Art. 36a KKG, der seit dem 1. Janu­ar 2016 in Kraft steht (wir haben berich­tet), ver­bie­tet

aggres­si­ve” Wer­bung. Die nähe­re Umschrei­bung des Tat­be­stands obliegt dabei nach KKG 36a II den Kre­dit­ge­be­rin­nen, die in einer pri­vat­recht­li­chen Ver­ein­ba­rung die Ein­zel­hei­ten fest­le­gen kön­nen. Der Bun­des­rat war nur zu Detail­re­ge­lun­gen ermäch­tigt, wenn in einer ange­mes­se­nen Frist kei­ne genü­gen­de Bran­chen­ver­ein­ba­rung vor­liegt.

In der Fol­ge haben Mit­glie­der des Ver­ban­des Schwei­ze­ri­scher Kre­dit­ban­ken und Finan­zie­rungs­in­sti­tu­te (VSKF), des Schwei­ze­ri­schen Lea­sing­ver­ban­des (SLV) und wei­te­re Insti­tu­te eine Kon­ven­ti­on betref­fend Wer­be­ein­schrän­kun­gen und Prä­ven­ti­on abge­schlos­sen, die am 1. Janu­ar 2016 in Kraft getre­ten ist. Der Bun­des­rat hat nun beschlos­sen, die­se Ver­ein­ba­rung als genü­gend zu betrach­ten. Er sieht daher kei­ne Ver­an­las­sung, die Defi­ni­ti­on aggres­si­ver Wer­bung im Kre­dit­ge­schäft gesetz­lich zu regeln.

Die Kon­ven­ti­on sieht zunächst fol­gen­de Grund­sät­ze für die Wer­bung (von Medi­um unab­hän­gig) vor:

a. Bei den Kon­su­men­ten soil nicht der Ein­druck erweckt wer­den, dass Kon­sum­kre­di­te beson­ders rasch und ohne Vor­nah­me einer detail­lier­ten Kre­dit­fä­hig­keits­prü­fung erhält­lich sei­en.
b. Jun­ge Erwach­se­ne (Per­so­nen, die unter 25 Jah­re alt sind) sol­len durch die Wer­bung für Pri­vat­kre­di­te nicht beson­ders ange­spro­chen wer­den.
c. Auf Wer­bung für die Auf­nah­me von Kon­sum­kre­di­ten mit Argu­men­ten, die offen­sicht­lich öko­no­misch nicht sinn­voll sind, ist zu ver­zich­ten.
d. Auf Wer­bung für die Auf­nah­me von Kon­sum­kre­di­ten zur Finan­zie­rung kurz­zei­ti­ger kost­spie­li­ger Frei­zeit­ak­ti­vi­tä­ten, Feste etc. ist zu ver­zich­ten.
e. Auf auf­dring­li­che Ver­teil­ak­tio­nen von Wer­be­mit­teln auf Stra­ssen und Plät­zen etc. ist zu ver­zich­ten. 

Die­se Grund­sät­ze wer­den in der Kon­ven­ti­on mit Bei­spie­len kon­kre­ti­siert. Die Kon­ven­ti­on sieht fer­ner Prä­ven­ti­ons­mass­nah­men und Mass­nah­men zur Durch­set­zung der Grund­sät­ze vor. Ins­be­son­de­re ver­pflich­ten sich die teil­neh­men­den Insti­tu­te, im Fal­le einer “fest­ge­stell­ten Miss­ach­tung” der Kon­ven­ti­on eine Kon­ven­tio­nal­stra­fe bis CHF 100’000 an den VSKF bzw. den SLV zu bezah­len (wobei die­se Fest­stel­lung wohl nicht nur durch Gerich­te, son­dern auch die schwei­ze­ri­sche Lau­ter­keits­kom­mis­si­on erfol­gen kann; ganz klar ist die Kon­ven­ti­on hier nicht). Eine Bus­se nach KKG 36b ist dar­auf aller­dings anzu­rech­nen.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.