Im Urteil vom 29. Okto­ber 2015 bot sich dem BGer die Gele­gen­heit, über eine von der Pira­ten­par­tei Schweiz ein­ge­reich­te Beschwer­de zu befin­den. Vor der Wahl zur Gesamt­er­neue­rung des Natio­nal­rats erhiel­ten die Stimm­be­rech­tig­ten die von der Bun­des­kanz­lei her­aus­ge­ge­be­ne Bro­schü­re “Wahl­an­lei­tung für die Natio­nal­rats­wah­len vom 18. Okto­ber 2015”. Die Bro­schü­re ent­hielt u.a. Selbst­por­traits der elf in der ablau­fen­den Legis­la­tur­pe­ri­ode im Natio­nal­rat ver­tre­te­nen Par­tei­en. Dem­entspre­chend fand sich im Doku­ment kein Por­trait der Pira­ten­par­tei Schweiz. Nach­dem die Regie­run­gen der Kan­to­ne Aar­gau, Bern und Zug auf die Wahl­be­schwer­den nicht ein­tra­ten, ver­ei­nig­te das BGer die Ver­fah­ren und wies die Anträ­ge der Pira­ten­par­tei Schweiz ab.

Die Beschwer­de­füh­re­rin bringt vor, dass die Bun­des­kanz­lei — indem sie nur die Por­traits der im Natio­nal­rat ver­tre­te­nen Par­tei­en publi­ziert habe — zugun­sten die­ser Par­tei­en direkt in den Wahl­kampf ein­ge­grif­fen und dadurch Art. 34 Abs. 2 i.V.m. Art. 8 Abs. 1 BV ver­letzt habe. Das BGer erklärt, dass die Limi­tie­rung der Por­traits auf die im Natio­nal­rat ver­tre­te­nen Par­tei­en zu einer gewis­sen Benach­tei­li­gung der übri­gen zur Wahl antre­ten­den Par­tei­en und Grup­pie­run­gen füh­re. Den­noch sei fol­gen­des zu berück­sich­ti­gen:

Die mit der Pra­xis der Bun­des­kanz­lei ver­bun­de­ne Benach­tei­li­gung trifft Par­tei­en und Grup­pie­run­gen, wel­che nicht im Natio­nal­rat ver­tre­ten sind und somit bis anhin weder bun­des­weit noch kan­to­nal eine nen­nens­wer­te Bedeu­tung erlangt haben, was nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts eine gewis­se Ungleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen kann (E. 4.4.2.). 

Laut BGer wird die Ungleich­be­hand­lung zudem rela­ti­viert, da den Stimm­be­rech­tig­ten in den Kan­to­nen mit Ver­hält­nis­wahl von Geset­zes wegen gleich­zei­tig mit der Wahl­an­lei­tung der Bun­des­kanz­lei für alle Listen Wahl­zet­tel mit Vor­druck zuge­sandt wür­den, sodass es für die Stimm­be­rech­tig­ten ohne wei­te­res nach­voll­zieh­bar sei, wel­che Grup­pie­run­gen im Kan­ton zur Wahl antre­ten wer­den.

Fabian Klaber

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Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.