Der Bun­des­rat hat die Bot­schaft und den ent­spre­chen­den Ent­wurf für die Revi­si­on des Akti­en­rechts ver­ab­schie­det. Gegen­über dem Vor­ent­wurf (wei­te­re Infor­ma­tio­nen hier­zu fin­den Sie hier) ver­zich­tet der Bun­des­rat auf bestimm­te Ände­run­gen (S. 26 ff.; Auf­li­stung am Ende des Bei­trags). Die nun­mehr vor­ge­schla­ge­nen Ände­run­gen betref­fen fol­gen­de Berei­che:

Im Bereich Kapi­tal und Akti­en sind fol­gen­de Ände­run­gen vor­ge­se­hen:

  • Um die Inko­hä­renz zwi­schen dem Rech­nungs­le­gungs- und dem Akti­en­recht zu lösen, muss der Nenn­wert der Akti­en nicht mehr zwin­gend auf Schwei­zer Fran­ken lau­ten. Neu soll es zuläs­sig sein, ein Akti­en­ka­pi­tal in der für die Geschäfts­tä­tig­keit wesent­li­chen aus­län­di­schen Wäh­rung anzu­ge­ben. Sämt­li­che kapi­tal­be­zo­ge­nen Aspek­te (Reser­ven­bil­dung, Beschluss über die Aus­schüt­tung einer Divi­den­de oder Rück­zah­lung einer Kapi­tal­ein­la­ge, Fest­stel­lung eines Kapi­tal­ver­lusts oder einer Über­schul­dung) wür­den sich sodann aus­schliess­lich auf die­sen Jah­res­ab­schluss nach OR in aus­län­di­scher Wäh­rung bezie­hen (S. 30 ff.). 
  • Wie bereits im Vor­ent­wurf ver­zich­tet der Ent­wurf hin­sicht­lich des Nenn­werts von Akti­en auf einen Min­dest­nenn­wert, son­dern schreibt nur noch vor, dass die Akti­en einen Nenn­wert auf­wei­sen müs­sen, der grö­sser ist als Null (S. 33). 
  • Eben­falls wie im Vor­ent­wurf ver­zich­tet der Ent­wurf dar­auf, die (beab­sich­tig­te) Sach­über­nah­me als qua­li­fi­zier­ten Tat­be­stand bei einer Grün­dung oder Kapi­tal­er­hö­hung zu bezeich­nen (S. 34 ff.). 
  • Über­nom­men aus dem Vor­ent­wurf wur­den wei­ter die Regeln betref­fend Ein­füh­rung eines Kapi­tal­bands: Die neu­en Kapi­tal­be­stim­mun­gen sol­len mehr Fle­xi­bi­li­tät für die Unter­neh­men schaf­fen und gleich­zei­tig durch kla­re Rege­lun­gen für mehr Rechts­si­cher­heit sor­gen (S. 37 f.). 
  • Schliess­lich wer­den die Bestim­mun­gen zu den Reser­ven an das neue Rech­nungs­le­gungs­recht ange­passt. Dabei wird unter ande­rem die Rück­zah­lung gesetz­li­cher Kapi­tal- und Gewinn­re­ser­ven an die Aktio­nä­re libe­ra­li­siert (S. 38).

Auch gemäss Ent­wurf sol­len die Bestim­mun­gen der VegüV in die ent­spre­chen­den Bun­des­ge­set­ze über­führt wer­den. Im Unter­schied zum Vor­ent­wurf beinhal­tet der Ent­wurf indes­sen eine “VegüV-nahe” Umset­zung. Auf die über die VegüV hin­aus­ge­hen­den Bestim­mun­gen, die in der Ver­nehm­las­sung gröss­ten­teils deut­lich abge­lehnt wur­den, wird ver­zich­tet (S. 49 ff.).

Fest­ge­hal­ten hat der Bun­des­rat sodann an Ziel­wer­ten für die Ver­tre­tung bei­der Geschlech­ter im Ver­wal­tungs­rat und in der Geschäfts­lei­tung von bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men (“Frau­en­quo­te”). Im Unter­schied zum Vor­ent­wurf dif­fe­ren­ziert der Ent­wurf aller­dings zwi­schen dem Ver­wal­tungs­rat (wo jedes Geschlecht min­de­stens zu 30 Pro­zent ver­tre­ten sein soll) und der Geschäfts­lei­tung (wo eine Ver­tre­tung von min­de­stens 20 Pro­zent je Geschlecht erreicht wer­den soll). Die Umset­zungs­frist beträgt für den Ver­wal­tungs­rat neu 10 Jah­re, für die Geschäfts­lei­tung wie gemäss Vor­ent­wurf 5 Jah­re. Soll­te die­se Vor­ga­be ver­fehlt wer­den, müs­sen die Grün­de hier­für im jähr­li­chen Ver­gü­tungs­be­richt sowie die zur För­de­rung des weni­ger stark ver­tre­te­nen Geschlechts ergrif­fe­nen oder zu ergrei­fen­den Mass­nah­men ange­ge­ben wer­den (Com­ply-or-Exp­lain Ansatz) (S. 53 ff.).

