Anlass für das Urteil des BGer vom 22. Dezem­ber 2015 gab eine Beschwer­de des Ver­eins Modell­flug­grup­pe A. aus Rheinfelden/AG, wel­cher seit dem Jahr 1969 auf zwei Par­zel­len in der Land­wirt­schafts­zo­ne ein weder raum­pla­nungs- noch bau­recht­lich bewil­lig­tes Flug­feld für Modell­flug­zeu­ge betreibt. Nach­dem die Modell­flug­grup­pe A. im Jahr 2011 ein Bau­ge­such für den Betrieb des Flug­felds ein­reich­te und gegen das Bau­ge­such diver­se Ein­wen­dun­gen ein­gin­gen, setz­te das Ver­wal­tungs­ge­richt des Kan­tons Aar­gau der Modell­flug­grup­pe A. Frist an zur Ein­stel­lung des Flug­be­triebs bis Ende Juni 2015. Dage­gen gelang­te die Modell­flug­grup­pe A. an das BGer, wel­ches die Beschwer­de abweist.

Das BGer prüft in sei­nem Urteil, ob — und wenn ja, in wel­chem Umfang — das Flug­feld als bestehen­de zonen­wid­ri­ge Anla­ge ausser­halb der Bau­zo­ne nach Art. 24c RPG (Raum­pla­nungs­ge­setz, SR 700) in sei­nem Bestand geschützt ist oder ob es mit einer Aus­nah­me­be­wil­li­gung nach Art. 24 RPG zugäng­lich ist. In Bezug auf Art. 24c RPG macht das BGer die fol­gen­den Aus­füh­run­gen:

Stich­tag für den Ver­gleich zwi­schen dem ursprüng­li­chen und dem heu­ti­gen Zustand der Anla­ge ist nach der bun­des­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung der 1. Juli 1972, als das Gewäs­ser­schutz­ge­setz in Kraft trat und damit erst­mals kon­se­quent das Bau- vom Nicht­bau­ge­biet trenn­te […]. Zu ver­glei­chen ist somit das Flug­feld in sei­nem ursprüng­li­chen und dem heu­ti­gen Zustand. Nach der unbe­strit­te­nen Dar­stel­lung des Ver­wal­tungs­ge­richts wur­de die befe­stig­te Piste zwi­schen 1998 und 2011 von rund 140 m2 auf rund 371 m2 erwei­tert. Das Flug­feld wur­de zudem anfäng­lich von rund 10 Per­so­nen genutzt, und die ver­wen­de­ten Flug­ge­rä­te wogen maxi­mal 5 kg. Heu­te zählt der Ver­ein über 80 Mit­glie­der, und die Flug­ge­rä­te sind bis zu 30 kg schwer (E. 3.1.).

Laut BGer gel­te das Flug­feld im heu­ti­gen Zustand nicht mehr als mass­vol­le Erwei­te­rung des ursprüng­li­chen Flug­felds, wes­halb das Ver­wal­tungs­ge­richt des Kan­tons Aar­gau die Bewil­li­gung gestützt auf Art. 24c RPG zurecht ver­wei­gert habe.

Schliess­lich kön­ne gemäss BGer auch kei­ne Aus­nah­me­be­wil­li­gung gestützt auf Art. 24 RPG erteilt wer­den, denn eine sol­che Aus­nah­me­be­wil­li­gung set­ze die Beja­hung der Stand­ort­ge­bun­den­heit vor­aus. Dies bedeu­te, dass mög­li­che Alter­na­tiv-Stand­or­te ernst­haft hät­ten eva­lu­iert wer­den müs­sen, was vor­lie­gend nicht gesche­hen sei. Tat­säch­lich habe die Modell­flug­grup­pe A. im Ver­fah­ren vor BGer Eva­lua­ti­ons­be­rich­te von ver­schie­de­nen mög­li­chen Stand­or­ten ein­ge­reicht. Dabei hand­le es sich aber um unzu­läs­si­ge Noven, wel­che bereits dem Regie­rungs­rat des Kan­tons Aar­gau hät­ten mit­ge­teilt wer­den kön­nen, wel­cher über vol­le Kogni­ti­on in Sach­ver­halts- und Rechts­fra­gen ver­fü­ge.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.