Im Ver­fah­ren 1C_346/2014 bot sich dem BGer die Gele­gen­heit, sich zur Zuläs­sig­keit der geplan­ten Wind­park­zo­ne Schwy­berg zu äussern. Die Schwy­berg Ener­gie AG will auf dem Schwy­berg im Kan­ton Frei­burg neun Wind­ener­gie­an­la­gen des Typs Ener­con W-82 (Turm­fuss­brei­te: 7,5 m; Höhe: 140 m; instal­lier­te Lei­stung: 2 MW) errich­ten. Im Hin­blick auf den Bau des Wind­parks schie­den die Gemein­den Plaffei­en und Plas­selb eine Spe­zi­al­zo­ne aus. Gegen die Zonen­plan­än­de­rung erho­ben meh­re­re Umwelt­schutz­or­ga­ni­sa­tio­nen (Moun­tain Wil­der­ness Schweiz, Pro Natu­ra, Stif­tung Land­schafts­schutz Schweiz, Bird­Life Schweiz) Ein­spra­che und anschlie­ssend Beschwer­de. Im Gegen­satz zum Kan­tons­ge­richt Frei­burg heisst das BGer die Beschwer­de gut.

Die Beschwer­de­füh­re­rin­nen rügen zunächst, dass der Kan­ton Frei­burg bei sei­ner Pla­nung nicht mit den Nach­bar­kan­to­nen Waadt und Bern zusam­men­ge­ar­bei­tet habe und die Stand­ort­wahl, die dem Wind­park zugrun­de lie­ge, man­gel­haft sei. Zur Richt­plan­pflicht sagt das BGer fol­gen­des:

Der Wind­park Schwy­berg bedarf ange­sichts sei­ner Aus­deh­nung von fast 4 km, der Dimen­sio­nen der ein­zel­nen Wind­ener­gie­an­la­gen, der erheb­li­chen Abwei­chung von der Grund­ord­nung (Land- und Forst­wirt­schaft), der Situ­ie­rung in einem Regio­na­len Natur­park, der Not­wen­dig­keit von Rodun­gen und dem Bau von Erschlie­ssungs­stra­ssen einer Grund­la­ge im Richt­plan (E. 2.5.).

Der Kan­ton Frei­burg habe — so das BGer — im Rah­men sei­ner Richt­pla­nung Alter­na­tiv­stand­or­te geprüft und dafür Kri­te­ri­en defi­niert. Er habe jedoch nicht auf­ge­zeigt, in wel­chem Zusam­men­hang die Stand­ort­wahl zu die­sen Kri­te­ri­en ste­he. Auch eine Zusam­men­ar­beit mit dem Nach­bar­kan­ton Bern habe nicht statt­ge­fun­den. Bereits aus die­sen Grün­den kön­ne gesagt wer­den, dass eine genü­gen­de Grund­la­ge im Richt­plan für das vor­lie­gend zu beur­tei­len­de Gross­pro­jekt nicht vor­han­den sei. Die Spe­zi­al­zo­ne Wind­park Schwy­berg hät­te unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen nicht geneh­migt wer­den dür­fen.

Neben der feh­len­den Grund­la­ge im Richt­plan ver­let­ze die vom Kan­tons­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Inter­es­sen­ab­wä­gung Bun­des­recht. Zum einen set­ze sich das Kan­tons­ge­richt nicht mit Alter­na­tiv­stand­or­ten aus­ein­an­der. Indes­sen sei auf­grund der man­gel­haf­ten Richt­pla­nung nicht nach­voll­zieh­bar, wie­so der Stand­ort Schwy­berg im Ver­gleich zu ande­ren Stand­or­ten zu bevor­zu­gen sei. Zum ande­ren hand­le es sich beim Schwy­berg um ein kul­tur­land­schaft­lich beson­ders wert­vol­les Gebiet. Der Bau des Wind­parks wür­de in sei­ner Art einen Erst­ein­griff dar­stel­len, da die Wind­ener­gie­an­la­gen im Ver­gleich zu den bis­her übli­chen Anla­gen (Ski­lif­te, Anten­nen u.ä.) deut­lich grö­sse­re Dimen­sio­nen auf­wei­sen wür­den. Dies wäre im Rah­men der gesamt­haf­ten Inter­es­sen­ab­wä­gung eben­falls zu berück­sich­ti­gen gewe­sen. Schliess­lich sei­en die von den kan­to­na­len Behör­den ange­ord­ne­ten Schutz-, Wie­der­her­stel­lungs- und Ersatz­mass­nah­men in Bezug auf die Lebens­räu­me von Brut- und Zug­vö­geln sowie Fle­der­mäu­sen teil­wei­se unge­nü­gend.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.