Das Bun­des­ge­richt äusser­te sich in die­sem Urteil erst­mals zur Fra­ge, nach wel­chen Ver­fah­rens­be­stim­mun­gen Aus­wei­sungs­be­geh­ren in miet­recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten beur­teilt wer­den müs­sen. Hin­ter­grund war die Wei­ge­rung einer Mie­te­rin, die Lie­gen­schaft wie münd­lich ver­ein­bart am 31. Dezem­ber 2012 zurück­zu­ge­ben, wor­auf­hin der Ver­mie­ter im März 2013 mit amt­li­chem For­mu­lar das Miet­ver­hält­nis auf den 1. Okto­ber 2013 kün­dig­te. Mit Kla­ge vom 2. Mai 2014 ersuch­te der Ver­mie­ter beim Rich­ter, die Mie­te­rin und deren Ver­tre­ter anzu­wei­sen, das Mietz­ob­jekt zurück­zu­ge­ben, bzw. — im Unter­las­sungs­fall — die zustän­di­ge Behör­de mit dem Zwangs­voll­zug anzu­wei­sen. Die Mie­te­rin bestritt die Gül­tig­keit der Kün­di­gung.

Das erst­in­stanz­li­che Gericht beur­teil­te das Aus­wei­sungs­be­geh­ren nach den Regeln des ver­ein­fach­ten Ver­fah­rens. Die Rechts­mit­tel­in­stanz schütz­te den Ent­scheid. Sie erwog, dass der Begriff “Kün­di­gungs­schutz” gemäss Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO breit aus­ge­legt wer­den müs­se.

Das Bun­des­ge­richt schloss sich die­ser Auf­fas­sung an, wel­che auch von einer Mehr­heit der Leh­re ver­tre­ten wird (Hin­wei­se in E. 2.2). Es wies dabei sowohl auf den Wort­laut der Bestim­mung (E. 2.5.1), die Syste­ma­tik (E. 2.5.2) sowie die Mate­ria­li­en (E. 2.5.3) hin. Es sei, so das Bun­des­ge­richt (E. 2.5.4), nicht gerecht­fer­tigt, Strei­tig­kei­ten über die Nich­tig­keit oder Unwirk­sam­keit von Kün­di­gun­gen anders zu regeln als Anfech­tun­gen von Kün­di­gun­gen (Art. 271 f. OR).

Der Begriff “Kün­di­gungs­schutz” gemäss Art. 243 Abs. 2 lit. c ZPO sei daher breit aus­zu­le­gen und erfas­se nicht nur die Anfech­tung einer Kün­di­gung oder die Erstreckung von Miet­ver­hält­nis­sen, son­dern eben­so Strei­tig­kei­ten, wel­che die Gül­tig­keit einer Kün­di­gung zum Gegen­stand haben. Sofern der Rich­ter die Gül­tig­keit in einem Aus­wei­sungs­ver­fah­ren prü­fen müs­se, habe dies nach den Regeln des ver­ein­fach­ten Ver­fah­rens zu erfol­gen (E. 2.5.4).

Martin Rauber

Posted by Martin Rauber

RA Dr. Martin Rauber, LL.M, arbeitet als Rechtsanwalt bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Zuvor wirkte er als juristischer Sekretär am Bezirksgericht Horgen, wo er heute als nebenamtlicher Ersatzrichter im Einsatz steht. Er studierte an der Universität Freiburg i.Ue., der Université Libre de Bruxelles sowie an der University of Edinburgh (LL.M. Commercial Law).