B. war bei der A. AG als Chief Ope­ra­ting Offi­cer (COO) ange­stellt. Nach rund 17 Mona­ten kün­dig­te B. den Arbeits­ver­trag ordent­lich. Einen Monat spä­ter kün­dig­te die B. AG frist­los.

B. hat­te in einer E-Mail an eine wich­ti­ge Ver­trags­part­ne­rin der A. AG in Bra­si­li­en einen Link auf einen Arti­kel geschickt, in dem es um den Vater des Prä­si­den­ten des Ver­wal­tungs­ra­tes der A. AG ging. Der Vater habe gemäss Arti­kel über Jah­re hin­weg Kunst­wer­ke mit frag­wür­di­gen Zuschrei­bun­gen ver­mit­telt. Nach dem Tod des Vaters habe sich her­aus­ge­stellt, dass die Kunst­wer­ke kei­ne Ori­gi­na­le, son­dern ledig­lich Kopi­en, Schü­ler- und Werk­statt­ar­bei­ten waren. Die E-Mail ent­hielt den Schluss­satz “for all your work, plea­se ensu­re all is on paper/contracted” (Urteil 4A_109/2016 vom 11. August 2016, E. 3.1).

Mit der Kla­ge­ant­wort schob die A. AG den Kün­di­gungs­grund nach, B. habe eine Fest­plat­te mit zahl­rei­chen wich­ti­gen Geschäfts­da­ten vom Pult eines Mit­ar­bei­ters ent­wen­det und kopiert (E. 3.2).

Das Bezirks­ge­richt Kreuz­lin­gen hiess die Kla­ge von B. teil­wei­se gut. Das Ober­ge­richt des Kan­tons Thur­gau wies die Beru­fung der A. AG ab. Die gegen die­sen Ent­scheid erho­be­ne Beschwer­de wies das Bun­des­ge­richt ab, soweit dar­auf ein­zu­tre­ten war.

Das Bun­des­ge­richt bestä­tig­te die vor­in­stanz­li­che Auf­fas­sung, wonach das Ver­sen­den der E-Mail allein nicht genüg­te, um die frist­lo­se Kün­di­gung zu recht­fer­ti­gen (E. 3.1 und 5.2). Der Kün­di­gungs­grund der ent­wen­de­ten Fest­plat­te konn­te nicht mehr nach­ge­scho­ben wer­den, da die­ser Umstand bei der Kün­di­gung zwar bekannt war, aber in der Kün­di­gungs­be­grün­dung nicht genannt wur­de (E. 5.1).

Das Bun­des­ge­richt hielt über­dies fest, dass nur Umstän­de als Kün­di­gungs­grün­de nach­ge­scho­ben wer­den kön­nen, die sich vor der frist­lo­sen Kün­di­gung abge­spielt haben und die im Zeit­punkt der frist­lo­sen Kün­di­gung weder bekannt waren noch bekannt sein konn­ten. Zu fra­gen sei in sol­chen Fäl­len, ob der Umstand zu einem Ver­trau­ens­bruch hät­te füh­ren kön­nen, wenn er der kün­di­gen­den Par­tei bekannt gewe­sen wäre. Ent­schei­dend sei, ob auf­grund des nach­ge­scho­be­nen Grun­des davon aus­zu­ge­hen ist, dass die gel­tend gemach­ten Grün­de ins­ge­samt einen hin­rei­chen­den Ver­trau­ens­ver­lust hät­ten bewir­ken kön­nen (zum Gan­zen E. 4.3).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).