Das vor­lie­gen­de Urteil des BGer erging in einer Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen kon­kur­rie­ren­den Betrei­be­rin­nen u.a. von Bau- und Gar­ten- bzw. Frei­zeit­märk­ten mit 6 bzw. 41 Geschäf­ten in der Schweiz. Die Beklag­te hat­te ihr Ange­bot u.a. mit den Begrif­fen “Tiefst­preis­ga­ran­tie”, “Best Pri­ce” und “garan­tier­ter Dau­er­tiefst­preis” bewor­ben. Die Klä­ge­rin, das klei­ne­re Unter­neh­men, hat­te vom HGer AG u.a. (neben Rech­nungs­le­gung und Gewinn­her­aus­ga­be) ver­langt, die­se Wer­be­aus­sa­gen sei­en der Beklag­ten zu ver­bie­ten, und sie habe 

das Urteils­dis­po­si­tiv sowie eine vom Gericht geprüf­te Zusam­men­fas­sung des Urteils (i) wäh­rend 30 Tagen auf der Web­site www….ch in Form einer vor­ge­la­ger­ten Schicht-Anzei­ge (Lay­er-Ad) in der Grö­sse von min­de­stens einem Vier­tel des Bild­schirms bei dyna­mi­scher Sei­ten­grö­sse auf­zu­schal­ten und (ii) in zwei auf­ein­an­der­fol­gen­den Wer­be­bro­schü­ren in Form eines Inse­rats von der Grö­sse einer hal­ben A4-Sei­te zu publi­zie­ren.

Das HGer AG hiess die Kla­ge teil­wei­se gut und ver­pflich­te­te die Beklag­te u.a.,
das Urteils­dis­po­si­tiv und eine vom Gericht geprüf­te Zusam­men­fas­sung des Urteils wie ver­langt zu ver­öf­fent­li­chen.

Das BGer heisst die Beschwer­de teil­wei­se gut und weist die Sache zurück ans HGer AG. Das BGer stützt sich dabei auf UWG 3 I lit. b und e (all­ge­mei­nes Irre­füh­rungs­ver­bot und Irre­füh­rung im Rah­men ver­glei­chen­der Wer­bung).

Dabei hält das BGer mit Bezug auf Preis­an­ga­ben zunächst fol­gen­de Regeln fest:

  • Für Preis­ver­glei­che gilt ein stren­ger Mas­stab.
  • Bei ver­glei­chen­den Preis­an­ga­ben wird nur wei­ter­hin nur mit äusser­ster Zurück­hal­tung ange­nom­men, es hand­le sich um erkenn­bar über­trie­be­ne, rei­sse­ri­sche Anga­ben.
  • Dass die Anzie­hungs­kraft der ver­glei­chen­den Wer­bung ins­be­son­de­re mit Prei­sen nicht unter­schätzt und die Auf­merk­sam­keit und Kennt­nis­se des durch­schnitt­li­chen Käu­fers nicht über­schätzt wer­den dür­fen, wird bestä­tigt.
  • Preis­be­zo­ge­ne Super­la­tiv- oder Allein­stel­lungs­wer­bung unter­steht stren­gen Anfor­de­run­gen. Sie muss ins­be­son­de­re wahr sein. Das setzt vor­aus, dass die Kon­kur­renz­prei­se bekannt sind. 
  • Preis­an­ga­ben müs­sen zudem nicht nur im Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung zutref­fen, son­dern auch die Tat­sa­che berück­sich­ti­gen, dass sich die Kon­kur­renz­prei­se ver­än­dern kön­nen.
  • Eine unwah­re Preis­an­ga­be ver­liert auch durch das Ver­spre­chen der Rück­erstat­tung ihren täu­schen­den Cha­rak­ter nicht. 

Gestützt dar­auf qua­li­fi­ziert das BGer fol­gen­de Aus­sa­gen als Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen, sofern sie sich in den kon­kre­ten Umstän­den im Ver­ständ­nis der Adres­sa­ten auf bestimm­te Waren oder Lei­stun­gen bezie­hen:

  • Tiefst­preis­ga­ran­tie”
  • best pri­ce”
  • garan­tier­ter Dau­er­tiefst­preis”

Sol­che Aus­sa­gen sind zuläs­sig, sofern die betrof­fe­ne Ware im rele­van­ten Zeit­punkt in einem trans­pa­ren­ten Markt im Ver­hält­nis zu allen ande­ren ange­bo­te­nen Waren am bil­lig­sten ange­bo­ten wird und der Anbie­ter die erfor­der­li­chen Abklä­run­gen vor­ge­nom­men hat, um dies zu garan­tie­ren. Obiter hält das BGer dazu fest:

Dass die Aus­drücke “Tiefst­preis­ga­ran­tie” und “Best Pri­ce” in der Regel als Super­la­tiv­wer­bung im Ver­hält­nis zur gesam­ten Kon­kur­renz ver­stan­den wer­den und der durch­schnitt­li­che Kon­su­ment eines Bau­mark­tes ohne ein­deu­ti­gen Bezug zu einer von drei eige­nen Preis­la­gen­sor­ti­men­ten der Anbie­te­rin annimmt, die Prei­se für die Ange­bo­te sei­en im Ver­hält­nis zur gesam­ten Kon­kur­renz die bil­lig­sten, dürf­te zutref­fen.

Aller­dings ging aus den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz nicht her­vor, dass die rele­van­ten Wer­be­aus­sa­gen dahin­ge­hend ver­stan­den wer­den, die Beklag­te sei in ihrem gesam­ten Ange­bot in jedem belie­bi­gen Zeit­punkt oder min­de­stens zu einem bestimm­ten Zeit­punkt preis­gün­sti­ger als die gesam­te Kon­kur­renz. Bezo­gen sich die Aus­sa­gen nur auf jeweils bestimm­te ihrer Waren, so wäre sie für die Rich­tig­keit nur die­ses Ver­gleichs beweis­pflich­tig. Gene­rell lie­ssen sich die an sich kor­rek­ten Aus­füh­run­gen des HGer auf den kon­kre­ten Fall nicht nach­voll­zieh­bar anwen­den, weil weder die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung der Wer­bung noch die Umstän­de, unter denen die Adres­sa­ten die Wer­be­bot­schaf­ten wahr­neh­men, fest­ge­stellt waren. Das BGer weist die Sache des­halb zurück. 

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.