Die A. AG (Beklag­te, Beschwer­de­füh­re­rin) ver­pflich­te­te sich mit Total­un­ter­neh­mer­ver­trag gegen­über der R. AG zur Pla­nung, Erstel­lung und Über­ga­be von Woh­nun­gen auf drei Grund­stücken. Im Total­un­ter­neh­mer­ver­trag war fest­ge­hal­ten, in erster Instanz sei aus­schliess­lich das Han­dels­ge­richt des Kan­tons Zürich zustän­dig.

Die R. AG begrün­de­te an den drei Grund­stücken Stock­werk­ei­gen­tum und ver­kauf­te die Stock­werk­ein­hei­ten. In den Kauf­ver­trä­gen trat die R. AG ihre Män­gel­rech­te und Garan­tie­an­sprü­che gegen die Beklag­te an die Käu­fer­schaft ab, wobei aber die Garan­tie­an­sprü­che bezüg­lich der gemein­schaft­li­chen Tei­le an die Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft erfolg­te (Urteil 4A_242/2016 vom 5. Okto­ber 2016, E. 3.5).

Spä­ter wur­den Män­gel an den Fas­sa­den aller drei Häu­ser gerügt, die auch durch Nach­bes­se­rungs­ar­bei­ten nicht beho­ben wor­den sei­en. Beim Bezirks­ge­richt Zürich wur­de Kla­ge ein­ge­reicht. In der Kla­ge­schrift waren als “Klä­ger­schaft” die “Stock­werk­ei­gen­tü­mer­schaf­ten U., V.” und anschlie­ssend sieb­zehn natür­li­che Per­so­nen mit Vor- und Nach­na­men bezeich­net. Das Bezirks­ge­richt Zürich trat auf die Kla­ge nicht ein, da das Han­dels­ge­richt sach­lich zustän­dig sei. Der Beschluss führ­te als “Klä­ge­rin” die “Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft U., V.” auf.

Die kla­gen­de Par­tei reich­te dar­auf unter der­sel­ben Par­tei­be­zeich­nung wie in der ersten Kla­ge­schrift eine Kla­ge beim Han­dels­ge­richt des Kan­tons Zürich ein und erhob ande­rer­seits Beru­fung gegen den Beschluss des Bezirks­ge­richts Zürich, mit dem auf die erste Kla­ge nicht ein­ge­tre­ten wor­den war.

Das Han­dels­ge­richt Zürich trat auf die Kla­ge nicht ein, weil es das Bezirks­ge­richt Zürich als sach­lich zustän­dig erach­te­te. Das Ober­ge­richt änder­te sein Rubrum und nann­te anstel­le der “Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft U., V.” die ein­zel­nen Stock­werk­ei­gen­tü­mer. Es hiess die Beru­fung gut und erkann­te, dass das Bezirks­ge­richt Zürich für die Kla­ge sach­lich zustän­dig sei.

Die Beklag­te erhob Beschwer­de ans Bun­des­ge­richt und bean­trag­te, das Urteil des Ober­ge­richts Zürich sei kosten­fäl­lig auf­zu­he­ben. Das Bun­des­ge­richt wies die Beschwer­de ab.

Das Bun­des­ge­richt hat­te zu ent­schei­den, ob mit dem ober­ge­richt­li­chen Ent­scheid gegen Art. 6 Abs. 3 ZPO ver­sto­ssen wor­den war (E. 2.3). Nach die­ser Vor­schrift steht der kla­gen­den Par­tei die Wahl zwi­schen dem Han­dels­ge­richt und dem ordent­li­chen Gericht zu, wenn nur die Beklag­te im Han­dels­re­gi­ster oder in einem ver­gleich­ba­ren aus­län­di­schen Regi­ster ein­ge­tra­gen ist und die übri­gen Vor­aus­set­zun­gen für ein Ver­fah­ren vor Han­dels­ge­richt erfüllt sind.

