Die B. AG (Beschwer­de­geg­ne­rin, Ver­si­che­rungs­mak­le­rin) ver­mit­tel­te der A. Stif­tung (Beschwer­de­füh­re­rin, Ver­si­che­rungs­neh­me­rin) in den letz­ten Mona­ten des Jah­res 2012 vier Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge für das Jahr 2013. Im Dezem­ber 2012 kün­dig­te die A. Stif­tung den Ver­si­che­rungs­mak­ler­ver­trag mit sofor­ti­ger Wir­kung, was sie im Janu­ar 2013 den Ver­si­che­rern mit­teil­te. Sämt­li­che Cour­ta­gen sei­en aus­schliess­lich an den neu­en Ver­si­che­rungs­mak­ler aus­zu­be­zah­len.

In der Fol­ge ver­such­te die B. AG erfolg­los, bei drei Ver­si­che­rern eine Cour­ta­ge erhält­lich zu machen. Der vier­te Ver­si­che­rer kün­dig­te an, die bereits bezahl­te Cour­ta­ge zurück­zu­for­dern. Die Ver­si­che­rer stell­ten sich auf den Stand­punkt, die Cour­ta­ge sei an den­je­ni­gen Mak­ler aus­zu­rich­ten, der bei Gel­tungs­be­ginn des Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges vom Ver­si­che­rungs­neh­mer mit dem Mak­ler­man­dat betraut sei.

Die B. AG klag­te dar­auf gegen die A. Stif­tung. Das Zivil­ge­richt des Kan­tons Basel-Stadt wies die Kla­ge ab. Das Appel­la­ti­ons­ge­richt des Kan­tons Basel-Stadt hiess dage­gen die Beru­fung gut und schütz­te die Kla­ge der B. AG. Das Bun­des­ge­richt wie­der­um hiess die Beschwer­de gut und wies die Kla­ge der B. AG ab (Urteil 4A_152/2016 vom 26. August 2016).

Das Bun­des­ge­richt ergriff die Gele­gen­heit und äusser­te sich aus­führ­lich zum Ent­schä­di­gungs­mo­dell für Ver­si­che­rungs­mak­ler. Im vor­lie­gen­den Fall war die Ver­mitt­lung von Brut­to­po­li­cen zu beur­tei­len. Bei die­sem Modell wird im Ver­si­che­rungs­mak­ler­ver­trag ver­ein­bart, die Ent­schä­di­gung des Ver­si­che­rungs­mak­lers erfol­ge über die Cour­ta­ge, die ihm der Ver­si­che­rer aus­rich­tet. Der Ver­si­che­rer rech­net die Cour­ta­ge in die offe­rier­te Ver­si­che­rungs­prä­mie mit ein, wodurch die Cour­ta­ge wirt­schaft­lich betrach­tet durch den Ver­si­che­rungs­neh­mer finan­ziert wird (E. 4.1.2).

Gemäss Bun­des­ge­richt konn­te die ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung nur so ver­stan­den wer­den, dass die B. AG auf eine direk­te Zah­lung sei­tens der A. Stif­tung ver­zich­te­te und sich dafür die Cour­ta­ge der Ver­si­che­rer aus­be­ding­te. Der B. AG stand des­halb kein ver­trag­li­cher Erfül­lungs­an­spruch auf Zah­lung der Cour­ta­ge gegen den Ver­si­che­rungs­mak­ler zu (E. 4.6.2 und 4.6.3).

Wei­ter unter­such­te das Bun­des­ge­richt die zeit­li­che Abgren­zung der Cour­ta­ge­an­sprü­che bei einem Wech­sel des Ver­si­che­rungs­mak­lers. Usanz­ge­mäss wird die Cour­ta­ge bei einem Mak­ler­wech­sel nicht pro rata tem­po­ris abge­rech­net. Der Anspruch auf die Cour­ta­ge ent­steht erst nach Beginn des Ver­si­che­rungs­mak­ler­ver­tra­ges mit der Fäl­lig­keit der Ver­si­che­rungs­prä­mie und damit zeit­lich ver­zö­gert zu den bis dahin erbrach­ten Mak­ler­lei­stun­gen. Die Ver­si­che­rer waren des­halb im Jahr 2013 nicht ver­pflich­tet, der B. AG eine Cour­ta­ge zu ent­rich­ten, obwohl sie die für die­ses Jahr abge­schlos­se­nen Ver­si­che­rungs­ver­trä­ge ver­mit­telt hat­te (E. 5.2).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).