Im vor­lie­gen­den Urteil äusser­te sich das Bun­des­ge­richt u.a. zur
Ver­ar­re­stier­bar­keit von Paten­ten. Dem Urteil lag fol­gen­der Sach­ver­halt
zugrun­de:
Das
Arrest­ge­richt hat­te auf Antrag der Schwei­ze­ri­schen Eid­ge­nos­sen­schaft
(Arrest­gläu­bi­ge­rin), gestützt auf Art. 271 Abs. 1 Ziff. 6 SchKG (defi­ni­ti­ver
Rechts­öff­nungs­ti­tel), einen Arrest­be­fehl gegen A. (Arrest­schuld­ner) mit
Wohn­sitz im Für­sten­tum Liech­ten­stein erlas­sen. Als Arrest­ge­gen­stand wur­de
“der Schwei­zer Teil des euro­päi­schen Patents EP xxx sowie das Schwei­zer
Patent CH yyy, ein­ge­tra­gen im Patent­re­gi­ster auf den Namen des Schuld­ners,
ein­schliess­lich aller Rech­te und Ansprü­che dar­aus”
bezeich­net. Das
Betrei­bungs­amt hielt in der Arre­stur­kun­de betref­fend Arrest­voll­zug fest, dass
die bei­den Paten­te im Jah­re 2012 bzw. 2013 nach Ablauf der 20-jäh­ri­gen
Schutz­frist gelöscht wor­den sei­en, wes­halb der Arrest als frucht­los erach­tet
wer­de. Das Betrei­bungs­amt wer­de ohne gegen­tei­li­gen Bericht innert 10 Tagen die
Ver­ar­re­stie­rungs­an­zei­ge beim IGE zurück­zie­hen und das Ver­fah­ren ein­stel­len.
Die
Arrest­gläu­bi­ge­rin erhob hier­ge­gen betrei­bungs­recht­li­che Beschwer­de und ver­lang­te
u.a., dass in der Arre­stur­kun­de die ver­ar­re­stier­ten Gegen­stän­de gemäss Arrest­be­fehl
auf­zu­füh­ren sei­en. Von der Ver­fah­rens­ein­stel­lung sei abzu­se­hen. Nach­dem die Beschwer­de
von der Auf­sichts­be­hör­de abge­wie­sen wor­den war, erhob die Arrest­gläu­bi­ge­rin Beschwer­de
in Zivil­sa­chen ans Bun­des­ge­richt.
Das
Bun­des­ge­richt mach­te zunächst all­ge­mei­ne Aus­füh­run­gen bezüg­lich Abgren­zung zur Ein­spra­che
nach Art. 278 SchKG (E. 3.1).
Anschlie­ssend
dis­ku­tier­te das Bun­des­ge­richt, wo die Paten­te im vor­lie­gen­den Fall zu
ver­ar­re­stie­ren sei­en. Das Bun­des­ge­richt führ­te u.a. aus, dass Imma­te­ri­al­gü­ter­rech­te
eines in der Schweiz wohn­haf­ten Patent­in­ha­bers grund­sätz­lich an sei­nem Wohn­sitz
in der Schweiz zwangs­voll­streckungs­recht­lich zu bele­gen sind. Wenn der Inha­ber
im Aus­land wohnt
, sind sei­ne in einem schwei­ze­ri­schen Regi­ster ein­ge­tra­ge­nen
Imma­te­ri­al­gü­ter­rech­te am Sitz des IGE in Bern gele­gen. Die Schweiz und das
Für­sten­tum Liech­ten­stein wür­den zwar ein ein­heit­li­ches Schutz­ge­biet für
Erfin­dungs­pa­ten­te
bil­den, womit das IGE in der Lage sei, die für einen Arrest
erfor­der­li­chen Ver­fü­gungs­be­schrän­kun­gen durch ent­spre­chen­de Ein­trä­ge im
Patent­re­gi­ster wirk­sam anzu­ord­nen. Für die Zwangs­voll­streckung gegen einen
Patent­in­ha­ber blei­be es aber beim Recht des Staa­tes, wo die Voll­streckung
bean­tragt wer­de, was nahe­le­ge, dass der Beschwer­de­geg­ner in
zwangs­voll­streckungs­recht­li­cher Hin­sicht im Aus­land domi­zi­liert sei und die
Paten­te in der Schweiz beim IGE bele­gen sei­en. Da ande­re Grün­de dem
Arrest­voll­zug ent­ge­gen­stan­den, muss­te die inter­na­tio­na­le und ört­li­che
Zustän­dig­keit zur Zwangs­voll­streckung jedoch nicht abschlie­ssend geprüft wer­den
(E. 3.2).
Danach
führ­te das Bun­des­ge­richt aus, dass paten­tier­te Erfin­dun­gen grund­sätz­lich Gegen­stand
der Zwangs­voll­streckung sein könn­ten (E. 3.3). Nach­dem die frag­li­chen Paten­te jedoch
im Patent­re­gi­ster des IGE wegen Ablaufs der gesetz­li­chen Schutz­frist bereits gelöscht
wor­den waren, habe das exklu­si­ve Recht des Patent­in­ha­bers geen­det, d.h. die
Erfin­dung sei seit­her frei ver­füg­bar, jeder kön­ne sie ver­wen­den und es bestehe
kein abso­lu­tes sub­jek­ti­ves Recht mehr an ihr. Dar­aus fol­ge, dass das Patent
nach Ablauf der Schutz­dau­er nicht mehr als Ver­mö­gens­be­stand­teil des Schuld­ners
betrach­tet wer­den kön­ne, wel­cher durch Zwangs­ver­wer­tung auf einen Drit­ten
über­tra­gen wer­den kann
. Das Bun­des­ge­richt schütz­te daher die Auf­fas­sung der Vor­in­stanz,
die frag­li­chen Paten­te sei­en wegen Ablaufs der Schutz­dau­er kei­ne exi­sten­ten
Ver­mö­gens­rech­te des Schuld­ners, wes­halb sie nicht ver­ar­re­stiert wer­den könn­ten
(E. 3.4).
Fer­ner wies
das Bun­des­ge­richt dar­auf hin, dass das Patent­recht als “Stamm­recht” einer­seits
und Scha­den­er­satz- und Gewinn­her­aus­ga­be­an­sprü­che ande­rer­seits unter­schie­den
wer­den müs­sen; letz­te­re bestün­den, sobald sie ent­stan­den sind, als selb­stän­di­ge
Rech­te. Aus einer Patent­ver­let­zung ent­stan­de­ne repa­ra­to­ri­sche For­de­run­gen wür­den
daher kei­nes­wegs auto­ma­tisch mit­ver­ar­re­stiert (E. 3.6).
Die
Beschwer­de wur­de dem­nach abge­wie­sen.
Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.