A. arbei­te­te für eine Stif­tung, die ein Betriebs­re­stau­rant unter­hielt. A. war bereits wegen ande­ren Vor­fäl­len mehr­fach ver­warnt wor­den, als er im Okto­ber 2012 mit einer Fla­sche Wein aus dem Lager­be­stand des Betriebs­re­stau­rants ange­trof­fen wur­de. A. war im Begriff, nach Hau­se zu gehen und hat­te die Wein­fla­sche auf­fäl­lig in einer Tasche ver­steckt. Die Arbeit­ge­be­rin kün­dig­te das Arbeits­ver­hält­nis frist­los (BGer. 4A_228/2015 vom 29. Sep­tem­ber 2015).

Die kan­to­na­len Instan­zen hiel­ten die frist­lo­se Kün­di­gung nicht für gerecht­fer­tigt. Die Cham­bre des prud’hommes de la Cour de justi­ce des Kan­tons Genf hat­te erwo­gen, die Arbeit­ge­be­rin habe zwar einen ver­such­ten Dieb­stahl nach­ge­wie­sen, aber die Wein­fla­sche sei nur von gerin­gem Wert gewe­sen. Das Arbeits­ver­hält­nis habe elf Jah­re gedau­ert, wes­halb der Vor­fall nicht genü­gend gra­vie­rend sei, um eine frist­lo­se Kün­di­gung zu recht­fer­ti­gen.

Das Bun­des­ge­richt hob die­sen Ent­scheid auf und wies die Kla­ge des Arbeit­neh­mers voll­um­fäng­lich ab. Das Bun­des­ge­richt hielt fest, der gerin­ge Wert des Die­bes­guts dür­fe nicht berück­sich­tigt wer­den. Auch ein gering­fü­gi­ger Dieb­stahl sei geeig­net, das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zu zer­stö­ren. Die lan­ge Dau­er des Arbeits­ver­hält­nis­ses ände­re dar­an nichts (E. 5).

Roland Bachmann

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Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).