Das Bun­des­ge­richt ver­nein­te eine Ver­let­zung von Art. 6 Abs. 3 ZPO und hielt im Wesent­li­chen fest, dass das Wahl­recht ein­sei­tig sei. Das Wahl­recht bestehe nur für die kla­gen­de Par­tei, die nicht im Han­dels­re­gi­ster ein­ge­tra­gen ist. Eine vor­gän­gi­ge Zustän­dig­keits­ver­ein­ba­rung sei nicht zuläs­sig, da sonst die kla­gen­de Par­tei, die nicht im Han­dels­ge­richt ein­ge­tra­gen ist, ihres Vor­teils wie­der beraubt wer­den könn­te, den ihr der Gesetz­ge­ber ein­räu­men woll­te. Dies wer­de im vor­lie­gen­den Fall beson­ders deut­lich, da die Zustän­dig­keits­ver­ein­ba­rung nicht ein­mal sel­ber von der kla­gen­den Par­tei ver­ein­bart wor­den sei, son­dern zwi­schen der Beklag­ten und der R. AG. Im Übri­gen sei­en ins­be­son­de­re auch die Gerichts­stän­de für Kla­gen aus Kon­su­men­ten­ver­trä­gen teil­zwin­gend (Art. 32 und 35 Abs. 1 lit. a ZPO). Gemäss Bun­des­ge­richt sei somit eine vor­gän­gi­ge Ver­ein­ba­rung über die sach­li­che Zustän­dig­keit auch im Anwen­dungs­be­reich von Art. 6 Abs. 3 ZPO unzu­läs­sig (zum Gan­zen E. 2.4).

Wei­ter stell­te das Bun­des­ge­richt fest, dass zur Iden­ti­fi­ka­ti­on einer Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft regel­mä­ssig die Anga­be ihres Namens und ihrer Adres­se genü­gen, auch wenn viel­fach deren Name und die For­mu­lie­rung “bestehend aus […]” ver­wen­det wird, um die Gemein­schaft durch Bekannt­ga­be ihrer Mit­glie­der noch näher zu umschrei­ben (E. 3.5). Für natür­li­che Per­so­nen genü­gen gemäss Bun­des­ge­richt regel­mä­ssig die Anga­be von Namen, Vor­na­me und Adres­se (E. 3.4).

Im vor­lie­gen­den Fall scha­de­te der kla­gen­den Par­tei nicht, dass sie sich als “Stock­werk­ei­gen­tü­mer­schaft” und nicht als Stock­werk­ei­gen­tü­mergemeinschaft bezeich­ne­te, obwohl im Gesetz nur der zwei­te Begriff Ver­wen­dung fin­det. Da kei­ne Gefahr einer Ver­wechs­lung bestand, konn­te die unkla­re Par­tei­be­zeich­nung von Amtes wegen berich­tigt wer­den (E. 3.5).

Wei­ter muss­te ent­schie­den wer­den, ob die kla­gen­de Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft par­tei- und pro­zess­fä­hig war. Das Bun­des­ge­richt bejah­te die Par­tei- und Pro­zess­fä­hig­keit der Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft und gestand ihr das Wahl­recht nach Art. 6 Abs. 3 ZPO zu, da sie nicht im Han­dels­re­gi­ster ein­ge­tra­gen war (E. 4 und 5).

Das Bun­des­ge­richt erkann­te ins­be­son­de­re, dass die Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft in gewis­ser Hin­sicht ver­selb­stän­digt ist, obwohl ihr kei­ne Rechts­per­sön­lich­keit zukommt. Sie ist nament­lich im Rah­men ihrer Ver­wal­tungs­tä­tig­keit zivil­recht­lich hand­lungs­fä­hig und kann pro­zes­su­al und voll­streckungs­recht­lich unter ihrem Namen kla­gen und Betrei­bun­gen ein­lei­ten sowie beklagt und betrie­ben wer­den. Ihr Gemein­schafts­ver­mö­gen ist als Son­der­ver­mö­gen im Rechts­ver­kehr ver­selb­stän­digt, obwohl es im Mit­ei­gen­tum der ein­zel­nen Stock­werk­ei­gen­tü­mer steht. Nicht zum Son­der­ver­mö­gen gehört aller­dings die Lie­gen­schaft, da sie nicht der Ver­wal­tung dient. Will die Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft in eige­nem Namen kla­gen, ist nebst der pro­zes­su­al erfor­der­li­chen Pro­zess­fä­hig­keit in mate­ri­el­ler Hin­sicht ihre Sach- bzw. Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on erfor­der­lich, d.h. ihre Rechts­zu­stän­dig­keit für den betref­fen­den Streit­ge­gen­stand (vgl. zum Gan­zen E. 5).

Da die kan­to­na­len Gerich­te die Fra­ge, inwie­weit der Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft vor­lie­gend die Par­tei- und Pro­zess­fä­hig­keit zukommt, nicht beur­teilt hat­ten, war die Sache ans Bezirks­ge­richt zurück­zu­wei­sen. Somit blieb es beim ober­ge­richt­li­chen Rück­wei­sungs­ent­scheid, wes­halb die Beschwer­de abzu­wei­sen war (zum Gan­zen E. 5).

Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).