Im Ent­scheid 4A_83/2016 hat­te das Bun­des­ge­richt die Gele­gen­heit, sich zur Fra­ge der Daten­lie­fe­rung unter dem US-Steu­er­pro­gramm zu äussern. 

Zum Hin­ter­grund: Beklag­te und Beschwer­de­füh­re­rin war eine Tes­si­ner Bank, die zur Bei­le­gung des Steu­er­streits mit den USA am US-Steu­er­pro­gramm teil­nimmt. Die Bank beab­sich­tig­te, in die­sem Zusam­men­hang Daten zwei­er Schwei­zer Anwäl­te sowie einer Anwalts­kanz­lei an die ame­ri­ka­ni­schen Behör­den her­aus­zu­ge­ben.

Das Han­dels­ge­richt Zürich hiess die Kla­ge der bei­den Anwäl­te und der Kanz­lei gestützt auf das Daten­schutz­ge­setz gut und ver­bot der Bank, die Daten an die US-Behör­den zu über­mit­teln.

Das Bun­des­ge­richt wies die von der Bank erho­be­ne Beschwer­de in den mass­geb­li­chen Punk­ten ab: 

Zunächst hielt das Bun­des­ge­richt fest, die beab­sich­tig­te Daten­her­aus­ga­be stel­le grund­sätz­lich eine Ver­let­zung der Per­sön­lich­keit der Anwäl­te bzw. der Kanz­lei dar, weil die USA über kei­ne Gesetz­ge­bung ver­fü­gen, die i.S.v. Art. 6 Abs. 1 DSG einen ange­mes­se­nen Daten­schutz gewähr­lei­stet.

Danach prüf­te das Bun­des­ge­richt den Recht­fer­ti­gungs­grund des über­wie­gen­den öffent­li­chen Inter­es­ses (Art. 6 Abs. 2 DSG), vor allem die Fra­ge, ob die Daten­her­aus­ga­be zur Wah­rung über­wie­gen­der öffent­li­cher Inter­es­sen “uner­läss­lich” (= not­wen­dig) ist: 

Uner­läss­lich ist die streit­ge­gen­ständ­li­che Daten­lie­fe­rung, wenn ohne sie davon aus­zu­ge­hen wäre, dass der Steu­er­streit mit den USA erneut eska­liert und damit ins­ge­samt der schwei­ze­ri­sche Finanz­platz in Mit­lei­den­schaft gezo­gen wird sowie der Ruf der Schweiz als zuver­läs­si­ge Ver­hand­lungs­part­ne­rin beein­träch­tigt wür­de.” (E. 3.3.4)

Das Bun­des­ge­richt erwog dabei, dass es (i) auf den jewei­li­gen Ein­zel­fall ankom­me und (ii) sich die tat­säch­li­che Situa­ti­on im Lau­fe des Ver­fah­rens ändern kön­ne, wobei es auf die Ver­hält­nis­se im Urteils­zeit­punkt ankom­me. Die Beschwer­de­füh­re­rin (Bank) habe nicht pro­zess­ge­nüg­lich dar­ge­legt, dass die Daten­her­aus­ga­be im heu­ti­gen Zeit­punkt zur Wah­rung öffent­li­cher Inter­es­sen not­wen­dig sei (E. 3.3.4). Das Bun­des­ge­richt schütz­te im Ergeb­nis den Ent­scheid des Han­dels­ge­richts, d.h. das an die Bank gerich­te­te Ver­bot, Daten an die US-Behör­den her­aus­zu­ge­ben.

Claudio Kerber

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RA lic.iur. Claudio Kerber arbeitet als Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Werder Viganò AG. Er ist Ko-Autor von Lehrwerken zum Wertpapierrecht (2005) und Finanzmarktrecht (2015).