn die Erleich­te­rung des öffent­li­chen Zugangs und der Bege­hung von See- und Fluss­ufern auch auf ande­rem Weg als durch Ent­eig­nung gewähr­lei­stet wer­den könn­te. In die­ser Hin­sicht ist fol­gen­des zu beden­ken: Soweit die öffent­li­che Hand nicht bereits selbst über Ufer­grund­stücke ver­fügt, wel­che für den Bau eines Ufer­wegs bean­sprucht wer­den kön­nen, kommt als Alter­na­ti­ve zur Ent­eig­nung ein­zig der frei­hän­di­ge Erwerb von Grund­ei­gen­tum oder Weg­rech­ten in Betracht. Wie die Beschwer­de­füh­rer zu Recht ein­wen­den, dürf­te mit die­sem Vor­ge­hen die Erstel­lung län­ge­rer Ufer­weg­ab­schnit­te jedoch prak­tisch ver­un­mög­licht wer­den. Ein ent­spre­chen­der Ver­such könn­te im Ein­zel­fall schon dann schei­tern, wenn sich in einer Rei­he von Ufer­grund­stücken ein ein­zi­ger Eigen­tü­mer wei­gern wür­de, die not­wen­di­gen Rech­te abzu­tre­ten und eine Weg­füh­rung hin­ter dem betref­fen­den Grund­stück auf Grund der kon­kre­ten Gege­ben­hei­ten nicht in Betracht fällt. Auf­grund der kla­ren gesetz­li­chen Vor­ga­be in Art. 28c StrG wäre in sol­chen Fäl­len eine Ver­hält­nis­mä­ssig­keits­prü­fung von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen (E. 3.7.).

Das BGer kommt zum Schluss, dass der Kan­tons­rat mit sei­nem Beschluss Bun­des­recht ver­let­ze, da der Aus­schluss von Ent­eig­nun­gen in gewis­sen Kon­stel­la­tio­nen den Pla­nungs­grund­satz von Art. 3 Abs. 2 lit. c RPG unbe­acht­lich wer­den las­se.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.