X. war als Seni­or Com­pli­an­ce Mana­ge­rin bei der Bank Z. SA ange­stellt. Sie beschwer­te sich betriebs­in­tern über ihre direk­te Vor­ge­setz­te, die für die Com­pli­an­ce-Abtei­lung der Bank Z. SA ver­ant­wort­lich war. Die Bank lei­te­te eine inter­ne Unter­su­chung ein. Der Unter­su­chungs­be­richt hielt fest, dass die Com­pli­an­ce-Abtei­lung unge­nü­gend orga­ni­siert und geführt wor­den war. Eini­ge Kri­tik­punk­te von X. waren des­halb gerecht­fer­tigt. Der Unter­su­chungs­be­richt konn­te jedoch nicht bestä­ti­gen, dass X. von ihrer Vor­ge­setz­ten in eine Opfer­rol­le gedrängt und gemobbt wor­den war. Im Gegen­teil hat­ten eini­ge Zeu­gen aus­ge­sagt, X. habe sich gegen­über Mit­ar­bei­tern und der Vor­ge­setz­ten aggres­siv ver­hal­ten. X. sei laut gewor­den, wenn Din­ge nicht so ver­lau­fen sei­en, wie sie dies ger­ne gehabt hät­te.

Rund vier Mona­te spä­ter kün­dig­te die Bank am glei­chen Tag das Arbeits­ver­hält­nis mit X. und das­je­ni­ge mit der Vor­ge­setz­ten. X. lei­te­te Kla­ge gegen die Bank wegen miss­bräuch­li­cher Kün­di­gung ein. Sie stell­te sich auf den Stand­punkt, die Kün­di­gung sei ein­zig erfolgt, weil sie sich über ihre Vor­ge­setz­te beschwert hat­te. Nach Auf­fas­sung von X. wäre die Bank gehal­ten gewe­sen, ent­we­der die Vor­ge­setz­te oder sie zu ver­set­zen, statt bei­de zu ent­las­sen.

Das Tri­bu­nal des prud’hommes du can­ton de Genè­ve wies die Kla­ge ab. Die Cham­bre des prud’hommes de la Cour de justi­ce du can­ton de Genè­ve bestä­tig­te das erst­in­stanz­li­che Urteil. Das Bun­des­ge­richt wies die Beschwer­de der X. ab, soweit dar­auf ein­ge­tre­ten wer­den konn­te (Urteil 4A_130/2016 vom 25. August 2016).

Das Bun­des­ge­richt erwog im Wesent­li­chen, X. sei eine Ange­hö­ri­ge des höhe­ren Kaders gewe­sen. Cha­rak­ter­li­che Schwie­rig­kei­ten wür­den sich auf die­ser Stu­fe als pro­ble­ma­tisch erwei­sen. X. sei erst 37 Jah­re alt gewe­sen und das Arbeits­ver­hält­nis mit der Bank habe nur knapp ein Jahr gedau­ert. Das unan­ge­brach­te Ver­hal­ten von X. gegen­über ihren Mit­ar­bei­tern und der Vor­ge­setz­ten sei auf den Cha­rak­ter von X. zurück­zu­füh­ren. Eine kon­zern­in­ter­ne Ver­set­zung hät­te gemäss Bun­des­ge­richt kei­nen Ein­fluss auf den Cha­rak­ter von X. gehabt. Der Kün­di­gungs­ent­scheid der Bank sei daher nicht zu bean­stan­den (zum Gan­zen E. 2.2).

Roland Bachmann

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Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).