Im vor­lie­gen­den, zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil hat­te das Bun­des­ge­richt zu ent­schei­den, ob das Betrei­bungs­amt für den Rück­zug einer Betrei­bung eine Gebühr ver­lan­gen darf. Dem Urteil lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de:

Die SVA Zürich hat­te beim BA Nie­der­has­li-Nie­der­glatt den Rück­zug der von ihr gegen A. ange­ho­be­nen Betrei­bun­gen erklärt und um Löschung der­sel­ben im Regi­ster ersucht. Das BA teil­te mit, dass dem Begeh­ren ent­spro­chen wor­den sei und ver­füg­te gestützt auf Art. 42 GebV SchKG eine Gebühr von CHF 5 für die „Pro­to­kol­lie­rung Abstel­lung“ (sowie wei­te­re Kosten, total CHF 18.30).

Gegen die­se Ver­fü­gung erhob die SVA Beschwer­de und bean­trag­te die Fest­stel­lung, dass die Pro­to­kol­lie­rung der Abstel­lung einer Betrei­bung kosten­frei sei. Wäh­rend die unte­re Auf­sichts­be­hör­de die Beschwer­de abwies, hiess die obe­re Auf­sichts­be­hör­de die Beschwer­de gut und hob die Ver­fü­gung des BA auf. Hier­ge­gen gelang­te das BA mit Beschwer­de in Zivil­sa­chen ans Bun­des­ge­richt.

Das Bun­des­ge­richt erwog zunächst (E. 3.2.), dass alle Ver­rich­tun­gen der Voll­streckungs­or­ga­ne der Kosten­pflicht unter­lie­gen, soweit das SchKG oder die GebV SchKG kei­ne Aus­nah­men vor­se­hen. Wel­che Kosten zu erhe­ben sei­en, bestim­me aus­schliess­lich die GebV SchKG; ande­re als in die­sem Erlass vor­ge­se­he­nen Gebüh­ren und Aus­la­gen sei­en nicht zuläs­sig.

Anschlie­ssend (E. 3.3. und 3.4.) prüf­te das Bun­des­ge­richt, ob und gege­be­nen­falls wel­che Kosten dem Gläu­bi­ger im Fal­le eines Betrei­bungs­rück­zugs auf­er­legt wer­den kön­nen. Zwar fin­de sich in der GebV SchKG kei­ne spe­zi­fi­sche Gebühr dafür. Hin­ge­gen sei für Tätig­kei­ten des Betrei­bungs­am­tes, wel­che in Art. 16–41 GebV SchKG nicht beson­ders tari­fiert sind, gemäss Art. 42 GebV SchKG eine Gebühr von CHF 5 zu erhe­ben; wer das Betrei­bungs­amt in Anspruch neh­me, habe für die dadurch ent­ste­hen­den Kosten auf­zu­kom­men. Von der Erhe­bung einer Gebühr sei nur abzu­se­hen, wenn die GebV SchKG für die kon­kre­te Ver­rich­tung des Betrei­bungs­am­tes eine Aus­nah­me vor­se­he.

Zur Pro­to­kol­lie­rung des Betrei­bungs­rück­zugs erwog das BGer (E. 3.5.):

„Die Pro­to­kol­lie­rung des Betrei­bungs­rück­zugs […] stellt eine Amts­hand­lung des Betrei­bungs­am­tes dar, für wel­che die GebV SchKG kei­ne tari­fier­te Gebühr ent­hält, gleich­zei­tig aber auch kei­ne Aus­nah­me von der Gebüh­ren­pflicht vor­sieht. Damit kann eine Gebüh­ren­pflicht ein­zig auf Art. 42 GebV SchKG abge­stützt wer­den. […] Wel­che Hin­ter­grün­de [für den Rück­zug der Betrei­bung] eine Rol­le spie­len könn­ten, ist für das Betrei­bungs­amt nicht von Inter­es­se.“ 

Das Bun­des­ge­richt ver­warf damit auch die Aus­le­gung der Vor­in­stanz, wonach der Gesetz­ge­ber die Til­gung von Schul­den habe beloh­nen wol­len und daher die Löschung einer Betrei­bung gebüh­ren­frei erfol­gen sol­le (E. 2.1. und E. 3.5.). Dar­an ver­mö­ge auch die Weg­lei­tung für den Bezug von Gebüh­ren der Betrei­bungs- und Gemeindeammann-/ Stadt­am­man­n­äm­ter des Kan­tons Zürich vom 27. Juli 2011, wel­che Gebüh­ren­frei­heit vor­sieht, nichts zu ändern, da die­se Weg­lei­tung kein objek­ti­ves Recht dar­stel­le und nur im Rah­men der GebV SchKG über­haupt Gel­tung bean­spru­chen könn­te (E. 3.6.).

Das Bun­des­ge­richt kam zum Schluss, dass die von der Vor­in­stanz ange­nom­me­ne Gebüh­ren­frei­heit für die Pro­to­kol­lie­rung eines Betrei­bungs­rück­zugs bun­des­rechts­wid­rig sei, und hiess die Beschwer­de des BA gut (E. 3.8.).

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.