Im Urteil vom 24. August 2016 äusser­te sich das BGer zum ersten Mal zur Fra­ge, ob gegen Neu­ein­zo­nun­gen die Ver­bands­be­schwer­de nach Art. 12 NHG (Bun­des­ge­setz über den Natur- und Hei­mat­schutz; SR 451) offen­steht. Im Janu­ar 2014 beschlos­sen die Stimm­be­rech­tig­ten der Gemein­de Adli­gen­s­wil die Gesamt­re­vi­si­on der Orts­pla­nung. Die Revi­si­on wur­de vom Regie­rungs­rat des Kan­tons Luzern im März 2014 geneh­migt. Gleich­zei­tig wur­de die von der Stif­tung Land­schafts­schutz Schweiz (im Fol­gen­den SL) erho­be­ne Ver­wal­tungs­be­schwer­de abge­wie­sen. Das Kan­tons­ge­richt Luzern wie­der­um sprach der SL für die mei­sten Ein­zo­nun­gen die Beschwer­de­le­gi­ti­ma­ti­on ab, weil es sich nicht um eine Bun­des­auf­ga­be i.S.v. Art. 2 NHG hand­le. Das BGer heisst die Beschwer­de der SL gut und weist die Sache zur Neu­be­ur­tei­lung an den Regie­rungs­rat des Kan­tons Luzern zurück.

Zur Beschwer­de­le­gi­ti­ma­ti­on bringt die SL vor, dass Art. 38a Abs. 2 RPG (Raum­pla­nungs­ge­setz; SR 700) eine Bun­des­auf­ga­be i.S.v. Art. 78 Abs. 2 BV und Art. 2 NHG nor­mie­re, wes­halb das Ver­bands­be­schwer­de­recht nach Art. 12 NHG offen­ste­he. Das BGer hält fest, dass die Flä­che der rechts­kräf­tig aus­ge­schie­de­nen Bau­zo­nen im Kan­ton gemäss Art. 38a RPG nicht ver­grö­ssert wer­den dür­fe, bis der Kan­ton die Richt­plä­ne an das revi­dier­te Raum­pla­nungs­ge­setz ange­passt habe. Zu prü­fen sei des­halb, ob die neu­en Bestim­mun­gen zur Begren­zung des Sied­lungs­ge­biets, nament­lich revArt. 15 RPG, eine Bun­des­auf­ga­be begrün­de­ten. Zur Bedeu­tung des revArt. 15 RPG sagt das BGer fol­gen­des:

Es han­delt sich bei revArt. 15 RPG um eine für die Tren­nung von Bau- und Nicht­bau­land zen­tra­le, direkt anwend­ba­re und abschlie­ssen­de Bestim­mung des Bun­des­rechts. Der für die Ver­bands­be­schwer­de nach Art. 12 NHG not­wen­di­ge Bezug zu Natur- und Hei­mat­schutz wird durch die Ziel­set­zung des revArt. 15 RPG her­ge­stellt, die Zer­sied­lung der Land­schaft und den Ver­lust an Kul­tur­land zu stop­pen. Es genügt des­halb, wenn ein gesamt­schwei­ze­ri­scher Ver­band (wie hier die SL) im Inter­es­se des Land­schafts- und Natur­schut­zes Beschwer­de führt. Nicht erfor­der­lich ist, dass die Neu­ein­zo­nung ein Natur- oder Hei­mat­schutz­ob­jekt von regio­na­ler oder gar von natio­na­ler Bedeu­tung betrifft […] (E. 2.5.).

In Bezug auf die Anwend­bar­keit von Art. 38a Abs. 2 RPG auf das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren (Geneh­mi­gung der Zonen­plan­re­vi­si­on durch den Regie­rungs­rat vor Inkraft­tre­ten des revi­dier­ten RPG) hält das BGer fest, dass die Bestim­mung grund­sätz­lich auf alle Ein­zo­nun­gen Anwen­dung fin­de, die vor dem 1. Mai 2014 noch nicht rechts­kräf­tig gewe­sen sei­en. Da in casu kei­ne Aus­nah­men i.S.v. Art. 52a Abs. 1 RPV (Raum­pla­nungs­ver­ord­nung; SR 700.1) vor­lä­gen, hät­te Art. 38a Abs. 2 RPG ange­wen­det wer­den müs­sen.

Die vom Kan­tons­ge­richt Luzern bestä­tig­te Zonen­plan­re­vi­si­on füh­re gemäss BGer zu einer Ver­grö­sse­rung der Bau­zo­nen des Kan­tons Luzern, die im Wider­spruch zu Art. 38a Abs. 2 RPG stän­de. Da der revi­dier­te Richt­plan des Kan­tons Luzern mitt­ler­wei­le geneh­migt wur­de, weist das BGer die Sache an den Regie­rungs­rat zurück, wel­cher die strei­ti­gen Ein­zo­nun­gen unter Berück­sich­ti­gung der Ein­wän­de der SL zu prü­fen hat.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.