Im zur amt­li­chen Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­nen Urteil vom 17. Okto­ber 2016 äusser­te sich das BGer zum ersten Mal zur kosten­lo­sen Zutei­lung vom Emis­si­ons­rech­ten. Die X. AG pro­du­ziert Dämm­pro­duk­te aus Stein­wol­le und wur­de vom Bun­des­amt für Umwelt (BAFU) zur Teil­nah­me am Emis­si­ons­han­dels­sy­stem (EHS) ver­pflich­tet. Gleich­zei­tig ver­füg­te das BAFU, dass die X. AG jähr­lich Emis­si­ons­rech­te und Emis­si­ons­min­de­rungs­zer­ti­fi­ka­te für das Treib­haus­gas Koh­len­di­oxid (CO2) abge­ben muss. Für die Jah­re 2015 bis 2020 teil­te das BAFU der X. AG kosten­lo­se Emis­si­ons­rech­te zu.   Die Ver­fü­gung über die Zutei­lung der kosten­lo­sen Emis­si­ons­rech­te zog die X. AG bis vor BGer, wel­ches die Beschwer­de abweist.

Umstrit­ten ist die Men­ge der Emis­si­ons­rech­te, auf deren kosten­lo­se Zutei­lung die X. AG für die Jah­re 2015 bis 2020 Anspruch hat. Das BAFU nahm die Zutei­lung gestützt auf Art. 46 Abs. 1 i.V.m. Ziff. 4 Anhang 9 der CO2-Ver­ord­nung (Ver­ord­nung über die Reduk­ti­on der CO2-Emis­sio­nen; SR 641.711) vor. Das BGer hält vor­ab fest, dass sich der Bun­des­rat mit Erlass der CO2-Ver­ord­nung an die ihm vom Gesetz­ge­ber erteil­ten Recht­set­zungs­be­fug­nis­se gehal­ten habe.

Die X. AG rügt zunächst, dass das abga­be­recht­li­che Lega­li­täts­prin­zip (Art. 127 Abs. 1 und Art. 164 Abs. 1 lit. d BV) ver­letzt wor­den sei und geht in die­sem Zusam­men­hang davon aus, dass das Emis­si­ons­han­dels­sy­stem dem Abga­be­recht zuzu­ord­nen sei. Das BGer lässt die­se Fra­ge indes­sen unbe­ant­wor­tet, da das CO2-Gesetz (Bun­des­ge­setz über die Reduk­ti­on der CO2-Emis­sio­nen; SR 641.71) den Kreis jener Per­so­nen defi­nie­re, die zur Teil­nah­me am Emis­si­ons­han­dels­sy­stem ver­pflich­tet sei­en. Zudem reg­le das CO2-Gesetz den Inhalt der mit dem Ein­be­zug in das Emis­si­ons­han­dels­sy­stem ver­bun­de­nen Pflicht (Abga­be von Emis­si­ons­rech­ten und Emis­si­ons­min­de­rungs­zer­ti­fi­ka­ten an den Bund). Schliess­lich erge­be sich der Mass­stab für die kosten­lo­se Zutei­lung von Emis­si­ons­rech­ten aus der Treib­haus­gas­ef­fi­zi­enz des Betriebs.

Die X. AG rügt wei­ter, dass es dem Ver­ur­sa­cher­prin­zip (Art. 74 Abs. 2 BV) und dem Ziel eines spar­sa­men und ratio­nel­len Ener­gie­ver­brauchs (Art. 89 Abs. 1 und 2 BV) wider­spre­che, wenn der beson­de­re Anpas­sungs­fak­tor für indi­rek­te Emis­sio­nen aus ver­wen­de­tem Strom basie­rend auf dem Emis­si­ons­wert des euro­päi­schen Strom­mi­xes von 0,465 Ton­nen CO2 pro MWh berech­net wer­de, denn der von der X. AG ver­wen­de­te Strom habe einen Emis­si­ons­wert von ledig­lich 0,01345 Ton­nen. Das BGer teilt jedoch die Auf­fas­sung des BAFU, wonach es sich beim beson­de­re Anpas­sungs­fak­tor um eine neu­tra­le Metho­de zur Bestim­mung der Treib­haus­gas­ef­fi­zi­enz hand­le.

Schlies­sich ist die X. AG der Mei­nung, dass sie gegen­über ihren aus­län­di­schen Mit­be­wer­bern benach­tei­ligt sei, solan­ge sie man­gels Ver­knüp­fung des schwei­ze­ri­schen mit dem euro­päi­schen Emis­si­ons­han­dels­sy­stem kei­ne bil­li­ge­ren euro­päi­schen Emis­si­ons­rech­te oder Emis­si­ons­min­de­rungs­zer­ti­fi­ka­te kau­fen kön­ne und sich den­noch den Emis­si­ons­wert des euro­päi­schen Stom­mi­xes von 0,465 Ton­nen CO2 pro MWh anrech­nen las­sen müs­se. Dies stel­le eine Ver­let­zung der rechts­glei­chen Behand­lung nach Art. 8 Abs. 1 BV dar. In die­sem Zusam­men­hang ruft das BGer aber in Erin­ne­rung, dass sich der Anspruch auf rechts­glei­che Behand­lung nur auf den Zustän­dig­keits­be­reich ein und des­sel­ben Gemein­we­sens bezie­he. Die­ser Grund­satz gel­te a for­tio­ri auch im inter­na­tio­na­len Ver­hält­nis.

Fabian Klaber

Posted by Fabian Klaber

Dr. Fabian Klaber, LL.M, hat an der Universität Basel und an der Columbia Law School (LL.M.) studiert, war danach als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Basel tätig und absolvierte Praktika bei Froriep und beim Bezirksgericht Horgen. Er arbeitet im Advokaturbureau Kleb | Harburger.