Im vor­lie­gen­den Ent­scheid befass­te sich das Bun­des­ge­richt einer­seits mit der Fra­ge der genü­gen­den Bestimmt­heit der Bezeich­nung der Arrest­ge­gen­stän­de in einer Arre­stur­kun­de und ande­rer­seits mit der Fra­ge, ob die Auf­sichts­be­hör­de in Schuld­be­trei­bungs- und Kon­kurs­sa­chen recht­mä­ssi­ge Beschwer­de­instanz zur Beur­tei­lung die­ser Fra­ge ist. Dem Ent­scheid lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de:

Auf Begeh­ren der Bank B. hin hat­te das erst­in­stanz­li­che Gericht des Kan­tons Genf für einen bestimm­ten Betrag „tous actifs, avoirs et biens, créan­ces et dépôts, notam­ment espè­ces, val­eurs, créan­ces (fidu­ci­ai­res et/ou non fidu­ci­ai­res) inté­rêts, papiers-val­eurs, titres, comp­tes cou­rants, créan­ces résul­tant de finan­ce­ment pour l’achat et la ven­te de matiè­res pre­miè­res, d’instruments finan­ciers desti­nés à cou­vrir les fluc­tua­ti­ons du mar­ché des matiè­res pre­miè­res, con­nais­se­ments, métaux pré­cieux et autres objets de val­eur, dépôts ou cof­f­res-forts, pro­prié­té de la Ban­que A., auprès de la Ban­que A.” mit Arrest belegt. 

Glei­chen­tags hat­te das Betrei­bungs­amt der Bank A. eine „Anzei­ge betref­fend Arrest­voll­zug“ unter Ver­weis auf den Arrest­be­fehl zuge­stellt. Spä­ter wur­de die Arre­stur­kun­de ver­sandt. Die Bank A. erhob Beschwer­de und mach­te Nich­tig­keit der Arre­stur­kun­de sowie der Anzei­ge betref­fend Arrest­voll­zug gel­tend. Gleich­zei­tig wur­de Ein­spra­che erho­ben. Nach Abwei­sung der Ein­spra­che hiess die Auf­sichts­be­hör­de die Beschwer­de gut, stell­te die Nich­tig­keit des Arrest­be­fehls fest und hob sowohl die Arre­stur­kun­de als auch die Anzei­ge betref­fend Arrest­voll­zug auf. Hier­ge­gen erhob die Bank B. Beschwer­de in Zivil­sa­chen beim Bun­des­ge­richt.

Die Beschwer­de­füh­re­rin mach­te u.a. gel­tend, die Auf­sichts­be­hör­de habe gegen das Prin­zip der res iudi­ca­ta ver­sto­ssen, indem sie über die Gül­tig­keit des Arrest­be­fehls ent­schie­den hat­te, obwohl im Ein­spra­che­ver­fah­ren in die­ser Sache bereits ein Ent­scheid gefällt wor­den war (E. 2). 

Das Bun­des­ge­richt ver­wies auf sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung und hielt fest, dass der Schuld­ner gegen die Arrest­be­wil­li­gung in Form der Ein­spra­che oppo­nie­ren kön­ne (Art. 278 SchKG) und der Ent­scheid dar­über beim Rich­ter lie­ge. Das Betrei­bungs­amt sei hin­ge­gen für den Voll­zug des Arrest­be­fehls zustän­dig, und hier­über kön­ne Beschwer­de bei der Auf­sichts­be­hör­de geführt wer­den. Kon­kret wür­den ins­be­son­de­re die Voll­zugs­mass­nah­men (Art. 92 ff., Art. 95 ff., Art. 98 ff., Art. 106 ff. SchKG) sowie die Prü­fung der for­mel­len Regel­kon­for­mi­tät des Arrest­be­fehls in die Zustän­dig­keit des Betrei­bungs­amts bzw. der Auf­sichts­be­hör­den fal­len. Aus die­sem Grund sei die Auf­sichts­be­hör­de zur Beur­tei­lung der hin­rei­chend bestimm­ten Bezeich­nung der Arrest­ge­gen­stän­de zustän­dig gewe­sen (E. 2.2).

Anders als die Vor­in­stanz qua­li­fi­zier­te das Bun­des­ge­richt den Arrest­be­fehl und ins­be­son­de­re die ledig­lich gat­tungs­spe­zi­fi­sche Bezeich­nung der Arrest­ge­gen­stän­de nicht als for­mell feh­ler­haft, so dass das Betrei­bungs­amt die­sen nicht hät­te voll­zie­hen dür­fen. Das Bun­des­ge­richt hielt fest, dass es bei einem Arrest von Ver­mö­gens­wer­ten in der Ver­fü­gungs­macht des Schuld­ners selbst, wie vor­lie­gend, ledig­lich der Bezeich­nung des Ver­fü­gen­den oder der Bezeich­nung des Ortes der Ver­mö­gens­wer­te bedarf. Ein „Gat­tungs­ar­rest“ („séquest­re géné­ri­que“) sei zuläs­sig, auch wenn es vor­lie­gend die Ver­mö­gens­wer­te der Bank sel­ber und nicht Ver­mö­gens­wer­te eines Kun­den betref­fe. Im Fall eines Gat­tungs­ar­re­stes tref­fe den Schuld­ner die Pflicht, die vom Gläu­bi­ger der Gat­tung nach bestimm­ten Arrest­ge­gen­stän­de zu defi­nie­ren (Erw. 5.1. und 5.2.): „Tou­te­fois, en cas de séquest­re géné­ri­que, il incom­be au débi­teur d’indiquer les biens du gen­re dési­gné qui lui appar­ti­en­nent à l’endroit déter­mi­né.“ (E. 5.2.)

Die Beschwer­de in Zivil­sa­chen wur­de dem­entspre­chend gut­ge­hei­ssen.

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.