A. (Beschw­erdegeg­n­er) arbeit­ete für die Bank X. (Beschw­erde­führerin). Er wurde anlässlich eines Qual­i­fika­tion­s­ge­sprächs ver­warnt, da er häu­fig und lange pri­vate Tele­fonge­spräche während der Arbeit­szeit führte und regelmäs­sig Drittper­so­n­en in die Räum­lichkeit­en der Bank mit­nahm, obwohl die entsprechen­den Bere­iche nur für Mitar­beit­er zugänglich waren.

Siebzehn Monate nach­dem die Ver­war­nung aus­ge­sprochen wor­den war, kam es in den Räum­lichkeit­en der Bank zu einem Zwis­chen­fall. Gegen Schal­ter­schluss tauchte die Ex-Fre­undin von A. in der Schal­ter­halle auf. In sehr aufge­brachtem Zus­tand disku­tierte sie während unge­fähr ein­er hal­ben Stunde mit A., der weit­er­hin sein­er Arbeit nachging. Als A. den Schal­ter geschlossen hat­te und sich in die hin­teren Räum­lichkeit­en begeben wollte, fol­gte ihm seine Ex-Fre­undin. A. nahm seine Ex-Fre­undin mit in den Kon­feren­zraum und ver­suchte sie zu beruhi­gen. Unge­fähr zehn Minuten später ver­liess die Ex-Fre­undin die Räum­lichkeit­en der Bank wieder. A. wurde frist­los ent­lassen, weil er sein­er Ex-Fre­undin Zutritt zu den inter­nen Räum­lichkeit­en der Bank gewährt hat­te (Urteil 4A_153/2016 vom 27. Sep­tem­ber 2016, E. 2.2).

A. leit­ete gegen die Bank Klage ein. Das Tri­bunal civ­il du Lit­toral et du Val-de-Tra­vers hiess die Klage teil­weise gut. Die Beru­fungsin­stanz bestätigte das Urteil im Wesentlichen. Das Bun­des­gericht wies die Beschw­erde der Bank ab, soweit es darauf ein­trat.

Das Bun­des­gericht erwog im Wesentlichen, A. könne keinen Vor­wurf gemacht wer­den, da er seine Vorge­set­zte her­beigerufen habe, als er noch in der Schal­ter­halle war. Die Vorge­set­zte sei jedoch nicht erschienen. A. habe sich wed­er unsorgfältig noch illoy­al gegenüber der Bank ver­hal­ten. Das Bun­des­gericht hielt überdies fest, seit der Ver­war­nung sei es während siebzehn Monat­en zu keinen Bean­stan­dun­gen bezüglich des Pri­vatlebens von A. gekom­men (zum Ganzen E. 2.2).

Roland Bachmann

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Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).