Im Urteil vom 18. Okto­ber 2016 nimmt das BGer Stel­lung zum Gesuch des Ver­eins “al Huda” zur Füh­rung einer Pri­vat­schu­le mit Kin­der­gar­ten­stu­fe in Vol­kets­wil. Nach­dem das Volks­schul­amt des Kan­tons Zürich das Gesuch abwies, gelang­te der Ver­ein “al Huda” bis vor BGer, wel­ches die Beschwer­de eben­falls abweist.

Das BGer legt zuerst aus­führ­lich den bil­dungs­recht­li­chen Rah­men des Bun­des und des Kan­tons Zürich dar (E. 3.1. — 3.5.) und befasst sich anschlie­ssend mit der Rüge des Ver­eins “al Huda”, wonach der Ent­scheid des Volks­schul­amts des Kan­tons Zürich das Recht auf Grün­dung und Orga­ni­sa­ti­on pri­va­ter Bil­dungs­stät­ten (Art. 15 Ver­fas­sung des Kan­tons Zürich; Ord­nungs­num­mer 101) ver­let­ze. Dabei sei — so das BGer — die Auf­fas­sung der kan­to­na­len Vor­in­stan­zen nicht zu bean­stan­den. Die­se haben ins­be­son­de­re fest­ge­hal­ten, dass die mit dem Unter­richt betrau­ten Per­so­nen nicht über einen aner­kann­ten päd­ago­gi­schen Aus­weis ver­fü­gen und ein auf Ara­bisch- und Koran­un­ter­richt ent­fal­len­der Anteil von 25% des Stel­len­etats die Errei­chung der Bil­dungs­zie­le der Volks­schu­le und des Lern­plans gefähr­den. Ins­ge­samt bie­tet das Kin­der­gar­ten­kon­zept des Ver­eins “al Huda” laut kan­to­na­len Vor­in­stan­zen kei­ne Gewähr dafür, dass die zu unter­rich­ten­den Kin­der in einer mit der Volks­schu­le ver­gleich­ba­ren Wei­se im ihrer Lei­stung, Per­sön­lich­keits­bil­dung sowie kör­per­li­chen und see­li­schen Ent­wick­lung geför­dert wer­den.


Zur Rüge des Ver­eins “al Huda”, wonach der Ent­scheid des Volks­schul­amts des Kan­tons Zürich die Glau­bens- und Gewis­sens­frei­heit (Art. 15 BV und Art. 9 EMRK) ver­let­ze, hält das BGer fest, dass eine dem ver­fas­sungs­mä­ssi­gen Neu­tra­li­täts­ge­bot wider­spre­chen­de Aus­le­gung des Volks­schul­ge­set­zes (VSG; Ord­nungs­num­mer 412.100) nicht ersicht­lich sei. Die Ver­wei­ge­rung der Bewil­li­gung sei nicht auf­grund der kon­kre­ten Glau­bens­rich­tung des Ver­eins “al Huda” erfolgt, son­dern weil die­ser nicht habe nach­wei­sen kön­nen, dass er die — kon­fes­sio­nell neu­tral gehal­te­nen — Vor­aus­set­zun­gen zur Füh­rung einer Pri­vat­schu­le erfüllt und die reli­giö­se Schwer­punkt­set­zung von ihrem Gewicht her mit den ande­ren, eben­falls kon­fes­sio­nell neu­tra­len Bil­dungs­zie­len nicht ver­ein­bar sei.

Schliess­lich erkennt das BGer auch kei­ne unzu­läs­si­ge Iden­ti­fi­zie­rung des Kan­tons Zürich mit dem Chri­sten­tum und weist des­halb die Rüge der Ver­let­zung der Rechts­gleich­heit (Art. 8 Abs. 1 BV) und des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots (Art. 8 Abs. 2 BV) ab.

Fabian Klaber

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Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.