Im Urteil vom 3. Febru­ar 2016 muss­te sich das BGer zur Fra­ge äussern, ob die Her­ab­set­zung der Höchst­ge­schwin­dig­keit von 50 km/h auf 30 km/h die Lärm­im­mis­sio­nen an der Gra­ben­stra­sse in Zug wahr­nehm­bar ver­min­dern wür­de. Anlass zum vor­lie­gen­den Urteil gab das Urteil des BGer 1C_45/2010 vom 9. Sep­tem­ber 2010, mit wel­chem das Tief­bau­amt des Kan­tons Zug ange­wie­sen wur­de, die Aus­wir­kun­gen einer Geschwin­dig­keits­re­duk­ti­on auf die Lärm­im­mis­sio­nen zu prü­fen. Das ent­spre­chen­de Gut­ach­ten kam zum Schluss, dass mit der Signa­li­sa­ti­on einer redu­zier­ten Geschwin­dig­keit kei­ne Ver­bes­se­rung der Umwelt­be­la­stung erreicht wer­den kön­ne. Gegen die neu auf­ge­leg­ten Pro­jekt­un­ter­la­gen erho­ben eini­ge Anwoh­ner Ein­spra­che und in der Fol­ge Beschwer­de beim BGer. Sie bean­trag­ten u.a., dass auf der Gra­ben­stra­sse eine zuläs­si­ge Höchst­ge­schwin­dig­keit von 30 km/h zu signa­li­sie­ren sei. Das BGer heisst die Beschwer­de teil­wei­se gut und weist die Sache zur neu­en Beur­tei­lung an die Bau­di­rek­ti­on des Kan­tons Zug zurück.

Zunächst hält das BGer fest, dass die all­ge­mei­ne Höchst­ge­schwin­dig­keit von 50 km/h inner­orts von der zustän­di­gen Behör­de für bestimm­te Stra­ssen­strecken auf Grund eines Gut­ach­tens her­ab­ge­setzt wer­den kön­ne (Art. 32 Abs. 3 SVG, SR 741.01). Dies sei ins­be­son­de­re zuläs­sig, wenn dadurch eine im Sin­ne der Umwelt­schutz­ge­setz­ge­bung über­mä­ssi­ge Umwelt­be­la­stung (Lärm, Schad­stof­fe) ver­min­dert wer­den kön­ne (Art. 108 Abs. 2 lit. d SSV, SR 741.21). Dabei sei der Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ssig­keit zu wah­ren. Vor der Fest­le­gung von abwei­chen­den Höchst­ge­schwin­dig­kei­ten wer­de durch ein Gut­ach­ten abge­klärt, ob die Mass­nah­me nötig, zweck- und ver­hält­nis­mä­ssig sei oder ob ande­re Mass­nah­men vor­zu­zie­hen sei­en.

Das vom Tief­bau­amt des Kan­tons Zug in Auf­trag gege­be­ne Gut­ach­ten kommt zum Ergeb­nis, dass die mit der Signa­li­sa­ti­on von 30 km/h erziel­ba­re Lärm­re­duk­ti­on von 0.1 bis 0.2 dB[A] aku­stisch unbe­deu­tend und lärm­recht­lich irrele­vant sei. Indes­sen gelangt das BAFU (Bun­des­amt für Umwelt) auf­grund eige­ner Berech­nun­gen zum Schluss, dass eine Reduk­ti­on des Beur­tei­lungs­pe­gels von 2 db[A] mög­lich sei und eine Reduk­ti­on in die­ser Grö­ssen­ord­nung eine Geschwin­dig­keits­re­duk­ti­on recht­fer­ti­ge. Die Kri­tik des BAFU wird von der EMPA (Eid­ge­nös­si­sche Mate­ri­al­prü­fungs- und For­schungs­an­stalt) geteilt.

Das BGer hält abschlie­ssend fest, dass auf­grund der Kri­tik von BAFU und EMPA erheb­li­che Anhalts­punk­te dafür vor­lä­gen, dass das vom Tief­bau­amt des Kan­tons Zug in Auf­trag gege­be­ne Gut­ach­ten das Lärm­min­de­rungs­po­ten­zi­al von Tem­po 30 unter­schätzt habe. Es erschei­ne plau­si­bel, dass an der Gra­ben­stra­sse in Zug ausser­halb der Spit­zen­stun­den, vor allem nachts, ein Poten­zi­al für Geschwin­dig­keits- und Lärm­min­de­run­gen bestehe, da die von 85 % aller Ver­kehrs­teil­neh­mer gefah­re­ne Geschwin­dig­keit in der Nacht nur knapp unter der Höchst­ge­schwin­dig­keit von 50 km/h lie­ge. Eine Rück­wei­sung zur ergän­zen­den Abklä­rung recht­fer­ti­ge sich unter die­sen Umstän­den.

Vgl. dazu auch die Bericht­erstat­tung in der NZZ vom 16. März 2016.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.