Das Bun­des­ge­richt bestä­tig­te in sei­nem Urteil sei­nen Leit­ent­scheid aus dem Jahr 1995 (BGE 121 III 368), wonach die Ein­tra­gung von Kol­lek­tiv­un­ter­schrif­ten, bei denen die zur gemein­sa­men Unter­zeich­nung befug­ten Per­so­nen nament­lich genannt wer­den, zuläs­sig ist.

Das Han­dels­re­gi­ster teil­te der gesuch­stel­len­den Akti­en­ge­sell­schaft mit, dass es nur eine Beschrän­kung der Zeich­nungs­be­rech­ti­gung geknüpft an eine Funk­ti­on akzep­tie­re. Die bean­trag­te Ein­tra­gung geknüpft an bestimm­te Per­so­nen (z.B. “B. (…), mit Kol­lek­tiv­un­ter­schrift zu zwei­en mit C. oder D. oder E.”) ver­wei­ger­te es indes­sen. Das Ver­wal­tungs­ge­richt stütz­te die­sen Ent­scheid. Dabei erwog es ins­be­son­de­re, dass der vor­ge­nann­te Leit­ent­scheid des Bun­des­ge­richt kei­ne Gül­tig­keit mehr bean­spru­chen kön­ne, da jener mass­geb­lich auf einer inzwi­schen auf­ge­ho­be­nen Bestim­mung (Art. 641 Ziff. 8 aOR) beruht habe.

Das Bun­des­ge­richt erin­ner­te dar­an, dass es sich in die­sem Leit­ent­scheid nicht aus­schliess­lich, son­dern ledig­lich ergän­zend auf Art. 641 Ziff. 8 aOR gestützt habe. Für das Bun­des­ge­richt sei damals mass­ge­bend gewe­sen,  dass (E. 2.3.1)

gemäss Art. 718a Abs. 2 OR Kol­lek­tiv­un­ter­schrif­ten in das Han­dels­re­gi­ster ein­ge­tra­gen wer­den kön­nen, sich die herr­schen­de Leh­re für eine Ein­tra­gung prä­zi­sier­ter Kom­bi­na­tio­nen von Kol­lek­tiv­un­ter­schrif­ten aus­spricht und dies auch des­halb gebo­ten ist, weil sonst die tat­säch­lich gel­ten­de Ver­tre­tungs­be­fug­nis gegen­über der Öffent­lich­keit ver­heim­licht wür­de, was einen täu­schen­den Han­dels­re­gi­ster­ein­trag zur Fol­ge hät­te. Die­se Über­le­gun­gen gel­ten unab­hän­gig vom Wort­laut des Art. 641 Ziff. 8 aOR und behal­ten auch heu­te noch ihre Gül­tig­keit.

Auch gestützt auf die Bot­schaft zur Revi­si­on des GmbH-Rechts, im Zuge derer Art. 641 Ziff. 8 a OR auf­ge­ho­ben wur­de, erge­be sich — so das Bun­des­ge­richt — nichts ande­res. Viel­mehr habe gemäss dem Begleit­be­richt zur Total­re­vi­si­on der Hand­les­re­gi­ster­ver­ord­nung der Normin­halt der auf­ge­ho­be­nen Bestim­mun­gen des Obli­ga­tio­nen­rechts, und somit auch von Art. 641 Ziff. 8 aOR, neu in die Ver­ord­nung auf­ge­nom­men wer­den müs­sen. Die “Art der Zeich­nungs­be­rech­ti­gung” gemäss Art. 119 Abs. 1 lit. g HRegV ent­spre­che denn auch der “Art der Aus­übung der Ver­tre­tung”, wie sie Art. 641 Ziff. 8 aOR vor­ge­se­hen habe (E. 2.3.2). Zudem ver­tre­te die heu­ti­ge Leh­re aus­nahms­los, dass bei Kol­lek­tiv­un­ter­schrif­ten die zur gemein­sa­men Unter­zeich­nung befug­ten Per­so­nen nament­lich bezeich­net wer­den kön­nen (E. 2.3.3.).

Martin Rauber

Posted by Martin Rauber

RA Dr. Martin Rauber, LL.M, arbeitet als Rechtsanwalt bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Zuvor wirkte er als juristischer Sekretär am Bezirksgericht Horgen, wo er heute als nebenamtlicher Ersatzrichter im Einsatz steht. Er studierte an der Universität Freiburg i.Ue., der Université Libre de Bruxelles sowie an der University of Edinburgh (LL.M. Commercial Law).