Im Urteil vom 15. Sep­tem­ber 2016 äusser­te sich das BGer zur Zuläs­sig­keit der Erhö­hung der CO2-Abga­be auf Fr. 60.– pro Ton­ne CO2. Anlass für das Urteil war eine Steu­er­an­mel­dung / Ver­an­la­gungs­ver­fü­gung der Ober­zoll­di­rek­ti­on aus dem Jahr 2014. Adres­sa­tin der Ver­an­la­gungs­ver­fü­gung war die X. AG, wel­che als nach dem Mine­ral­öl­steu­er­ge­setz steu­er­pflich­ti­ge Per­son auch die CO2-Abga­be zu ent­rich­ten hat. Die X. AG erhob gegen die Ver­an­la­gungs­ver­fü­gung Ein­spra­che und bean­trag­te die Auf­he­bung der Ver­fü­gung, soweit sie auf dem per 1. Janu­ar 2014 in Kraft getre­te­nen erhöh­ten Abga­be­satz von Fr. 60.– pro Ton­ne CO2 beru­he. Sowohl die Ober­zoll­di­rek­ti­on als auch das BVGer wie­sen die Ein­spra­che bzw. Beschwer­de ab. Das BGer stützt den Ent­scheid der Vor­in­stanz.

Die X. AG bringt ins­be­son­de­re vor, dass die CO2-Sta­ti­stik vom 3. Juli 2013 kei­ne genü­gen­de Grund­la­ge dar­stel­le, um zu bele­gen, dass die Ziel­vor­ga­be in Art. 94 Abs. 1 lit. a der Ver­ord­nung über die Reduk­ti­on der CO2-Emis­sio­nen (CO2-Ver­ord­nung; SR 641.711) als nicht erreicht gilt und der Abga­be­satz der CO2-Abga­be auf Fr. 60.– je Ton­ne CO2 erhöht wer­den darf. Zum Beweis­wert einer Sta­ti­stik sagt das BGer fol­gen­des:

Eine Sta­ti­stik ist nie “rich­tig” oder “falsch”, son­dern abhän­gig von der Grund­da­ten­men­ge und den ange­wen­de­ten Metho­den. Mit­tels Sta­ti­stik kann kein eigent­li­cher Beweis erbracht wer­den (E. 2.5.3.1 des ange­foch­te­nen Ent­scheids). Damit kann aller­dings nur ein mathe­ma­ti­scher Beweis gemeint sein, wel­cher abso­lu­ter Gewiss­heit bedarf. Recht­lich ist hin­ge­gen ein Beweis erbracht, wenn das Gericht gestützt auf die Beweis­wür­di­gung nach objek­ti­ven Gesichts­punk­ten zur Über­zeu­gung gelangt, dass sich der rechts­er­heb­li­che Sach­um­stand ver­wirk­licht hat. Abso­lu­te Gewiss­heit kann dabei nicht ver­langt wer­den. Es reicht aus, wenn das Gericht am Vor­lie­gen der behaup­te­ten Tat­sa­chen kei­ne ernst­haf­ten Zwei­fel mehr hat oder even­tu­ell ver­blei­ben­de Zwei­fel als leicht erschei­nen […]. Somit ist es grund­sätz­lich mög­lich, einen recht­li­chen Beweis anhand von Sta­ti­sti­ken zu erbrin­gen, auch wenn mit ihnen gewis­se Unsi­cher­hei­ten ver­bun­den sind (E. 5.1.).

Da es der X. AG — so das BGer — nicht gelun­gen sei, die in der CO2-Sta­ti­stik aus­ge­wie­se­nen Wer­te ernst­haft in Zwei­fel zu zie­hen, ste­he fest, dass der in Art. 94 Abs. 1 lit. a CO2-Ver­ord­nung vor­ge­ge­be­ne Ziel­wert ver­fehlt wor­den und die Erhö­hung der CO2-Abga­be somit zwin­gend sei.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.