Mit Urteil vom 9. Dezem­ber 2015 äusser­te sich das BGer ein wei­te­res Mal zum Bau­zo­nen­mo­ra­to­ri­um gemäss Art. 38a Abs. 2 RPG (Raum­pla­nungs­ge­setz, SR 700) und zur in Art. 52a Abs. 1 RPV (Raum­pla­nungs­ver­ord­nung, SR 700.1) nor­mier­ten Gegen­aus­nah­me. Nach­dem der Gemein­de­rat Oberbüren/SG im Rah­men einer Teil­re­vi­si­on des Zonen­plans Umzo­nun­gen im Sied­lungs­ge­biet und Ein­zo­nun­gen von Land­wirt­schafts­land vor­nahm, gelang­ten diver­se Beschwer­de­füh­rer über das Ver­wal­tungs­ge­richt des Kan­tons St. Gal­len an das BGer, wel­ches die Beschwer­de teil­wei­se gut­heisst.

Die Beschwer­de­füh­rer, deren Grund­stück anläss­lich der Teil­re­vi­si­on unver­än­dert in der Land­wirt­schafts­zo­ne ver­blieb, brin­gen ins­be­son­de­re vor, dass das Ver­wal­tungs­ge­richt Art. 38a RPG zu Unrecht nicht ange­wen­det habe, die Bau­zo­nen zu gross dimen­sio­niert sei­en und die Ein­zo­nun­gen das Kon­zen­tra­ti­ons­prin­zip sowie den Grund­satz der Scho­nung von Frucht­fol­ge­flä­chen ver­let­zen wür­den. Zum Zusam­men­spiel zwi­schen Art. 38a RPG und Art. 52a RPV hält das BGer fol­gen­des fest:

Art. 52a Abs. 1 RPV ist […] im Lich­te von Art. 38a Abs. 2 RPG restrik­tiv aus­zu­le­gen. Grund­sätz­lich fin­det das Mora­to­ri­um auf alle Ein­zo­nun­gen Anwen­dung, die am 1. Mai 2014 noch nicht rechts­kräf­tig waren, jeden­falls wenn über sie noch nicht kan­to­nal letzt­in­stanz­lich ent­schie­den war. Aus­ge­nom­men sind nur Beschwer­den, die nicht zu einer mate­ri­el­len Über­prü­fung der Ein­zo­nun­gen füh­ren, sei es auf­grund ihrer Anträ­ge, ihrer Rügen (z.B. wenn aus­schliess­lich Ver­fah­rens­män­gel gerügt wer­den), weil sie mut­wil­lig erho­ben wur­den oder dar­auf aus ande­ren Grün­den nicht ein­zu­tre­ten ist (wie im Fall 1C_134/2014 vom 15. Juli 2014 E. 6.4, 7 und 8.1) […] (E. 4.4.).

Da die Beschwer­de­füh­rer vor Ver­wal­tungs­ge­richt zahl­rei­che mate­ri­ell-recht­li­che Rügen gegen die Ein­zo­nun­gen erho­ben hät­ten und die­se Rügen vom Ver­wal­tungs­ge­richt auch mate­ri­ell über­prüft wor­den sei­en, hät­te Art. 38a Abs. 2 RPG Anwen­dung fin­den müs­sen. Es sei nicht ersicht­lich, dass die Ein­zo­nun­gen durch Aus­zo­nun­gen voll­stän­dig kom­pen­siert wor­den sei­en. Dies füh­re zu einer Ver­grö­sse­rung der Bau­zo­ne des Kan­tons St. Gal­len, wel­che im Wider­spruch zu Art. 38a Abs. 2 RPG ste­he.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.