A. muss­te sich wäh­rend eines Auf­ent­halts in Frank­reich not­fall­mä­ssig in sta­tio­nä­re Behand­lung in ein Spi­tal bege­ben. Das Spi­tal for­der­te von A. eine Kosten­über­nah­me von 20 %. Nach fran­zö­si­schem Recht müs­sen 20 % der Behand­lungs­ko­sten von den Betrof­fe­nen sel­ber getra­gen wer­den. Die schwei­ze­ri­sche Kran­ken­kas­se wei­ger­te sich im Rah­men der obli­ga­to­ri­schen Kran­ken­pfle­ge­ver­si­che­rung, den von A. in Frank­reich gelei­ste­ten Selbst­be­halt zu über­neh­men.

Das Bun­des­ge­richt schütz­te die Rechts­po­si­ti­on der Kran­ken­kas­se (Urteil 9C_209/2015 vom 14. Okto­ber 2015). Das Bun­des­ge­richt erkann­te, dass sich die Kosten­be­tei­li­gung für Behand­lun­gen im euro­päi­schen Aus­land nach dem Recht der sozia­len Sicher­heit des betref­fen­den Staa­tes rich­tet (E. 6.2).

Weder im schwei­ze­ri­schen KVG noch in den Koor­di­nie­rungs­ver­ord­nun­gen fin­den sich Bestim­mun­gen, wonach ein aus­län­di­scher Selbst­be­halt an den schwei­ze­ri­schen anzu­rech­nen wäre (E. 7.3.1 i.f.). Für die schwei­ze­ri­schen Kran­ken­kas­sen besteht über­dies kei­ne gesetz­li­che Pflicht zur Über­nah­me der im Aus­land gelei­ste­ten Kosten­be­tei­li­gung (E. 7.3.2).

Roland Bachmann

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Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).