Die A. AG (Beschwer­de­füh­re­rin) hat­te als Anle­ge­rin bei der D. AG For­de­rungs­aus­fäl­le erlit­ten. Die B. SA (Beschwer­de­geg­ne­rin) hat­te bei der D. AG ein Zer­ti­fi­zie­rungs­au­dit durch­ge­führt, wor­auf der D. AG ein ISO-Zer­ti­fi­kat betref­fend die Ein­füh­rung und Anwen­dung eines Qua­li­täts­ma­nage­ment­sy­stems aus­ge­stellt wur­de. Gemäss Zer­ti­fi­kat wur­de anläss­lich des Zer­ti­fi­zie­rungs­au­dits nach­ge­wie­sen, dass bei der D. AG das Qua­li­täts­ma­nage­ment­sy­stem die Anfor­de­run­gen der Nor­men SN EN ISO 9001:2000 erfüllt. Zwei Jah­re spä­ter erfolg­te ein Über­wa­chungs­au­dit durch die I. SA, die spä­ter von der Beschwer­de­geg­ne­rin über­nom­men wur­de.

Nach­dem die Eid­ge­nös­si­sche Ban­ken­kom­mis­si­on den Kon­kurs über die D. AG eröff­net hat­te und die For­de­run­gen der Beschwer­de­füh­re­rin in der drit­ten Klas­se kol­lo­ziert wur­den, reich­te die Beschwer­de­füh­re­rin eine Kla­ge gegen die Beschwer­de­geg­ne­rin ein und mach­te unter ande­rem eine Ver­trau­ens­haf­tung gel­tend. Das Bun­des­ge­richt konn­te sich über die Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­zi­ie­rung des Scha­dens und zu den Vor­aus­set­zun­gen einer Ver­trau­ens­haf­tung äussern (Urteil 4A_299/2015 vom 2. Febru­ar 2016).

Betref­fend die Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­zi­ie­rung eines Ver­mö­gens­scha­dens hielt das Bun­des­ge­richt fest, Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen müss­ten so kon­kret for­mu­liert sein, dass ein sub­stan­zi­ier­tes Bestrei­ten mög­lich ist oder der Gegen­be­weis ange­tre­ten wer­den kön­ne. Die Anfor­de­run­gen an eine sub­stan­zi­ier­te Bestrei­tung sei­en dabei tie­fer als die Anfor­de­run­gen an die Sub­stan­zi­ie­rung einer Behaup­tung. Der Grad der Sub­stan­zi­ie­rung beein­flus­se den erfor­der­li­chen Grad an Sub­stan­zi­ie­rung einer Bestrei­tung (vgl. zum Gan­zen E. 2.3 mit Hin­wei­sen auf die bun­des­ge­richt­li­che Recht­spre­chung). Im kon­kre­ten Fall gelang­ten das Han­dels­ge­richt Zürich und das Bun­des­ge­richt zur Auf­fas­sung, der behaup­te­te Scha­den sei nicht genü­gend sub­stan­zi­iert wor­den (E. 2.1 und 2.4).

Bezüg­lich der gel­tend gemach­ten Ver­trau­ens­haf­tung fass­te das Bun­des­ge­richt sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zusam­men (E. 3.3) und ver­nein­te eine Haf­tung der Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le (E. 3.4 und 3.5). Im vor­lie­gen­den Fall habe die Beschwer­de­geg­ne­rin zwar davon aus­ge­hen müs­sen, dass die D. AG das Zer­ti­fi­kat für Kun­den­wer­bung benut­zen wür­de. Ent­schei­dend sei, wel­che Infor­ma­tio­nen sich aus dem Zer­ti­fi­kat erge­ben (E. 3.4). Gemäss Bun­des­ge­richt hät­te die Beschwer­de­füh­re­rin auf­zei­gen müs­sen, dass
und inwie­fern die ISO-Zer­ti­fi­zie­rung geeig­net gewe­sen sein soll­te,
hin­rei­chend kon­kre­te und bestimm­te Erwar­tun­gen der Anle­ger zu wecken,
dass die­se ihr inve­stier­tes Geld zurück­be­zahlt erhal­ten wür­den
(E. 3.5).

Die­ser Nach­weis sei miss­lun­gen. Die Tat­sa­che allein, dass der D. AG ein ISO-Zer­ti­fi­kat aus­ge­stellt wor­den sei, begrün­de kei­ne Ver­trau­ens­haf­tung der Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­le (E. 3.5). Und aus dem Umstand, dass die D. AG über ein Qua­li­täts­ma­nage­ment ver­fü­ge, erge­be sich kei­ne Garan­tie für eine Rück­zah­lung der durch die Kun­den getä­tig­ten Anla­gen (E. 3.4).

Roland Bachmann

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Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).