Das BGer hat­te die straf­recht­li­che Mit­ver­ant­wor­tung eines in Deutsch­land ansäs­si­gen Dienst­lei­sters im Zusam­men­hang mit dem Ver­sand von For­mu­la­ren zur Kor­rek­tur angeb­lich bestehen­der Ein­trä­ge in soge­nann­ten “Bran­chen­bü­chern” (UWG 3 I lit. b und p) zu prü­fen. Das BGer hielt dabei fest, dass mit Bezug auf Hand­lun­gen nach dem Ver­sand der Ein­tra­gungs­vor­schlä­ge (Ver­sand von Rech­nun­gen und Mah­nun­gen; Abschluss von Ver­glei­chen) nicht in Fra­ge kam:

Vor­lie­gend sind sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le bereits mit dem Ver­sand der zur Dis­kus­si­on ste­hen­den Faxe ver­wirk­licht. Damit ist die Straf­tat nicht nur voll­endet, son­dern auch been­det. Nach der Been­di­gung ist die Mit­wir­kung eines Drit­ten nicht mehr mög­lich […]. Als die B. GmbH & Co. KG [die Hilfs­per­son] den Adres­sa­ten der Ein­tra­gungs­vor­schlä­ge Rech­nung stell­te, die­se mahn­te oder Ver­glei­che abschloss, waren die in Art. 23 Abs. 1 i.V.m. Art. 3 Abs. 1 lit. b und p UWG umschrie­be­nen Straf­ta­ten bereits been­det. Mit­tä­ter­schaft oder Gehil­fen­schaft waren zu die­sem Zeit­punkt nicht mehr mög­lich; der Beschwer­de­füh­rer hat sich durch die nach dem Ver­sand der Ein­tra­gungs­vor­schlä­ge erfolg­ten Rech­nun­gen, Mah­nun­gen und Ver­glei­che nicht straf­bar gemacht.

Dem­ge­gen­über war der Dienst­lei­ster wegen frü­he­rer Hand­lun­gen als Gehil­fe zu bestra­fen.

Die B. GmbH & Co. KG schloss den Dienst­lei­stungs­ver­trag mit der A. SRL ab, bevor die­se in den vier zur Ankla­ge gebrach­ten Fäl­len die Kor­rek­tur­ange­bo­te ver­sand­te. Die A. SRL konn­te somit auf die Unter­stüt­zung der B. GmbH & Co. KG bzw. des Beschwer­de­füh­rers zäh­len, um nach dem Ver­sand der For­mu­la­re ihre angeb­li­chen For­de­run­gen ein­zu­trei­ben. Der Beschwer­de­füh­rer för­der­te auf die­se Wei­se die Straf­tat der A. SRL, was als Gehil­fen­schaft im Sin­ne von Art. 25 StGB zu qua­li­fi­zie­ren ist. Mit­tä­ter­schaft ist indes zu ver­nei­nen, zumal der Beschwer­de­füh­rer — nach den für das Bun­des­ge­richt ver­bind­li­chen Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz (Art. 105 Abs. 1 BGG) — mit der Erstel­lung und dem Ver­sand der For­mu­la­re nichts zu tun hat­te (Urteil, S. 14). 

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.