Gemäss Art. 806 ZGB erstreckt sich die Pfand­haft, wenn das ver­pfän­de­te Grund­stück ver­mie­tet oder ver­pach­tet ist, auch auf die Miet- oder Pacht­zins­for­de­run­gen, die seit Anhe­bung der Betrei­bung auf Ver­wer­tung des Grund­pfan­des oder seit der Eröff­nung des Kon­kur­ses über den Schuld­ner bis zur Ver­wer­tung auf­lau­fen. Gemäss Art. 152 Abs. 2 SchKG teilt das Betrei­bungs­amt den Mie­tern oder Päch­tern die Anhe­bung der Betrei­bung mit und weist sie an, die fäl­lig wer­den­den Miet- oder Pacht­zin­se an das Betrei­bungs­amt zu bezah­len, wenn auf dem Grund­stück Miet- oder Pacht­ver­trä­ge bestehen und der betrei­ben­de Pfand­gläu­bi­ger die Aus­deh­nung der Pfand­haft auf die Miet- oder Pacht­zins­for­de­run­gen ver­langt. Das kon­kre­te Vor­ge­hen des Betrei­bungs­am­tes und die Mög­lich­kei­ten von Pfand­ei­gen­tü­mer, Schuld­ner und Gläu­bi­ger sind in Art. 91 ff. VZG gere­gelt.

Im vor­lie­gen­den Urteil hat­te sich das Bun­des­ge­richt mit der Fra­ge zu befas­sen, ob die Erhe­bung einer Aberken­nungs­kla­ge des Schuld­ners einen Ein­fluss auf die Pro­se­quie­rung der Zin­sensper­re hat, d.h. ob wegen der erho­be­nen Aberken­nungs­kla­ge die Frist zur Erhe­bung der Kla­ge des Gläu­bi­gers auf Fest­stel­lung der Aus­deh­nung der Pfand­haft auf Miet- und Pacht­zin­sen zu einem spä­te­ren Zeit­punkt zu lau­fen beginnt (E. 3.3).

Das Bun­des­ge­richt stell­te zunächst die gesetz­li­che Rege­lung dar (E. 3.2) und schütz­te in der Fol­ge (E. 3.3) unter Ver­weis auf die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung und nach Abwä­gung der Inter­es­sen der Betei­lig­ten die Auf­fas­sung der Vor­in­stan­zen, wonach die Anset­zung der Frist zur Erhe­bung der Kla­ge auf Fest­stel­lung des Pfand­rechts an Miet- und Pacht­zin­sen (Art. 93 Abs. 2 VZG) nicht dadurch gehin­dert wer­de, dass gegen die Rechts­öff­nung betref­fend For­de­rung und Grund­pfand­recht eine Aberken­nungs­kla­ge erho­ben wor­den ist.

Lukas Wiget

Posted by Lukas Wiget

RA Dr. Lukas Wiget, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG tätig. Nach dem Studium an der Universität Zürich arbeitete er zunächst als wissenschaftlicher Assistent, später am Bezirksgericht Horgen und in einer grösseren Zürcher Wirtschaftskanzlei. Das LL.M.-Studium absolvierte er in Sydney an der University of New South Wales.