Schliess­lich betref­fen die vor­ge­schla­ge­nen Ände­run­gen fol­gen­de wei­te­re Berei­che:

  • So soll bei der Grün­dung, Auf­lö­sung oder Liqui­die­rung ein­fach struk­tu­rier­ter Unter­neh­men die Pflicht zur öffent­li­chen Beur­kun­dung abge­schafft wer­den. Vor­aus­set­zung ist, dass die Sta­tu­ten einer Akti­en­ge­sell­schaft oder GmbH aus­schliess­lich den gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Min­de­st­in­halt ent­hal­ten, das Akti­en- bzw. Stamm­ka­pi­tal auf Fran­ken lau­tet und die Ein­la­gen voll­stän­dig in Fran­ken gelei­stet wer­den. Die­se Ände­rung war im Vor­ent­wurf noch nicht ent­hal­ten (S. 39 f.). 
  • Hin­sicht­lich der auch bereits im Vor­ent­wurf ange­spro­che­nen Pro­ble­ma­tik mit den Dis­po­ak­ti­en ver­zich­tet der Bun­des­rat auf­grund der Ergeb­nis­se der Ver­nehm­las­sung im Ent­wurf auf eine gesetz­li­che Rege­lung (S. 41 ff.). 
  • Wie bereits gemäss Vor­ent­wurf ent­hält auch der Ent­wurf Bestim­mun­gen zur Ver­wen­dung elek­tro­ni­scher Mit­tel, die bei­spiels­wei­se die vir­tu­el­le GV ermög­li­chen sol­len (S. 49). 
  • Der Ent­wurf will sodann die Cor­po­ra­te Gover­nan­ce auch bei nicht bör­sen­no­tier­ten Gesell­schaf­ten punk­tu­ell ver­bes­sern. Aktio­nä­re mit einer gewis­sen Betei­li­gung sol­len des­halb vom Ver­wal­tungs­rat schrift­lich Aus­kunft über die Ange­le­gen­hei­ten der Gesell­schaft ver­lan­gen kön­nen (S. 58). Zudem sol­len die gesetz­li­chen Schwel­len­wer­te für die Aus­übung von Aktio­närs­rech­ten ange­passt wer­den (S. 59 ff.). Der per­sön­li­che und sach­li­che Gel­tungs­be­reich der Rück­erstat­tungs­kla­ge soll prä­zi­siert und die gesetz­li­che Rege­lung damit punk­tu­ell ver­bes­sert wer­den (S. 62). Der noch im Ent­wurf 2007 vor­ge­se­he­ne Geneh­mi­gungs­vor­be­halt für Beschlüs­se des Ver­wal­tungs­rats wird jedoch fal­len­ge­las­sen (S. 58 f.). 
  • Im Par­la­ment wur­den drei Vor­stö­sse ein­ge­reicht vor dem Hin­ter­grund, die Mög­lich­keit der Schaf­fung von Stimm­rechts­ak­ti­en zu ver­bie­ten. Der Bun­des­rat sieht indes­sen kei­nen drin­gen­den Hand­lungs­be­darf (S. 62 ff.). 
  • Der Ent­wurf über­nimmt auf­grund der posi­ti­ven Rück­mel­dun­gen in der Ver­nehm­las­sung mit gewis­sen Anpas­sun­gen die Struk­tur und Kern­ele­men­te des Vor­ent­wurfs zu den sanie­rungs­recht­li­chen Nor­men, die zum Teil neue Hand­lungs­pflich­ten für die Unter­neh­men bzw. deren Ver­wal­tungs­rä­te ein­füh­ren möch­ten (S. 64 ff.). 
  • Bei­be­hal­ten wur­den die Bestim­mun­gen, wel­che mehr Trans­pa­renz im Schwei­zer Roh­stoff­sek­tor gewähr­lei­sten sol­len. Bör­sen­no­tier­te und gro­sse Unter­neh­men müs­sen in einem elek­tro­nisch zu ver­öf­fent­li­chen­den Bericht Zah­lun­gen ab CHF 100’000 (im Vor­ent­wurf waren noch CHF 120’000 vor­ge­se­hen) pro Geschäfts­jahr offen­le­gen, die das Unter­neh­men an staat­li­che Stel­len gelei­stet hat (S. 68 ff.). 

Auf fol­gen­de, ursprüng­lich im Vor­ent­wurf vor­ge­se­he­ne Ände­run­gen ver­zich­tet der Bun­des­rat in sei­nem Ent­wurf (S. 26 ff.):

  • Abschaf­fung der Mög­lich­keit zur Teil­li­be­rie­rung; 
  • Bonus-/Malusdividende für aktive/passive Aktio­nä­re; 
  • Prüf­pflicht für die Rück­zah­lung gesetz­li­cher Reser­ven; 
  • Abschaf­fung der Buch­wert­kon­so­li­die­rung; 
  • Meh­re­re über die VegüV hin­aus­ge­hen­de Bestim­mun­gen (hier­zu bereits wei­ter oben); 
  • Aus­deh­nung der Organ­ver­ant­wort­lich­keit auf die unab­hän­gi­ge Stimm­rechts­ver­tre­tung; 
  • Elek­tro­ni­sches Aktio­närs­fo­rum; 
  • Kla­gen auf Kosten der Gesell­schaft

Martin Rauber

Posted by Martin Rauber

RA Dr. Martin Rauber, LL.M, arbeitet als Rechtsanwalt bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Zuvor wirkte er als juristischer Sekretär am Bezirksgericht Horgen, wo er heute als nebenamtlicher Ersatzrichter im Einsatz steht. Er studierte an der Universität Freiburg i.Ue., der Université Libre de Bruxelles sowie an der University of Edinburgh (LL.M. Commercial Law).