Im Urteil vom 22. Febru­ar 2016 klär­te das BGer im Rah­men einer inzi­den­ten Nor­men­kon­trol­le, ob das Tou­ris­mus­ge­setz des Kan­tons Obwal­den (TG/OW, GDB 971.3) gegen Art. 8 und 9 BV ver­stösst. Das Gesetz sieht vor, dass der Kan­ton eine Tou­ris­mus­ab­ga­be erhe­ben kann. Der sub­jek­ti­ven Abga­be­pflicht unter­lie­gen dabei im Wesent­li­chen die Berei­che Hotel­le­rie und Para­ho­tel­le­rie sowie Gastro­no­mie und Para­ga­stro­no­mie. Art. 13 Abs. 2 TG/OW lau­tet fol­gen­der­ma­ssen:

Der Abga­be­pflicht unter­steht auch, wer sich zu Feri­en- oder Erho­lungs­zwecken in eige­nen oder dau­ernd gemie­te­ten Gebäu­den, Woh­nun­gen oder Zim­mern auf­hält oder sich die­se zur Ver­fü­gung hält und nicht im Kan­ton sei­nen steu­er­recht­li­chen Wohn­sitz hat

Der Beschwer­de­füh­rer rügt unter ande­rem, dass die Art. 8 und 9 BV ver­letzt sei­en, da die­je­ni­gen Per­so­nen, wel­che im Kan­ton Obwal­den ihren steu­er­recht­li­chen Wohn­sitz hät­ten, von der Tou­ris­mus­ab­ga­be befreit wür­den. Das BGer prüft vor­ab, wel­chen Rechts­cha­rak­ter die Tou­ris­mus­ab­ga­be auf­weist:

Im Sin­ne der bun­des­ge­richt­li­chen Pra­xis erscheint die Tou­ris­mus­ab­ga­be des Kan­tons Obwal­den als “vor­aus­set­zungs­los” […]. Ver­langt wird ein­zig das Füh­ren eines gesetz­lich umschrie­be­nen Betriebs oder das Bereit­hal­ten einer Über­nach­tungs­mög­lich­keit. Ein kon­kre­ter Nut­zen oder ein kon­kre­ter Ver­ur­sa­cher­an­teil der steu­er­pflich­ti­gen Per­son sind ent­behr­lich. Mit Blick dar­auf qua­li­fi­ziert die Tou­ris­mus­ab­ga­be des Kan­tons Obwal­den von vorn­her­ein nicht als Kau­sal­ab­ga­be […], son­dern als Steu­er […]. Die Tou­ris­mus­ab­ga­be des Kan­tons Obwal­den qua­li­fi­ziert sodann als Son­der­steu­er (dies in Abgren­zung zu den all­ge­mei­nen Steu­ern) und — mit Blick auf die Mit­tel­ver­wen­dung — als Zweck­steu­er (was sie von den ordent­li­chen Steu­ern unter­schei­det, die der Finan­zie­rung des all­ge­mei­nen Haus­halts die­nen). Sie hat daher den ver­fas­sungs­mä­ssi­gen Anfor­de­run­gen an Steu­ern zu genü­gen (Art. 127 BV). Ins­ge­samt stellt die Tou­ris­mus­ab­ga­be des Kan­tons Obwal­den sich als Kosten­an­la­stungs­steu­er dar […] (E. 3.2.1. f.). 

Unter Ver­weis auf sei­ne frü­he­re Recht­spre­chung (BGE 99 Ia 351 und BGE 100 Ia 60) hält das BGer fest, dass die Aus­nah­me der in einem Kan­ton wohn­haf­ten Feri­en­haus­ei­gen­tü­mer von der Kur­ta­xen­pflicht ein unge­recht­fer­tig­tes Steu­er­pri­vi­leg dar­stel­le. Solan­ge der Kan­ton an einem sol­chen Regime fest­hal­te, dür­fe auch von ausser­kan­to­na­len Feri­en­haus­ei­gen­tü­mern kei­ne Kur­ta­xe erho­ben wer­den. Eine höhe­re Kur­ta­xe für Feri­en­haus­ei­gen­tü­mer mit Wohn­sitz ausser­halb des Kan­tons gegen­über einer nied­ri­ge­ren Kur­ta­xe für Feri­en­haus­ei­gen­tü­mer mit Wohn­sitz inner­halb des Kan­tons ver­sto­sse eben­falls gegen die Rechts­gleich­heit.

Das BGer hält abschlie­ssend fest, dass die dar­ge­stell­te Recht­spre­chung erhel­le, dass die streit­be­trof­fe­ne Tou­ris­mus­ab­ga­be mit dem Rechts­gleich­heits­ge­bot inso­weit unver­ein­bar sei, als Per­so­nen, die sich zu Feri­en- oder Erho­lungs­zwecken in eige­nen oder dau­ernd gemie­te­ten Gebäu­den, Woh­nun­gen oder Zim­mern auf­hiel­ten oder sich die­se zur Ver­fü­gung hiel­ten, ein­zig des­halb der Steu­er­pflicht unter­lä­gen, weil sie im Kan­ton Obwal­den kei­nen steu­er­recht­li­chen Wohn­sitz auf­wie­sen. Die Rechts­la­ge sei auch nicht ver­gleich­bar mit Orts­an­säs­si­gen, die berech­tig­ter­wei­se kei­ne Kur­ta­xe zu ent­rich­ten hät­ten, denn die mit Kur­ta­xen finan­zier­ten Anla­gen dien­ten nicht pri­mär den Bedürf­nis­sen der Orts­an­säs­si­gen. Dem­ge­gen­über hän­ge im vor­lie­gen­den Fall die Mög­lich­keit zur Bean­spru­chung des tou­ri­sti­schen Ange­bots in kei­ner Wei­se davon ab, ob der Wohn­sitz des Eigen­tü­mers oder Dau­er­mie­ters eines Feri­en­ob­jekts im Kan­ton oder anders­wo lie­ge.

Vgl. dazu auch die Bericht­erstat­tung in der NZZ vom 25. März 2016.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.