Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil vom 26. Mai 2016 liess sich das BGer zur Zuläs­sig­keit der Ver­grö­sse­rung der Bau­zo­ne in der Gemein­de Orbe im Kan­ton Waadt ver­neh­men. Im Som­mer 2013 beschloss die Gemein­de Orbe eine Revi­si­on des Teil­zo­nen­plans “Tabornei­res-Ducats-Pas­son”. Dabei soll­te die Indu­strie­zo­ne zula­sten der Land­wirt­schafts­zo­ne um 42’000 m2 erwei­tert wer­den. Im Win­ter 2013 geneh­mig­te die kan­to­na­le Raum­pla­nungs- und Umwelt­schutz­be­hör­de die Revi­si­on des Zonen­plans und befrei­te die Gemein­de Orbe von der Pflicht, Bau­land als Kom­pen­sa­ti­ons­mass­nah­me aus­zu­zo­nen. Das Bun­des­amt für Raum­ent­wick­lung (ARE) zog den Ent­scheid bis vor BGer, wel­ches die Beschwer­de gut­heisst.

Aus­gangs­punkt ist Art. 38a Abs. 2 RPG (Raum­pla­nungs­ge­setz, SR 700), wel­cher besagt, dass bis zur Geneh­mi­gung der durch die Geset­zes­än­de­rung vom 15. Juni 2012 not­wen­dig gewor­de­nen Richt­plan­an­pas­sun­gen durch den Bun­des­rat die Flä­che der rechts­kräf­tig aus­ge­schie­de­nen Bau­zo­nen im betref­fen­den Kan­ton ins­ge­samt nicht ver­grö­ssert wer­den darf. Von die­sem Grund­satz darf nur unter den Vor­aus­set­zun­gen von Art. 52a Abs. 2 RPV (Raum­pla­nungs­ver­ord­nung, SR 700.1) abge­wi­chen wer­den. Zum einen muss kein Aus­gleich geschaf­fen wer­den, wenn Zonen für öffent­li­che Nut­zun­gen aus­ge­schie­den wer­den, in denen der Kan­ton sehr wich­ti­ge und drin­gen­de Infra­struk­tu­ren plant (lit. b). Zum ande­ren kann auf ein Aus­gleich ver­zich­tet wer­den, wenn ande­re Zonen von kan­to­na­ler Bedeu­tung geschaf­fen wer­den, die drin­gend not­wen­dig sind (lit. c).

Das BGer hält zunächst fest, dass die Aus­nah­men gemäss Art. 52a Abs. 2 RPV nur sehr restrik­tiv gehand­habt wer­den dürf­ten. Sodann führt es aus, dass die Ansied­lung von Unter­neh­men und die Schaf­fung von 450 Arbeits­plät­zen kei­ne Anwen­dungs­fäl­le von Art. 52a Abs. 2 lit. c RPV sei­en, wel­che eine Aus­nah­me von der Kom­pen­sa­ti­ons­pflicht recht­fer­tig­ten. Erstens hand­le es sich bei der Schaf­fung von Arbeits­plät­zen um ein gene­rel­les Inter­es­se, für wel­ches die Schaf­fung neu­er Bau­zo­nen nicht drin­gend not­wen­dig sei. Zwei­tens bestän­den für einen gro­ssen Teil der erwei­ter­ten Bau­zo­ne noch gar kei­ne kon­kre­ten Bau­pro­jek­te.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.