Das BGer hat­te im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren zu ent­schei­den, ob der Anspruch, die Daten­lie­fe­rung durch eine Bank an das US-ame­ri­ka­ni­sche Depart­ment of Justi­ce (DOJ) sei zu unter­las­sen, ver­mö­gens­recht­li­cher Natur ist.
Der Klä­ger, ein ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter der Bank, hat­te den Streit­wert des Anspruchs auf rund CHF 10’000 bezif­fert, ent­spre­chend einem Monats­lohn. Die Bank hat­te sich damit ein­ver­stan­den erklärt. Gleich­wohl hat­ten die Vor­in­stan­zen die Strei­tig­keit als nicht­ver­mö­gens­recht­lich beur­teilt.

Das BGer hält zunächst fest, dass die Fra­ge, ob eine Strei­tig­keit ver­mö­gens­recht­li­cher Natur ist, nicht in der Dis­po­si­ti­on der Par­tei­en liegt:

Der in Art. 91 Abs. 2 ZPO ent­hal­te­ne Vor­be­halt zu Gun­sten einer Eini­gung der Par­tei­en betref­fend ihre nicht auf eine bestimm­te Geld­sum­me gerich­te­ten Rechts­be­geh­ren […] fin­det einer­seits auf­grund sei­nes Wort­lauts, ande­rer­seits zufol­ge sei­ner Stel­lung im 7. Titel (“Streit­wert”) des 1. Teils der ZPO kei­ne (direk­te) Anwen­dung auf die Fra­ge, ob eine ver­mö­gens­recht­li­che Strei­tig­keit vor­liegt. Die Bestim­mung befasst sich ein­zig mit der Fra­ge, wie der Streit­wert zu
ermit­teln ist, und setzt mit­hin vor­aus, dass das Rechts­be­geh­ren sei­ner Natur nach über­haupt in Geld bewer­tet wer­den kann, also eine ver­mö­gens­recht­li­che Strei­tig­keit vor­liegt […].

Auch eine ana­lo­ge Anwen­dung von ZPO 91 II schloss das BGer aus.

Sodann bestä­tigt das BGer, dass Strei­tig­kei­ten über Daten­lie­fe­run­gen an das DOJ nicht ver­mö­gens­recht­li­cher
Natur
ist. Es stützt sich dabei ins­be­son­de­re auf sei­ne Recht­spre­chung zur Durch­set­zung des
Aus­kunfts­rechts nach DSG 8. Die­ser Recht­spre­chung ent­spre­che es, auch die Unter­las­sungs­kla­ge einer Bank­mit­ar­bei­te­rin auf
Nich­t­her­aus­ga­be der sie betref­fen­den Daten an aus­län­di­sche Justiz­be­hör­den grund­sätz­lich als nicht­ver­mö­gens­recht­lich zu
qua­li­fi­zie­ren.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.