Der Bun­des­rat hat am 11. Mai 2016 einen Bericht zum sog. Fol­ge­recht vor­ge­legt, d.h. dem Recht bil­den­der Künst­ler, am Erlös aus dem Wei­ter­ver­kauf ihrer Wer­ke aus dem Kunst­han­del betei­ligt zu wer­den. Damit hat der Bun­des­rat das Postu­lat  13.4083 von SR Lug­in­bühl vom 5. Dezem­ber 2013 erfüllt.

Der Bun­des­rat legt in sei­nem Bericht die frü­he­re Dis­kus­si­on des Fol­ge­rechts in der Schweiz dar, den inter­na­tio­na­len Rechts­rah­men, Aus­ge­stal­tun­gen des Fol­ge­rechts in aus­län­di­schen Rech­ten und volks­wirt­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen und kommt zusam­men­fas­send zu fol­gen­den Ergeb­nis­sen:

Das Fol­ge­recht soll einen Aus­gleich zwi­schen der finan­zi­el­len Situa­ti­on der bil­den­den Künst­ler und jener Kunst­schaf­fen­den her­stel­len, die aus der fort­ge­setz­ten Ver­wer­tung ihrer Wer­ke Ein­nah­men erzie­len kön­nen. Inwie­weit es Sinn macht, die Ver­wer­tungs­mög­lich­kei­ten ganz unter­schied­li­cher Spar­ten mit­ein­an­der zu ver­glei­chen, ist frag­lich. So haben die bil­den­den Künst­ler gegen­über Kul­tur­schaf­fen­den ande­rer Spar­ten nicht nur Nach­tei­le. Bei­spiels­wei­se kön­nen Lite­ra­tur­schaf­fen­de kaum auf eine der­ma­ssen wir­kungs­vol­le Pro­mo­ti­on ihrer Wer­ke zäh­len wie dies bei den bil­den­den Künst­lern
durch die zahl­rei­chen Aus­stel­lun­gen in Kunst­mu­se­en geschieht.

Die Ana­ly­se unter Ein­be­zug der ver­füg­ba­ren Daten zu den Erfah­run­gen ande­rer Staa­ten mit dem Fol­ge­recht führt zum Schluss, dass das Fol­ge­recht, die in ihn gesteck­ten Erwar­tun­gen kaum wird erfül­len kön­nen.

Das Fol­ge­recht wird oft­mals mit der Ver­bes­se­rung der mate­ri­el­len Situa­ti­on der Kunst­schaf­fen­den durch eine kon­kre­te Betei­li­gung am Wei­ter­ver­kaufs­preis (Ziel 1) pro­pa­giert. Fol­ge­rich­tig müss­ten Aus­zah­lun­gen aus einem Sozi­al- und Kul­tur­fonds auch nach Bedürf­tig­keits­kri­te­ri­en erfol­gen. Die Aus­rich­tung stün­de damit in einem gewis­sen Span­nungs­ver­hält­nis zum vor­ran­gi­gen Ziel der Qua­li­täts­för­de­rung. Die Zah­len aus der EU zei­gen, dass nur sehr weni­ge Per­so­nen (wirt­schaft­lich erfolg­rei­che Künst­ler und deren Erben) von einer sol­chen Rege­lung pro­fi­tie­ren. Mit einer voll­stän­di­gen oder zumin­dest teil­wei­sen Zuwei­sung der Ver­gü­tung in Kul­tur- und Sozi­al­fonds könn­te ein brei­te­rer Kreis an Künst­ler unter­stützt wer­den und so dem Ziel 2, der gene­rel­len Unter­stüt­zung der Kunst­schaf­fen­den, Rech­nung getra­gen wer­den. Soweit die gestützt auf gro­ben Annah­men geschätz­ten Ein­nah­men aus dem Fol­ge­recht von 2 Mil­lio­nen Fran­ken über­haupt in der Schweiz ver­blei­ben, stel­len die­se aller­dings nur einen Bruch­teil der Gesamt­kul­tur­för­de­rung in der Schweiz von rund 2,7 Mil­li­ar­den Fran­ken dar und sind zu tief um sich spür­bar posi­tiv aus­zu­wir­ken. Unklar­heit besteht zudem dar­über, wie sich das Fol­ge­recht auf die Wett­be­werbs­fä­hig­keit eines Kunst­han­dels­plat­zes aus­wirkt und in wel­chem Umfang es zu Ver­la­ge­run­gen an Orte ohne Fol­ge­recht mit den ent­spre­chen­den nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen unter
ande­rem auf die Beschäf­ti­gung kommt. Die Erfah­run­gen in der EU las­sen kei­ne defi­ni­ti­ven Schlüs­se zu.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.