Eine auf den Bereich der Lebens­mit­tel­fo­to­gra­fie spe­zia­li­sier­te Foto­gra­fin hat­te im Zeit­raum von 5 Jah­ren für ein Maga­zin eine grö­sse­re Anzahl Foto­gra­fi­en her­ge­stellt. Das Maga­zin hat­te nach Dar­stel­lung der Foto­gra­fin diver­se Foto­gra­fi­en in bear­bei­te­ter Form und ohne Namens­nen­nung, Bild­sper­re oder Copy­right-Noti­ce im Inter­net bereit­ge­stellt und u.a. auch Drit­ten zur wei­te­re Ver­wen­dung zur Ver­fü­gung gestellt. Die Foto­gra­fin klag­te in der Fol­ge vor dem HGer AG gegen die Her­aus­ge­be­rin des Maga­zins unter Beru­fung ins­be­son­de­re auf die urhe­ber­per­sön­lich­keits­recht­li­chen Ansprü­che auf Erhal­tung der Werk­in­te­gri­tät (URG 11 II) und Namens­nen­nung (URG 9 I). Sie und ver­lang­te u.a. Aus­kunft i.S.v. URG 62 I. Zur Begrün­dung des Aus­kunfts­an­spruchs ver­wies sie auf ein­zel­ne Bil­der, die ohne Namens­nen­nung (Quel­len­nach­weis) in urhe­ber­rechts­ver­let­zen­der Wei­se bear­bei­tet und wei­ter­ver­öf­fent­licht wor­den sei­en. Damit begrün­de­te die Klä­ge­rin ange­sichts der Viel­zahl mög­li­cher­wei­se betrof­fe­ner Bil­der einen wei­ter­rei­chen­den Aus­kunfts­an­spruch. Das HGer AG wies die Kla­ge ab. Im Zusam­men­hang mit dem Ver­fah­ren ist in “Kul­tur­platz” ein TV-Bei­trag erschie­nen.

Das BGer schützt das Urteil des HGer AG und hält fest, dass das Aus­kunfts­recht i.S.v. URG 62 lit. c nicht dazu dient, Aus­kunft über ver­mu­te­te Ver­let­zun­gen zu erhal­ten, son­dern gene­rell vom Nach­weis einer Ver­let­zung oder Gefähr­dung eines Urhe­ber­rechts oder eines ver­wand­ten Schutz­rech­tes abhän­gig ist:

Die Beschwer­de­füh­re­rin muss daher nicht nur ihr Urhe­ber­recht an den Wer­ken, son­dern auch die Ver­let­zung oder min­de­stens die Gefähr­dung ihrer Rech­te dar­an nach­wei­sen, um die in Art. 62 Abs. 1 lit. c URG ange­führ­ten Aus­künf­te bezüg­lich der “wider­recht­lich her­ge­stellt (en) oder in Ver­kehr gebracht (en) Gegen­stän­de” zu erhal­ten. Das Aus­kunfts­recht dient ent­ge­gen der Ansicht der Beschwer­de­füh­re­rin nicht dazu, Aus­kunft über ver­mu­te­te Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen durch die beklag­te Par­tei zu erhal­ten.

Die Ver­let­zung oder min­de­stens Gefähr­dung eines Urhe­ber­rech­tes sei daher als Vor­aus­set­zung eines Anspruchs nach Art. 62 Abs. 1 URG für jeden Gegen­stand des Aus­kunfts­rechts schlüs­sig zu behaup­ten und im Bestrei­tungs­fal­le zu bewei­sen:

[…] Der Aus­kunfts­an­spruch nach Art. 62 Abs. 1 lit. c URG wur­de im Zusam­men­hang mit der Ände­rung des Patent­ge­set­zes am 23. Novem­ber 2005 neu erlas­sen […]. Es soll­te damit für das URG ent­spre­chend Art. 66 lit. b PatG der Rege­lungs­ge­halt von Art. 35 Abs. 1 lit. c DesG über­nom­men wer­den […]. Danach eröff­net der Aus­kunfts­an­spruch die Mög­lich­keit, von der beklag­ten Par­tei auch Anga­ben über den Adres­sa­ten und das Aus­mass der Wei­ter­ga­be wider­recht­lich her­ge­stell­ter Gegen­stän­de an gewerb­li­che Abneh­mer zu ver­lan­gen; mit der Erfas­sung der gesam­ten Pro­duk­ti­ons- und Absatz­ket­te soll die Fest­stel­lung des Ursprungs von rechts­wid­ri­gen Hand­lun­gen erleich­tert wer­den […]. Die fest­ste­hen­de Ver­let­zung bil­det auch danach Vor­aus­set­zung für die Fest­stel­lung des Ursprungs der rechts­wid­ri­gen Hand­lung durch die Erfas­sung der gesam­ten Pro­duk­ti­ons- und Absatz­ket­te. […]

Ein Aus­kunfts­an­spruch las­se sich auch nicht auf eine Ana­lo­gie zu DSG 8 (sowie BGE 138 III 425) stüt­zen. Die Foto­gra­fin hat­te ein sol­ches Aus­kunfts­recht mit dem Per­sön­lich­keits­be­zug des Urhe­ber­rechts begrün­det.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.