Der Bun­des­rat hat­te bekannt­lich eine als AGUR12 bezeich­ne­te Arbeits­grup­pe ein­ge­setzt, die in ihrem Bericht u.a. zum Ergeb­nis gekom­men war, dass geziel­te Mass­nah­men gegen die Pira­te­rie erfor­der­lich sei­en (vgl. dazu unse­ren Bei­trag). Der Bun­des­rat hat nun eine Vor­la­ge aus­ge­ar­bei­tet, die die­ses Anlie­gen umset­zen will und das URG gleich­zei­tig an die tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung anpas­sen soll. Die Ver­nehm­las­sung dau­ert bis Ende März 2016. 

Aus der Medi­en­mit­tei­lung (hier sind auch der Ent­wurf, der Erläu­tern­de Bericht und wei­te­re Unter­la­gen zu fin­den):

[…] Die von Bun­des­prä­si­den­tin Simo­net­ta Som­ma­ru­ga ein­ge­setz­te AGUR12 war sich einig, dass geziel­te Mass­nah­men gegen die Pira­te­rie ergrif­fen wer­den sol­len. Die Vor­la­ge nimmt die­ses Anlie­gen auf. Die Mass­nah­men zur Pira­te­rie­be­kämp­fung sol­len künf­tig dort erfol­gen, wo sie am effi­zi­en­te­sten sind, näm­lich bei den Pro­vi­dern. Sie kön­nen rasch und gezielt han­deln. Schwei­zer Hosting Pro­vi­der sol­len kei­ne Pira­te­rie­platt­for­men beher­ber­gen und bei Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen über ihre Ser­ver die betref­fen­den Inhal­te rasch ent­fer­nen. Gro­sse, kom­mer­zi­el­le Pira­ten­sei­ten wer­den aller­dings oft bei Hosting Pro­vi­dern beher­bergt, deren Sitz oder Stand­ort sich im Aus­land befin­det oder deren Stand­ort ver­schlei­ert ist. In die­sen Fäl­len sol­len die Schwei­zer Access Pro­vi­der auf Anwei­sung der Behör­den den Zugang sper­ren. Die Inter­net­sper­ren sind dabei so aus­zu­ge­stal­ten, dass die gleich­zei­ti­ge Sper­rung recht­mä­ssi­ger Inhal­te (“Over­blocking”) mög­lichst ver­mie­den wird. Im Gegen­zug zu die­sen neu­en Pflich­ten sieht die Vor­la­ge Haf­tungs­be­frei­un­gen für Pro­vi­der vor. Sie geben den Pro­vi­dern die für den Betrieb ihres Geschäfts erfor­der­li­che Rechts­si­cher­heit.

Zudem sol­len auf­klä­ren­de Hin­wei­se an Nut­zer erfol­gen:

Bei schwer­wie­gen­den Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen über Peer-to-Peer-Netz­wer­ke – zum Bei­spiel durch den Upload noch unver­öf­fent­lich­ter Fil­me – soll der Access Pro­vi­der dem fehl­ba­ren Nut­zer künf­tig zwei auf­klä­ren­de Hin­wei­se zustel­len, die ihn über die Rechts­la­ge und die mög­li­chen Fol­gen bei Nicht­be­ach­tung infor­mie­ren. Unter­nimmt der Nut­zer trotz die­ser Hin­wei­se nichts, um die Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen zu stop­pen, sol­len die Gerich­te befugt wer­den, dem Urhe­ber die Iden­ti­tät des Nut­zers bekannt zu geben, damit der Urhe­ber zivil­recht­lich gegen die uner­laub­te Nut­zung vor­ge­hen kann. Ein Straf­ver­fah­ren, wie dies heu­te vor­ge­se­hen ist, ist dann nicht mehr nötig. Die Vor­la­ge führt also nicht zu einer Kri­mi­na­li­sie­rung der Nut­zer, zumal es auch bei der bestehen­den Rechts­la­ge bleibt, wonach der Down­load für den rein pri­va­ten Gebrauch erlaubt ist. 

Mit Bezug auf die Nut­zung digi­ta­ler Ange­bo­te hält die Medi­en­mit­tei­lung Fol­fen­des fest:

Die Digi­ta­li­sie­rung hat Inter­net­fern­se­hen, Strea­ming­dien­ste und wei­te­re neue Dienst­lei­stun­gen geschaf­fen. Die Vor­la­ge schafft Vor­aus­set­zun­gen dafür, dass neu­ar­ti­ge Ange­bo­te den Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten auch in Zukunft rasch und legal zur Ver­fü­gung gestellt wer­den kön­nen (frei­wil­li­ge Kol­lek­tiv­ver­wer­tung, inter­na­tio­nal bekannt als erwei­ter­te Kol­lek­tiv­li­zenz). Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten sol­len zudem künf­tig nicht mehr dop­pelt zah­len, die Leer­trä­ger­ver­gü­tung – beim Kauf eines Han­dys oder eines Tablets etwa – und für den Down­load von Inhal­ten. Die Vor­la­ge stellt klar, dass der Umfang der Nut­zun­gen von Bezahl­dien­sten bei der Fest­set­zung der Leer­trä­ger­ver­gü­tung mit­zu­be­rück­sich­ti­gen ist. 

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.