Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Ent­scheid vom 31. März 2016 äusser­te sich das BGer zur Gewäs­ser­nut­zungs­ver­ord­nung des Kan­tons Uri (GNV UR, RB 40.4105). Die GNV ergänzt das Gewäs­ser­nut­zungs­ge­setz des Kan­tons Uri (GNG UR, RB 40.4101) und ent­hält ins­be­son­de­re Bestim­mun­gen über das Kon­zes­si­ons- und Bewil­li­gungs­ver­fah­ren für die Nut­zung des öffent­li­chen Kan­tons­ge­wäs­sers zur Ener­gie­er­zeu­gung. Im Jahr 2014 beschloss der Land­rat des Kan­tons Uri diver­se Ände­run­gen der GNV. Gegen die­se Ände­run­gen führ­te die Kraft­werk Schä­chen­scha­le AG Beschwer­de beim BGer und stell­te den Antrag, diver­se Bestim­mun­gen der GNV auf­zu­he­ben. Das BGer weist die Beschwer­de ab.

Zunächst moniert die Beschwer­de­füh­re­rin, dass das in den Art. 2c bis 2e GNV UR gere­gel­te Ver­fah­ren bei kon­kur­rie­ren­den Kon­zes­si­ons­ge­su­chen gegen Art. 6 Ziff. 1 EMRK ver­sto­sse. Das BGer ist jedoch der Ansicht, dass Art. 6 Ziff. 1 EMRK kei­ne Anwen­dung fin­de:

Der von Art. 6 Ziff. 1 EMRK ver­wen­de­te Begriff der “zivil­recht­li­chen” Ansprü­che und Ver­pflich­tun­gen wird zwar nach der Pra­xis des EGMR in einem wei­te­ren Sin­ne ver­stan­den als der Begriff des Zivil­rechts im Sin­ne des schwei­ze­ri­schen Rechts; vor­aus­ge­setzt ist jedoch, dass es um ein Recht geht, das nach der mass­ge­ben­den lan­des­recht­li­chen Rege­lung besteht. Arti­kel 6 Ziff. 1 EMRK fin­det zwar Anwen­dung, wenn es um den Ent­zug eines wohl­erwor­be­nen Rechts geht […], nicht hin­ge­gen auf die Ver­fah­ren um Ertei­lung von Kon­zes­sio­nen, soweit dar­auf kein Rechts­an­spruch besteht […]. Wie dar­ge­legt […], ergibt sich aber aus dem WRG kein Anspruch auf Kon­zes­si­ons­er­tei­lung. Die Beschwer­de­füh­re­rin macht auch nicht gel­tend, dass ihr auf­grund des kan­to­na­len Rechts ein Anspruch auf Kon­zes­si­ons­er­tei­lung zustün­de. Art. 6 Ziff. 1 EMRK ist somit nicht anwend­bar (E. 2.3.).

Sodann brin­gen die Beschwer­de­füh­rer vor, dass die in Art. 27 BV nor­mier­te Wirt­schafts­frei­heit durch die ange­foch­te­nen Bestim­mun­gen tan­giert sei. Das BGer ist auch hier ande­rer Mei­nung:

Mit der Ertei­lung einer Kon­zes­si­on wird […] einer­seits dem Kon­zes­sio­när ein dau­er­haf­tes Pri­vi­leg an der betref­fen­den Was­ser­kraft ver­schafft und spie­gel­bild­lich zugleich allen ande­ren Inter­es­sen­ten jeg­li­che Nut­zung der­sel­ben unter­sagt. Damit wer­den die wesent­li­chen Grund­zü­ge der Wirt­schafts­frei­heit, näm­lich Wett­be­werb und Gleich­be­hand­lung der Kon­kur­ren­ten, völ­lig aus­ge­schal­tet. Ein so aus­ge­stal­te­tes Kon­zes­si­ons­sy­stem und die Wirt­schafts­frei­heit sind gegen­sätz­li­che und unver­ein­ba­re Kon­zep­te; jenes setzt vor­aus, dass die­se aus­ge­schlos­sen ist und umge­kehrt (E. 2.4.4.).

Das BGer ver­wirft auch die gegen spe­zi­fi­sche Bestim­mun­gen des revi­dier­ten GNV UR vor­ge­brach­ten Argu­men­te (E. 3 bis 5) und auf­er­legt der Beschwer­de­füh­re­rin Gerichts­ko­sten von Fr. 10’000.–.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.