Im vor­lie­gen­den Urteil des Bun­des­ge­richts ging es „um ver­schie­de­ne Rechts­fra­gen im Schnitt­stel­len­be­reich zwi­schen Straf (pro­zess) recht, Güter­recht und Zwangs­voll­streckungs­recht.“ (E. 4). Im Rah­men eines Wider­spruchs­ver­fah­rens nach Art. 108 SchKG muss­te sich das Bun­des­ge­richt zu bestimm­ten Aspek­ten von Art. 193 ZGB und Art. 71 StGB äussern.

Kern­aus­sa­gen des Urteils sind:

  • Ent­ste­hungs­zeit­punkt einer Ersatz­for­de­rung im Sin­ne von Art. 71 StGB: Die Ersatz­for­de­rung wird nicht bereits durch die Straf­ta­ten geschaf­fen, son­dern durch das gericht­li­che Urteil kon­sti­tu­iert. Dies fol­ge u.a. aus dem Wort­laut von Art. 71 Abs. 1 StGB, wonach das Gericht auf die Ersatz­for­de­rung “erkennt” (E. 4.1). (Zwar aner­kann­te die II. zivil­recht­li­che Abtei­lung des Bun­des­ge­richts, dass die­se Fra­ge pri­mär in die Zustän­dig­keit der straf­recht­li­chen Abtei­lung fal­len wür­de; da vor­lie­gend jedoch „für das End­re­sul­tat nicht von aus­schlag­ge­ben­der Bedeu­tung“, wur­de auf einen Mei­nungs­aus­tausch mit der straf­recht­li­chen Abtei­lung ver­zich­tet.) 
  • Anwen­dungs­be­reich von Art. 193 ZGB: Unter den Begriff der “güter­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen” im Sin­ne von Art. 193 ZGB fällt „jedes zwi­schen den Ehe­gat­ten geschlos­se­ne Rechts­ge­schäft, mit wel­chem ein spe­zi­fisch aus dem Güter­recht flie­ssen­der Anspruch erfüllt wer­den soll“. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re die Til­gung von Ersatz- und Vor­schlags­for­de­run­gen bzw. Zuwen­dun­gen auf Anrech­nung an den künf­ti­gen Vor­schlags­an­teil. Die Til­gung von Unter­haltsfor­de­run­gen liegt aber ausser­halb des Anwen­dungs­be­rei­ches von Art. 193 ZGB, weil die­se nicht im Güter­recht, son­dern in den all­ge­mei­nen Wir­kun­gen der Ehe begrün­det lie­gen (E. 4.3). 
  • Zeit­punkt der “güter­recht­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen” im Sin­ne von Art. 193 ZGB:
    Nach Wort­laut und Sinn von Art. 193 ZGB ist „die tat­säch­li­che Über­tra­gung des haf­ten­den Ver­mö­gens­wer­tes im Rah­men oder mit Blick auf die güter­recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zung rele­vant“. Eine Gläu­bi­ger­for­de­rung muss in die­sem Zeit­punkt bereits ent­stan­den sein, damit der Gläu­bi­ger vom Schutz von Art. 193 ZGB pro­fi­tie­ren kann (E. 4.5).
Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.