In einem kom­ple­xen For­de­rungs­pro­zess stell­te der Beschwer­de­füh­rer vor dem Bezirks­ge­richt Lau­sanne (Tri­bu­nal d’arrondissement Lau­sanne) das Gesuch um Aner­ken­nung und Voll­streck­bar­er­klä­rung (requête d’exequatur) eines US-ame­ri­ka­ni­schen Ent­scheids, mit dem die Beschwer­de­geg­ner soli­da­risch zur Zah­lung von USD 1’417’454.43 ver­pflich­tet wor­den waren.

Der Prä­si­dent des Tri­bu­nal d’arrondissement Lau­sanne lehn­te die Aner­ken­nung ab. Das Kan­tons­ge­richt Waadt (Tri­bu­nal can­to­nal vau­dois) bestä­tig­te den erst­in­stanz­li­chen Ent­scheid. Das Bun­des­ge­richt wies die dage­gen gerich­te­te Beschwer­de ab (Urteil 4A_120/2015 vom 19. Febru­ar 2016).

Das Bun­des­ge­richt hat­te zu klä­ren, ob die Vor­aus­set­zun­gen nach Art. 25 ff. IPRG erfüllt waren (E. 3.1). Da es um ein Abwe­sen­heits­ur­teil ging, war ins­be­son­de­re umstrit­ten, ob die Beschwer­de­geg­ner im Sin­ne von Art. 27 Abs. 2 lit. a IPRG “gehö­rig gela­den” wor­den waren (E. 3.3; E. 3.3.2 und 4.1).

Das Bun­des­ge­richt erkann­te, dass nicht erst die Vor­la­dung zur Ver­hand­lung gehö­rig zuge­stellt wor­den sein muss, son­dern bereits die Urkun­de, mit der die beklag­te Par­tei erst­mals über das lau­fen­de Ver­fah­ren gegen sie infor­miert wer­den soll (E. 4.1.2). Das war im vor­lie­gen­den Fall ein Gesuch um Zwangs­mass­nah­men (auf Eng­lisch: “moti­on for sanc­tions”). Die Beschwer­de­geg­ner hat­ten nicht auf die “moti­on for sanc­tions” geant­wor­tet, wor­auf das Gericht eine Ver­hand­lung ansetz­te, um den Scha­dens­zins und ande­re Mass­nah­men fest­zu­le­gen (E. 4.1.3). Da die Beschwer­de­geg­ner auch nicht an der Ver­hand­lung erschie­nen, erging ein Abwe­sen­heits­ur­teil, das nun in der Schweiz voll­streckt wer­den soll­te (E. 4.2.2).

Da ein Abwe­sen­heits­ur­teil ergan­gen war, oblag es dem Beschwer­de­füh­rer, der das Gesuch um Aner­ken­nung und Voll­streck­bar­er­klä­rung gestellt hat­te, nach­zu­wei­sen, dass die “moti­on for sanc­tions” den Beschwer­de­geg­nern gehö­rig zuge­stellt wor­den war (E. 3.4 und 4.2.2). Und weil dies­be­züg­lich die gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. c IPRG ver­lang­ten Urkun­den nicht bei­ge­bracht wor­den waren, lehn­te das Bun­des­ge­richt die ver­lang­te Aner­ken­nung und Voll­streck­bar­er­klä­rung ab (E. 4.2.2).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).